Prozessbeginn

Sechs Männer sollen Obdachlosen totgetreten haben

Eine Bande junger Männer soll einen Obdachlosen im nordsächsischen Oschatz zu Tode getreten haben. Jetzt stehen sie in Leipzig wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung vor Gericht. Doch der Prozess wurde bereits unmittelbar nach der Anklageverlesung vertagt.

Foto: ZB / ZB/DPA

Wegen des gewaltsamen Todes eines Obdachlosen in Oschatz (Nordsachsen) stehen seit Dienstag sechs Männer vor dem Landgericht Leipzig. Fünf Männer im Alter von 16 bis 27 Jahren sind wegen Totschlags angeklagt, ein 36-Jähriger muss sich wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten.

Oberstaatsanwältin Claudia Laube sagte, die Bande habe das 50 Jahre alte Opfer Ende Mai 2011 mindestens 30 Mal getreten, bis dieses blutüberströmt am Boden lag. Dem Mann wurde der Schädel regelrecht zertrümmert, Nasenbein und Kieferknochen brachen. Danach ließen sie ihn in einem Wartehäuschen am Südbahnhof zurück. Er starb wenige Tage nach der brutalen Attacke.

Die Verhandlung wurde unmittelbar nach der Anklageverlesung vertagt. Erst im Februar soll der Prozess richtig losgehen. Das Gericht hatte den kurzen Auftakttermin für Dienstag angesetzt, weil einer der Angeklagten schon seit dem 8. Juni in Untersuchungshaft sitzt. In der Regel darf dann nicht mehr als ein halbes Jahr bis zum Prozessbeginn vergehen. Solche „fristwahrenden Termine“ sind bei Gericht nicht unüblich.

Die Verteidiger kündigten an, dass ihre Mandanten am ersten „richtigen“ Verhandlungstag am 24. Februar 2012 „mit großer Wahrscheinlichkeit“ aussagen wollen. Einige der Männer hatten in ihren Vernehmungen bei der Polizei lückenhafte Geständnisse abgelegt. Die meisten wollen allerdings nur dabei gewesen sein, nicht aber die tödlichen Schläge und Tritte ausgeführt haben.

Ungeklärt ist bislang das Motiv des Gewaltausbruchs. Die Staatsanwaltschaft hatte bei der Anklageerhebung erklärt: „Hinweise auf eine rechtsextremistische Motivation für die Tat haben sich nicht ergeben.“ Beobachter der rechten Szene weisen allerdings darauf hin, dass mindestens einer der Angeklagten zum nordsächsischen Neonazi-Milieu gehört. Sie fordern, das Gericht müsse prüfen, ob eine rechte Gesinnung und eine Verachtung sozial Schwacher bei der brutalen Attacke eine Rolle gespielt haben. Das Urteil soll voraussichtlich Ende April 2012 gesprochen werden.