„Vatileaks“-Prozess

Ex-Butler des Papstes zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt

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Foto: OSSERVATORE ROMANO / REUTERS

Der frühere päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele ist in Rom des Diebstahls schuldig gesprochen worden.

Im Prozess um die „Vatileaks“-Enthüllungen ist der Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem muss er die Prozesskosten tragen.

Das vatikanische Gericht sprach ihn am Sonnabend des Diebstahls schuldig. Das Urteil wurde live ins Pressezentrum des Vatikan übertragen. Zuvor hatte der vatikanische Staatsanwalt, Nicola Picardi, drei Jahre Haft verlangt.

Der 46-Jährige hatte gestanden, vertrauliche Dokumente des Papstes an den Journalisten Gianluigi Nuzzi weitergegeben zu haben.

Die drei Richter erkannten in ihrem Urteil mildernde Umstände an. Gabriele habe aus einer „subjektiven, wenn auch fälschlichen Überzeugung heraus gehandelt“, erklärte der Vorsitzende Richter Giuseppe Dalla Torre bei der Urteilsverkündung. Überdies habe er im Verfahren das Bewusstsein entwickelt, das Vertrauen des Papstes gebrochen zu haben.

Gabriele fühlt sich nicht als Dieb

„Ich bin zutiefst überzeugt, dass ich aus tiefer Liebe für die Kirche und ihr sichtbares Oberhaupt gehandelt habe“, sagte Gabriele nach den Schlussplädoyers. „Ich fühle mich nicht wie ein Dieb.“ Nach der Urteilsverkündung blieb zunächst unklar, wann Gabriele die Haft in einem italienischen Gefängnis antritt. Vatikanbeobachter rechneten überdies mit einer raschen Begnadigung des Verurteilten durch Papst Benedikt XVI.

Die Anklage hatte eine dreijährige Haftstrafe für Gabriele gefordert. Die Verteidigung hatte nach Angaben der zugelassenen Prozessbeobachter hingegen dafür plädiert, die Anklage von Diebstahl in unbefugte Aneignung zu mindern.

Keine Beweise für Komplizen

Staatsanwalt Nicola Picardi betonte im Schlussplädoyer, Gabriele sei leicht von außen zu beeinflussen. Bei den Ermittlungen seien jedoch keine Beweise für Komplizen des Angeklagten entdeckt worden. Gabriele müssten daher berufliche Tätigkeiten im direkten Kontakt mit Machtbefugnissen untersagt werden, forderte die Anklage zusätzlich zur Haftstrafe.

Für die Anwältin des Angeklagten, Cristiana Arru, stellten die Taten ihres Mandanten nicht den Tatbestand des Diebstahls dar. In seiner beruflichen Funktion sei es seine Aufgabe gewesen, Kopien der vertraulichen Dokumente zu erstellen, die Gegenstand des Prozesses sind.

Die Verteidigung machte überdies auf Unregelmäßigkeiten bei den Ermittlungen aufmerksam. So habe die vatikanische Gendarmerie kein Inventar des in Gabrieles Wohnung beschlagnahmten Materials erstellt. Überdies hätten die Beamten bei der Hausdurchsuchung am 23. Mai keine Handschuhe getragen. Daher sei es nicht möglich gewesen, etwa das Goldstück unter den Fundstücken auf Fingerabdrücke des Angeklagten zu untersuchen. Gabriele hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis von dem Goldstück.

( epd/sei )

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