Frankreich

Mörder von Toulouse filmte offenbar seine Tat

Der Mann, der am Montag in Toulouse vor einer Schule drei Kinder und einen Rabbiner getötet hat, trug offenbar eine Minikamera um den Hals. Das zeigen Überwachungsbilder.

Die Ermittlungen zu dem Angriff auf eine jüdische Schule in Toulouse am Montag sowie auf Soldaten in der vergangenen Woche kommen offenbar nur schleppend voran. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erhöhte die Terrorwarnstufe in der Region auf das höchste Gefährdungsniveau. Innenminister Claude Guéant erklärte am Morgen, der Täter habe seinen Angriff in Toulouse möglicherweise gefilmt.

Die Behörden seien noch nicht kurz vor einer Verhaftung, räumte Guéant ein. Zum mutmaßlichen Profil des Verdächtigen sagte er, es handle sich um jemanden, der „sehr kalt und sehr entschlossen“ sei, der große Kontrolle über seine Bewegungen habe und sehr grausam sei. Während der Schüsse in Toulouse habe er offenbar eine Art Kamera um den Hals getragen. Das habe die Auswertung der Überwachungskameras ergeben. Zeugen hätten das bestätigt. Der Täter sei kalt und zielstrebig vorgegangen und habe sich mit großer Präzision bewegt.

Auf die Frage, ob der Täter die Szene aufgezeichnet habe, sagte Guéant: „Das können wir uns vorstellen.“ Den Angaben zufolge durchsuchen die Behörden das Internet nach einem entsprechenden Video. Bisher seien jedoch keine Spuren entdeckt worden, hieß es.

Der Täter verwendete nach seinen Worten bei allen Anschlägen einen gestohlenen Motorroller und dieselbe Handfeuerwaffe. Der Mann soll auch für die Tötung von drei Fallschirmjägern ausländischer Abstammung vor wenigen Tagen verantwortlich sein.

Nach Angaben der Polizei könnte es sich um einen ausgebildeten Scharfschützen handeln. Sein Gesicht war bei der Tat in Toulouse von einem Motorradhelm verdeckt. Nach einem Bericht des Magazins „Le Point“ könnte der Mann einer von drei Soldaten sein, die im Jahr 2008 wegen Neonazi-Umtrieben aus der Armee entlassen wurden.

Es handle sich um den schlimmsten Angriff auf eine Schule in Frankreich überhaupt, sagte Sarkozy am Montagabend. Die Terrorwarnstufe sei auf Rot gesetzt worden, das höchste Niveau auf einer vierstufigen Skala. 14 Einheiten der Bereitschaftspolizei sicherten die Region rund um Toulouse, solange der Verdächtige auf der Flucht sei.

Bei dem Anschlag am Montag hatte ein Mann vor einer Schule in Toulouse einen Rabbiner und drei Kinder getötet sowie einen Jugendlichen schwer verletzt. Gemeinsam mit dem Rabbi wurden seine vier und fünf Jahre alten Söhne von dem Mann auf dem Motorroller erschossen. Sie gingen auf die nahegelegenen Schule Gan Rachi. Das vierte Opfer am Montag war die sieben Jahre alte Tochter des Rektors des Gymnasiums Ozar Hatorah. Ein weiterer 17 Jahre alter Jugendlicher wurde schwer verletzt. Alle drei getöteten Kinder hatten die französische und die israelische Staatsbürgerschaft.

Bei den tödlichen Schüssen wurde nach Angaben der französischen Polizei dieselbe Waffe benutzt wie bei zwei Anschlägen auf Soldaten in der vergangenen Woche. Der Angreifer habe am Montag 15 Schüsse abgefeuert, sagte ein Polizeibeamter.

Bei einem weiteren Anschlag waren im nahe gelegenen Montauban zwei Fallschirmjäger getötet und ein weiterer schwer verletzt worden. Die Opfer hatten nordafrikanische und karibische Wurzeln. Wie auch am Montag flüchtete der Täter auf einem Motorrad.