Nach Trennung

Heidi Klum und Seal - die Show geht weiter

Die Ehe von Model Heidi Klum und Sänger Seal Samuel ist aus. Aber die Show geht sicher weiter. Weil sich beide trotz Trennung "weiter sehr liebhaben".

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„The Show must go on“ heißt es im Theater. Der Darsteller mag straucheln, er mag den Text vergessen, die Zuschauer mögen buhen, aber die Bühne verlässt niemand. Ein bisschen was von einer Show hatte auch die Ehe von Heidi Klum und dem Sänger Seal. Der Titel der Show lautete: „Große Liebe“. Dazu gehörte das jährliche Erneuern des Ehegelübdes – zuletzt vor ein paar Monaten. Dazu gehörten Auftritte beim Kölner Karneval. Dazu gehörten Interviews, die vor gegenseitiger Huldigung strotzten. Dazu gehörten Fotoinszenierungen, die dem „Playboy“ gut gestanden hätten.

Am Montag nun wurde das Ende der Ehe offiziell bestätigt. Aber die Show geht weiter. „Wir haben sieben liebevolle, treue und glückliche Ehejahre verlebt, aber nachdem wir in uns gegangen sind, haben wir die Trennung beschlossen“, teilte das Paar am Montag mit und verzichtete darauf, die fehlende Logik der beiden Satzteile zu erklären. „Wir hatten den tiefsten Respekt voreinander in unserer Beziehung und werden uns weiter sehr liebhaben, aber wir haben uns auseinandergelebt“, heißt es weiter.

Heidi Klum, das Model aus Bergisch Gladbach, und Seal Samuel, britischer Sänger mit afrikanischen Wurzeln, waren sieben Jahre lang verheiratet. Statistisch betrachtet scheitert ein Großteil der Ehen in diesem, dem „verflixten“ Ehejahr. Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Und Prominentenehen scheitern noch früher und noch öfter.

Das amerikanische Klatschportal „TMZ“ hatte diese Trennungsnachricht schon vor Tagen veröffentlicht. „Unüberbrückbare Differenzen“, werden die Eheleute vor Gericht vortragen, wusste das Magazin und hatte Recht.

Wie groß die Überraschung über diese Nachricht war, verrät die Schlagzeile der „Bild am Sonntag“: „Ende einer Superehe?“, fragte das Blatt. Und auch die „BZ“ stellte auf ihrer Titelseite eine Frage: „Hält denn keine Liebe mehr?“ Eine spannende Frage, auf die Udo Walz, Friseur aus Berlin und persönlich bekannt mit den beiden, eine Antwort parat hat: „Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen“.

Es bleiben viele Fragen

Die Beziehung zwischen Klum und Seal war ganz darauf ausgelegt, solche Fragen und Eindrücke zu hinterlassen. Es handelte sich um die Inszenierung vermeintlich endlosen Glücks – und wer das Showelement daran misstrauisch beäugte, machte sich noch letzte Woche wenig Freunde.

Die Eheleute Samuel (Heidi Klum hatte offiziell den Namen ihres Ehemanns angenommen) verstanden es, ihre Ehe zu vermarkten. Freizügig erzählte Heidi Klum in Interviews von sexuellen Vorlieben, Frequenzen und Gewohnheiten. Das Model ging so weit, die Öffentlichkeit über die genitale Ausstattung ihres Ehemannes zu informieren. Nicht nur prüden Zeitgenossen kam bei diesem Stil schon mal der Kaffee hoch. Doch dann waren da die drei Kinder, die die beiden zwischen 2005 und 2009 bekamen und die viele Skeptiker Lügen zu strafen schienen.

Das Wohl der Kinder, heißt es in der Erklärung von Klum/Seal, stehe nun an erster Stelle, „gerade in der Zeit des Übergangs“. Wer das Sorgerecht bekommt und wer wie viel Umgangsrecht, ist bislang noch nicht bekannt geworden.

Drei Tage lang, bis zur offiziellen Bestätigung der Nachricht, hatten viele Fans im Stillen auf ein Dementi des Trennungsgerüchts gehofft. Wäre da nicht diese einsilbige Twitter-Mitteilung von Seal gewesen, die Böses ahnen ließ: „The End“, hatte der Sänger am Freitag gepostet. Kommentarlos. Auf seine Tournee, mit der er seine neue Platte vermarkten will, und die im Februar beginnt, konnte sich die Nachricht jedenfalls nicht beziehen.

Die Überraschung, mit der die Öffentlichkeit die Trennung zur Kenntnis nimmt, hat viel mit der Besonderheit dieser Ehe zu tun. Sie begann als Märchen: 2003, als der große schwarze Mann die schöne weiße Frau aus Schande und Trauer rettete, in die der italienische Playboy und Formel-1-Manager Flavio Briatore sie gestürzt hatte. Nach einer kurzen Beziehung verließ Briatore Klum – sie war schwanger. Klum brachte im Mai 2004 ihre Tochter Leni zur Welt – da war sie schon mit Seal zusammen, und die Vermarktung ihrer Beziehung lief auf Hochtouren. Der Italiener hat seine Vaterschaft bis heute nicht anerkannt. Klum schweigt zur Vaterfrage. Seal jedoch adoptierte Leni im Jahr 2009. Spätestens ab diesem Zeitpunkt galt der Sänger als Inbegriff von Anstand und Tugendhaftigkeit.

Doch schlechte Nachrichten ziehen oft auch schlechte Gerüchte nach sich, Gerüchte, die Seals Tugendhaftigkeit wieder in Frage stellen. Sie betreffen die eheliche Treue, mit der Seal es im Angesicht jugendlicher Groupies nicht immer so ernst genommen haben soll. Die Gerüchte im Fall Klum betreffen ihren Ehrgeiz und ihren dominanten Charakter, mit dem sie ihren Mann „geängstigt“ hat, wie dieser, anscheinend im Spaß, in einem Interview angedeutet hatte.

Auch von einem Ungleichgewicht in ihrer Beziehung ist jetzt die Rede. Sie verdiente anscheinend im vergangenen Jahr mehr als er in seiner gesamten Laufbahn. Von circa 20 Millionen Dollar ist die Rede. Er, der klassische Machotyp, soll unter ihrem Erfolg gelitten haben.

In der Scheidungsfolgenregelung wird Seal jetzt womöglich Trost finden. Das große Liebespaar hatte auf einen Ehevertrag verzichtet. Damit steht beiden die Hälfte des Vermögens zu. Darüber freut sich immer nur einer der Expartner. In diesem Fall wohl der Mann.