Travemünde

Passagierschiff rammt Fähre und reißt Loch in Rumpf

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Foto: DPA

Eine 171 Meter lange Fähre ist in Travemünde nach einer Kollision mit einem Passagierschiff leckgeschlagen. Sie sank mit dem Bug auf Grund.

Eine 171 Meter lange Fähre ist nach einer Kollision mit einem Passagierschiff in Lübeck-Travemünde mit dem Bug auf Grund gesunken. Das 190 Meter lange Passagierschiff „Nils Holgersson“ fuhr am Donnerstagabend vor den Anlegern aus bislang ungeklärter Ursache geradeaus und rammte die Personen-und-Pkw-Fähre „Urd“, wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Lübeck-Travemünde sagte.

Die deutsche „Nils Holgersson“ der TT-Line-Reederei kehrte aus Schweden zurück. Sie riss ein etwa sechs Quadratmeter großes Leck in die Bordwand der RoRo-Fähre „Urd“. Diese lag am Kai und wurde zum Unglückszeitpunkt be- und entladen. Wie ein Feuerwehrsprecher auf Anfrage sagte, trat nach einem ersten Versuch, den Rumpf zu schließen, erneut Wasser in die dänische Fähre ein. Das Schiff der Reederei Scandlines sank daraufhin mit dem Bug auf den Grund und blieb mit Schlagseite am Anleger liegen. Menschen wurden bei dem Zusammenstoß nicht verletzt.

Die beschädigte Stelle sollte mit einem sogenannten Lecksegel abgedichtet werden, wie eine Sprecherin des Havariekommandos sagte. Dieses wird um die Schiffshaut gespannt, um sie abzudichten. Wie lang dies dauere, sei nicht absehbar, sagte die Sprecherin. Anschließend werde das Schiff leergepumpt. Die elf Jahre alte „Nils Holgersson“ blieb offenbar unbeschädigt.

Es gelang, die beschädigte Sektion des Schiffes abzuschotten und ein Vordringen des Wassers zu verhindern, sagte ein Sprecher der Polizei. In der Nacht zu Freitag sollten Taucher Stahlplatten auf das Loch in der Bordwand der „Urd“ schweißen, wie der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, erklärte. „Das wird die ganze Nacht dauern.“ Erst nach dem Verschließen des Lecks könne das Schiff leer gepumpt werden. „Das dürfte im Laufe des morgigen Tages vollendet sein.“ Die Bergung sei mit der Reederei abgestimmt.

Die Passagiere der „Nils Holgersson“ konnten das Schiff am Anleger verlassen. Die „Urd“, die am Abend nach Liepaja in Lettland auslaufen sollte, musste wieder entladen werden. Zur Schadenshöhe und genauen Unfallursache lagen gegen Mitternacht noch keine Angaben vor.

Sprecher schließt menschliches Versagen nicht aus

Eigentlich sollte die mit 63 Passagieren besetzte „Nils Holgersson“ in einem Wendebecken vor den Anlegern drehen, um dann rückwärts an den Kai zu fahren. Warum sie geradeaus fuhr, war zunächst unklar. Die Wasserschutzpolizei ging von einem technischen Defekt aus. Der Sprecher schloss allerdings auch menschliches Versagen nicht aus. Die Sichtverhältnisse seien gut gewesen.

Die Feuerwehr, die anfangs mit mehr als 150 Mann im Einsatz war, legte vorsorglich Ölschlangen bereit. Vorerst trat jedoch kein Öl aus. Zur Höhe des Schadens konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.

( dapd/dpa/sei )

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