Kommentar

Urteil im Breivik-Prozess - Im Namen des Volkes

Anders Breivik ist ein schuldfähiger Massenmörder, der lebenslang ins Gefängnis muss. Ein Urteil, das in Norwegen für Erleichterung sorgt.

Anders Behring Breivik ist nicht geisteskrank, sondern ein schuldfähiger Massenmörder, der für seine Taten voll verantwortlich ist. So urteilte am Freitag das Osloer Gericht nach vier Monaten Dauerverhandlung.

Die Richter hatten am Ende nur über die Frage der Zurechnungsfähigkeit Breiviks zu entscheiden, der stets darauf erpicht war, nicht in die Psychiatrie eingewiesen zu werden. So breitete sich im Gerichtssaal schnell ein Gefühl der Erleichterung aus, denn auch die Überlebenden und Angehörigen wollten, dass Norwegens schlimmster Attentäter im Gefängnis landet.

Es gibt letztlich nur zwei Verlierer in diesem weltweit beachteten Prozess. Das ist einmal die Disziplin der Rechtspsychiatrie, die sich zumindest in Norwegen fragen lassen muss, ob sie eigentlich die richtigen Kriterien und Werkzeuge für die Beurteilung der Schuldfähigkeit verwendet.

Zwei völlig gegensätzliche Gutachten lieferten Stoff für einen wahren Glaubenskrieg um die Frage der Zurechnungsfähigkeit.

Vor Gericht sollte es aber nicht um Glauben, sondern um Fakten und Beweise gehen. Auch die Staatsanwaltschaft sieht trotz ihrer guten Verhandlungsführung schlecht aus. Die beiden Anklagevertreter klammerten sich bis zum Schluss an das erste, scharf kritisierte Gutachten, das bei Breivik eine paranoide Schizophrenie diagnostizierte.

Richterin Wenche Elizabeth Arntzen und ihre Kollegen machten sich jedoch ihr eigenes Bild. Und so kam es zu einem Urteil, das nicht nur im Namen des Volkes ergangen ist, sondern auch mit großer Befriedigung im Land aufgenommen wird.