Glücksspiel

Lottospieler können bald wieder im Internet tippen

Seit 2009 war das Lottospielen online verboten. Doch demnächst soll es das Angebot wieder geben. Der neue Glücksspielstaatsvertrag macht es möglich

Nach sechs Jahren Zwangspause können Lottospieler ihre Tipps schon bald wieder im Internet abgeben. Die staatlichen Lottogesellschaften wollen die Online-Tippabgabe anbieten und damit den jährlichen Spielumsatz um eine Milliarde Euro steigern, wie das „Handelsblatt“ berichtete. „Das Angebot unter der Zentraladresse Lotto.de wird in Kürze starten“, sagte demnach Erwin Horak, Chef von Lotto Bayern und federführend beim Deutschen Lotto- und Totoblock. Mittelfristig solle der Umsatz mit Lottoangeboten auf acht Milliarden Euro steigen. Im vergangenen Jahr hat der deutsche Lotto- und Totoblock 6,7 Milliarden Euro umgesetzt.

Horak zufolge könne man durch die Mehreinnahmen auch mehr Geld für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen. Bislang sind es 2,5 Milliarden Euro, die jährlich an Museen oder Sportverbände gezahlt werden. Künftig sollen es rund drei Milliarden Euro werden.

Der neue Staatsvertrag macht es möglich

Möglich macht das Online-Lotto der neue Glücksspielstaatsvertrag, der seit Anfang Juli gilt. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende war es möglich gewesen, Lottotipps im Internet abzugeben. Das Bundesverfassungsgericht hatte das aber hierzulande 2006 wegen der Gefahr der Spielsucht untersagt. Seit 2009 waren die Online-Angebote der Lottogesellschaften nur noch für Informationen nutzbar. Tippen konnte man dort nicht mehr.

Danach war der Tipp auf Lottozahlen im Netz nur über private Anbieter möglich, die ihren Sitz etwa im Ausland hatten und sich so der Kontrolle der Behörden entzogen. „Leute wetten dort auf die Zahlen, die zum Beispiel bei „6 aus 49“ fallen“, sagte ein Sprecher von Lotto Bayern. Vertragspartner sei dann aber keine Lotto-Gesellschaft, sondern der Anbieter – wie etwa Tipp24.com. Laut dessen Teilnahmebedingungen darf der Spieler seinen Tipp nicht von einem Land aus abgeben, in dem das Glücksspiel im Internet verboten ist. Das war in Deutschland seit 2009 der Fall.

Der neue Staatsvertrag soll diese Grauzone klären. Künftig können Lottospieler wieder direkt bei den staatlichen Gesellschaften online ihren Tipp abgeben. In einigen Bundesländern wie Hessen oder Bremen ist das Tippen im Netz jetzt schon möglich. Anderswo warten die Lotto-Gesellschaften noch auf die Genehmigungen der Landesregierungen. „Wenn genügend Genehmigungen vorliegen, kann man über die zentrale Einstiegsstelle „lotto.de“ gehen“, sagte Bayerns Lotto-Chef Erwin Horak. Von der Seite aus würden die Spieler auf die Landesseiten geleitet. „Unser Ziel ist, die Kunden, die wir damals verloren haben, wieder zurückzugewinnen“, sagte der Sprecher von Westlotto in Münster.

„Illegale Glücksspiele werden nicht verschwinden“

Lotto will damit auch der illegalen Konkurrenz im Internet die Stirn bieten – und so „die natürlichen Spielbedürfnisse der Bevölkerung in geregelte und legale Bahnen (...) lenken“, wie Westlotto betonte.

„Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Leute, die im Internet illegale Angebote nutzen, auf Lotto-Angebote zurückgreifen werden“, erklärte dagegen die Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder, in Bielefeld. „Die illegalen Glücksspiele werden damit nicht verschwinden.“ Dagegen werde es künftig noch schwieriger zu vermitteln sein, was verboten und was erlaubt sei.

Zuletzt haben die Deutschen 6,7 Milliarden Euro für Spiele wie „6 aus 49“, „Spiel 77“, „Super 6“ oder die Sportwette „Oddset“ ausgegeben. Durchschnittlich 9,6 Millionen Spielaufträge gehen laut Westlotto bundesweit jede Woche ein. Mit Hilfe des Geschäfts im Internet soll der Umsatz mittelfristig auf 8 Milliarden Euro anwachsen, sagte ein Sprecher von Lotto Bayern. Damit könnten die Lotteriegesellschaften auch statt wie bisher 2,5 Milliarden in Zukunft 3 Milliarden Euro etwa an soziale Einrichtungen oder Sportverbände abführen.

Das Aus könnte der schnelle und bequeme Tipp im Netz für viele Annahmestellen bedeuten. Bei Westlotto in Münster glaubt man aber nicht, dass die Filialen unter der neuen Regelung leiden werden: „Wer bis jetzt in eine Annahmestelle gegangen ist, wird das auch weiter tun“, sagte der Sprecher. „Da spielt auch der soziale Faktor eine große Rolle.“ Der Chef von Lotto Bayern, Erwin Horak, betonte: „Internetkunden bei Lotto sind in der Regel neue Kunden.“ Derzeit gibt es rund 23 000 Annahmestellen in Deutschland.