Amoklauf

Norwegen gedenkt der Todesopfer von Oslo und Utoya

Norwegen begeht den ersten Jahrestag der grausamen Terroranschläge von Utoya und Oslo. Auch in Berlin und Brandeburg wird der Opfer gedacht.

Foto: DPA

Ein Jahr nach den Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utöya hat Norwegen an die 77 Opfer des Massakers erinnert. Bei einer Kranzniederlegung in der Hauptstadt sagte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der geständige Attentäter Anders Behring Breivik habe sein erklärtes Ziel nicht erreicht, das Engagement des Landes für eine multikulturelle und offene Gesellschaft zu zerstören.

„Die Bombe und die Schüsse sollten Norwegen verändern“, sagte Stoltenberg. „Das norwegische Volk aber hält an unseren Werten fest. Der Täter hat verloren. Das Volk hat gewonnen.“ Während seiner Rede waren die Spuren des Bombenanschlags im Osloer Regierungsviertel noch immer sichtbar. Planen hingen vor den Fenstern der beschädigten Häuser. Der Platz war für den Verkehr gesperrt, berittene Polizisten und Beamte mit Suchhunden waren vor Ort.

Trauermesse in Oslo

Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst einen Sprengsatz im Osloer Regierungsviertel gezündet und später in einem Sommerlager auf Utöya zahlreiche Jugendliche erschossen. Die Überlebenden von Utöya versammelten sich am Sonntag für eine private Zeremonie auf der Insel, während die Königsfamilie und Regierungsmitglieder an einer Messe in Oslo teilnahmen. Dort war auch noch ein Konzert in Gedenken an die Todesopfer geplant.

Während seines zehnwöchigen Prozesses hatte Breivik die Taten gestanden, eine juristische Verantwortung aber zurückgewiesen. Er bezeichnete die Opfer als Verräter, die Einwanderer ins Land holen und Norwegen in eine multikulturelle Gesellschaft verwandeln wollten. Die Staatsanwälte beschrieben den Angeklagten als psychotisch und forderten seine Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Die Verteidigung wollte Breivik dagegen für zurechnungsfähig erklärt sehen. Das Urteil soll am 24. August verkündet werden.

Gedenken in Berlin und Brandenburg

Auch die Berliner SPD will am Sonntag mit einer Kundgebung vor der norwegischen Botschaft der Opfer gedenken. Mit ihrer Teilnahme an der internationalen Schweigeminute wollen die Sozialdemokraten anschließend ihre Solidarität bekunden.

Ein Apfelbaum und 77 Rosen: Die brandenburgische SPD hat am Sonntag in Potsdam der Opfer der Anschläge von Oslo und Utoya in Norwegen gedacht. In Erinnerung an die Tat pflanzten die Jusos einen Apfelbaum an der brandenburgischen SPD-Zentrale und legten 77 Rosen nieder, wie Landesgeschäftsführer Daniel Rigot sagte. Der Juso-Landesvorsitzende Nico Ruhle bezeichnete die Taten als Anschlag auf die Toleranz und das Miteinander der Menschen.

An dem Gedenken beteiligten sich auch SPD-Landeschef und Ministerpräsident Matthias Platzeck sowie Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Platzeck mahnte, Toleranz sei eine tägliche Aufgabe und kein Selbstverständnis. Das hätten die Anschläge von Norwegen verdeutlicht.