RTL-Show

So ein Dschungel-Sch***! Aber alle schauen zu

Mehlwürmer, Erotik, fade Witze: Das RTL-Dschungelcamp startet mit einer Spitzenquote. Wer als Geschmackspolizist unterwegs ist, kann sich guten Gewissens darüber empören.

Man will nach diesem ersten Wochenende von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ nicht noch einmal das Fass aufmachen, wie blöd diese Sendung eigentlich ist, wie peinlich ihre Protagonisten. Hierzu ist alles gesagt. Ja, das ist bescheuert! Ja, die Leute würde in einer anderen Form niemand mehr sehen wollen!

Was aber mehr als sechs Millionen Menschen nicht davon abhielt, die ersten beiden Folgen des sechsten RTL-Dschungelcamps einzuschalten.

Nach Senderangaben war die Folge am Samstag die bislang gar stärkste zweite Folge von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und erreichte bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 34,1 Prozent.

Auch für Theaterabonnenten

Die Sendung ist nun einmal ein Quotengarant. Sechs Millionen Menschen fühlen sich gut von ihr unterhalten, und wer als Geschmackspolizist unterwegs ist, kann sich guten Gewissens darüber empören. „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ erfüllt auch für Theaterabonnenten seinen Zweck.

Dabei ist das Dschungelcamp ein vergleichsweise harmloser Spaß. Leute, die sich im Geschäft mehr oder weniger auskennen, stellen sich ein bisschen bloß, lassen sich mit Maden und Kakerlaken ein, wissen vorher, dass das Moderatorenpaar Dirk Bach und Sonja Zietlow Witze auf ihre Kosten macht, alles bleibt für sie unter Kontrolle.

Wer Dieter Bohlen am Samstag um 20.15 Uhr dabei zusieht, wie grinsend arme Gestalten in die Öffentlichkeit zerrt, um sie vor einem Millionenpublikum fertig zu machen, sollte sich wirklich mies fühlen.

Doch zu den ersten zwei Folgen, die so etwas wie ein Warm Up waren. Beinahe alle Teilnehmer konnten sich ein wenig darstellen, ihre Rolle finden und man muss RTL schon zugestehen, dass sie auch im sechsten Anlauf ihr Handwerk verstehen. Wobei es nicht so einfach zu sein scheint, Prominente für das Camp zu rekrutieren. Man muss wohl nehmen, was kommt.

Zunächst einmal Brigitte Nielsen und Ramona Leiß, die Grande Dames der Buschgemeinschaft: Nielsen bringt die richtige Einstellung mit, eine professionelle, internationale Trash-TV-Aktivistin, die im Fernsehen Schönheitsoperationen machen lässt und auch schon im Big Brother Container saß.

Der Schrumpfhoden von Sly Stallone

Warum aber auch nicht, hat sie doch im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern auch interessante Dinge zu erzählen: Etwa über ihren Ex-Ehemann, Sylvester Stallone, der – laut Nielsen – wegen Anabolika-Missbrauch Schrumpfhoden habe und den Beischlaf in der Art eines Kaninchens ausgeübt hätte.

Ramona Leiß wiederum stellt den Kandidaten die richtigen Fragen. Ganz öffentlich-rechtliche Schule, schlägt ihre Stunde abends am Lagerfeuer.

Im Gespräch stellt sie die richtigen Fragen. Der Zuschauer wird wohl noch davon profitieren, wenn sie die anderen Teilnehmer sich in Sicherheit wiegen und Interna aus der Showbranche erzählen. Es ist zu hoffen, dass sie nicht vorzeitig, wegen gesundheitlicher Defizite, das Camp verlassen muss.

Radost Bokel und Jazzy traten bisher noch nicht allzu sehr in Erscheinung, machen aber den vernünftigsten Eindruck unter den Camp-Bewohnern. Jazzy (früher „Tic Tac Toe“) wirkt ziemlich handfest, pragmatisch, die Einzige offenbar, die es versteht, mit einem Topf Bohnen umzugehen, die gerne den Kopf schüttelt, wenn ein anderer irgendetwas blödes macht, etwa versucht, Ailton (Fußballer) zu verstehen.

Der Magier hat seine Rolle gefunden

Bokel („Momo“) hingegen mag sich wohl doch nicht mit der Rolle der Heulsuse zufrieden geben. Nach dem Hubschrauberflug in den Dschungel, den sie wegen Flugangst nur weinend überstand, rann nicht ein kleines Tränchen aus ihren großen, braunen Augen.

Doch warum nur, trägt sie nur die gleiche Frisur wie Vincent Raven (Magier)? Der wiederum hat seine Rolle schon gefunden: Der Mann, der mit den Vögeln spricht ist eine Mischung aus Schamane und Alm-Öhi im australischen Busch. Er gilt als Favorit auf den Titel des Dschungelkönigs, auch weil er sich so rührend um Diva und Heulsuse, Daniel Lopes, kümmerte.

DSDS-Teilnehmer Lopes gewöhnt sich das Rauchen ab, was in zu unkontrollierten Gefühlsaubrüchen neigen lässt. Mal weint er, mal motzt er. Etwa mit Rocco Stark, dem verstoßenen Sohn von Uwe Ochsenknecht. Stark könnte der Sympathieträger der Staffel werden. Nicht nur, dass er souverän seinen Vater-Sohn-Konflikt im TV verarbeitet, er ging auch lachend durch die erste, ziemlich ekelige Dschungelprüfung, wobei sich eine Romanze mit dem Nacktmodel Micaela Schäfer andeutete.

Deren Rolle wiederum ist klar umrissen. Ein Mädchen, dass sich für nichts zu schade ist, was sie auch in den Favoritenkreis zur Dschungelkönigin hievt.

Kim Debkowski (Künstlername Gloss) hingegen scheint chancenlos. Die DSDS-Sängerin versagte in der zweiten Dschungelprüfung, zieht sich nicht aus und ist erst 19 Jahre alt. Ähnlich geht es ihrem Sanges-Kollegen Martin Kesici, der das Publikum höchstens verzücken könnte, wenn er Daniel Lopes vor dem Badeteich auf die Zwölf haut.

Das Fazit nach den ersten zwei Shows: Es könnte mehr Konflikte geben, und abgesehen von Brigitte Nielsen und Ailton fehlt bei den Campbewohnern ein wenig der Glanz.