"Spatzennest"-Fall

Ex-Heim-Leiter wegen Missbrauchs fünf Jahre in Haft

Fünf Jahre und acht Monate Haft für den Ex-Leiter des Kinderheims "Spatzennest". Der Vorsitzende Richter sagte, die Taten des Mannes könne man "nicht glauben".

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Wegen des sexuellen Missbrauchs von Mädchen muss der frühere Leiter des Kinderheims "Spatzennest" in Ramsen in der Pfalz für mehrere Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Kaiserslautern verurteilte den Mann zu fünf Jahren und acht Monaten Haft.

Die Kammer warf ihm unter anderem schweren sexuellen Missbrauch in drei Fällen und sexuellen Missbrauch in zehn Fällen vor. Der Vorsitzende Richter sagte über die Taten: "Man will es erst nicht glauben, man kann es auch nicht glauben."

Als Vorwand für seine sexuellen Handlungen habe der Sozialpädagoge, der auch als Krankenpfleger ausgebildet war, oftmals medizinische Fürsorge vorgetäuscht. So habe er in einem Fall beispielsweise eine Pilzinfektion als Grund genannt, um einem Mädchen die Scheide einzucremen.

Die Opfer waren Nebenkläger

Oftmals hätten die Taten im Büro des Heimleiters, das auch als Schlafraum genutzt werden konnte, stattgefunden. In einem Fall habe der Mann einen Jungen hinzugezogen, der von einem Mädchen im Geschlechtsbereich berührt werden musste.

Um die Taten geheim zu halten, soll der Mann den Kindern mit drastischen Konsequenzen gedroht haben, beispielsweise, dass sie ihre ebenfalls im Heim untergebrachten Geschwister nicht mehr sehen dürften. Alle sechs Opfer nahmen als Nebenkläger am Prozess teil.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft und ein lebenslanges Berufsverbot gefordert, die Nebenklägerinnen bis zu elf Jahre, die Verteidigung Freispruch. Das Kinderheim ist inzwischen geschlossen.

Der Mann war bereits 2008 in Kaiserslautern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er Mädchen am ganzen Körper eingecremt hatte.