Sicherungsverwahrung aufgehoben

Vergewaltiger Jens B. passt neue Unterkunft nicht

Der gelernte Gärtner Jens B. aus Hamburg könnte bald entlassen werden. Die zuständige Strafvollstreckungskammer hat die Sicherungsverwahrung gegen den Vergewaltiger aufgehoben.

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Die zuständige Strafvollstreckungskammer in Hamburg hatte sich mit ihrem Urteil fast bis zum letzten Tag Zeit gelassen. Bis Ende des Jahres hatten die Richter zu entscheiden, ob der wegen Vergewaltigung verurteilte Jens B. aus der Sicherungsverwahrung entlassen wird oder nicht. Gestern dann teilten die Richter mit: Die Sicherungsverwahrung wird aufgehoben.

Der Hamburger Jens B. hat Frauen vergewaltigt, gequält, gedemütigt und ein Opfer mit Messerstichen beinahe umgebracht. Die letzte Tat geschah am Abend des 17. Juli 1985 in Göttingen, auf der Durchreise. Jens B. fesselte die Frau an einen Baum und verging sich an ihr.

Beschwerde aus Göttingen hätte aufschiebende Wirkung

Tatsächlich aus dem Gefängnis entlassen ist der gelernte Gärtner Jens B. damit aber nach einem 25-jährigen Aufenthalt noch nicht. Zum einen kann aus Göttingen, der Stadt, in der er 1986 verurteilt worden ist, noch Beschwerde gegen das Urteil der Hamburger Richter eingelegt werden. Die sofortige Beschwerde hätte aufschiebende Wirkung, und Jens B. würde so lange nicht entlassen, bis über die Beschwerde entschieden wäre. Zum anderen würde auch für den Fall, dass keine Beschwerde eingelegt wird, der genaue Termin der Entlassung erst noch festgelegt werden, wie die Justizbehörde mitteilte.

Hamburg-Jenfeld kommt als Unterkunft nicht in Frage

Wo Jens B. leben wird, wenn er freikommt, ist ebenfalls fraglich. Der Unterkunft im Heim im Hamburger Stadtteil Jenfeld soll er bereits vor der Entscheidung über seine Entlassung eine Absage erteilt haben. Ohnehin ist unklar, ob die Einrichtung mit den Weisungen vereinbar ist, die die Strafvollstreckungskammer mit der Entlassung verbunden hat. Demnach ist Jens B. der Aufsicht und Leitung einer Bewährungshelferin unterstellt worden, mit der er regelmäßigen Kontakt zu halten hat. Außerdem muss er in eine betreute Wohneinrichtung ziehen und sich wöchentlich bei einer Einrichtung melden, in der er medizinisch überwacht und wo ihm Hilfestellungen bei der Alltagsbewältigung gegeben werden.

Vor ihrer Entscheidung hat die Strafvollstreckungskammer zwei Sachverständigengutachten eingeholt. Beide Experten sind unabhängig voneinander zu dem Ergebnis gekommen, dass bei dem Betroffenen keine Gefahr mehr bestehe, erhebliche Straftaten zu begehen. Auf der Grundlage dieser Gutachten sowie auf der Grundlage der befürwortenden Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, in der Jens B. zuletzt eingesessen hatte, hat das Gericht schließlich sein Urteil gefällt.