Scherz oder Hilferuf

Babys aus Iserlohn 45 Minuten bei Ebay angeboten

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Foto: picture-alliance / picture-alliance/chromorange

Zwei Babys wurden in Iserlohn über Ebay zum Verkauf angeboten. Die Polizei sucht nach dem Urheber der Kleinanzeige – das Jugendamt ist besorgt.

Eine mittlerweile gelöschte Kleinanzeige, deren Text Morgenpost Online vorliegt, las sich wie ein Hilfeschrei: "Ich willingto geben ein sehr süßes Baby Jungen und Mädchen zu einer verantwortungsvollen Familie, die Pflege von ihnen kann und sorgen für sie, was ich nicht imstande bin zu geben."

45 Minuten war die Anzeige im Kleinanzeigenportal von Ebay geschaltet, in der Rubrik "Familie, Kind und Baby", bevor sie nach Hinweisen von Besuchern der Internetseite an Polizei und Jugendamt aus dem Netz genommen wurde. Der unbekannte Urheber der Anzeige mit der Angebotsnummer 43705697 hatte als Standortbezeichnung lediglich 58644 Iserlohn angegeben.

Noch immer ist nicht klar, ob die Anzeige echt war oder doch ein übler Scherz. Die Polizei Iserlohn tappt auf der Suche nach dem Urheber im Dunkeln.

"Wir haben von Ebay mittlerweile die IP-Adresse des Computers bekommen, von dem die Anzeige geschaltet wurde, und eine Email-Adresse, unter der sich der Urheber bei Ebay angemeldet hatte. Momentan versuchen wir, über die jeweiligen Anbieter zu ermitteln, ob dort persönliche Adressdaten des Urhebers hinterlegt waren", sagte Polizeisprecher Dietmar Boronowski.

Iserlohner Jugendamt ist alarmiert über den Vorfall

Viel Hoffnung darauf bestehe allerdings nicht, so der Sprecher, da für das Anlegen einer neuen Emailadresse bei einem kostenlosen Web-Anbieter weder ein echter Name noch eine echte Postadresse hinterlegt werden müssten. Möglicherweise, sagte Boronowski weiter, werde die Suche gezwungenermaßen im Sande verlaufen müssen.

Das Iserlohner Jugendamt bleibt vorerst dennoch alarmiert. "Wir halten es nach wie vor für möglich, dass die Anzeige der Hilferuf einer überforderten Mutter war. Falls dem so ist, möchten wir gerne helfen", sagte Jugendamtssprecherin Christine Schulte-Hofmann.

Beim Online-Handelsportal Ebay hat der Vorfall intern für viel Aufregung gesorgt. "In den vergangenen Jahren hat es einen vergleichbaren Fall noch nicht gegeben", sagte Tim Hilpert, der den Bereich Kleinanzeigen in Deutschland verantwortet, im Gespräch mit Morgenpost Online.

Neuen Suchfilter eingerichtet

"Wir hoffen, dass nun keine Nachahmer auf den Zug aufspringen." Zahlreiche Nachahmer habe es etwa gegeben, als vor einigen Monaten ein Ebay-Kunde die persönlichen Besitztümer seiner Ex-Frau zum Verkauf auf der Plattform angeboten hatte. Auch bei Ebay schätzt man die Wahrscheinlichkeit, den Urheber der Adoptionsanzeige ermitteln zu können, als gering ein.

Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass durch die Anzeige – sollte sie ernst gemeint gewesen sein – ein Kontakt zwischen dem unbekannten Anbieter und einem Interessenten zustande gekommen sei, sagte Hilpert. "Unsere Auswertung zeigt, dass definitiv über das Kontaktformular keine Nachricht an den Urheber abgeschickt wurde."

Ebay hat nun auf seinem Kleinanzeigenportal einen automatischen Suchfilter für Anzeigen eingerichtet, die den Begriff "Adoption" enthalten. "Ob das in der Praxis etwas bringt, muss sich noch zeigen, da man sicher auch andere Begriffe für dieselbe Sache verwenden kann", sagte Hilpert.

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