Polizistenmord von Heilbronn

Beate Z. und das Rätsel der Heckler & Koch P2000

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Die Polizei sucht weiter nach Beweisen, dass Beate Z. am Polizistenmord in Heilbronn beteiligt war. Entscheidend könnten die Waffen aus ihrer zerstörten Wohnung sein.

Die im Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord festgenommene 36-Jährige soll ihr Haus in Zwickau selbst angezündet haben. Gegen die Frau sei Haftbefehl wegen Brandstiftung erlassen worden, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Zwickau, Uwe Wiegner, bei einer Pressekonferenz. Eine Aussage zu den Vorwürfen habe die Frau bisher nicht gemacht, heißt es. Sie habe lediglich ihr Alter angegeben und ausgesagt, dass sie gelernte Gärtnerin sei und zuletzt keiner Arbeit nachgegangen sei.

Die Ermittler gehen dennoch davon aus, dass Beate Z. am vergangenen Freitag eine Doppelhaushälfte in Zwickau mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt und eine Explosion herbeigeführt hatte. Sie hatte sich am Dienstag der Polizei gestellt. Sie wohnte in dem später zerstörten Haus mit den beiden mutmaßlichen Bankräubern, bei denen die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin Michelle K. und ihres schwer verletzten Kollegen gefunden wurde.

Es habe Anhaltspunkte gegeben, dass in dem Haus in Zwickau Brandbeschleuniger an mehreren Stellen benutzt worden seien, sagte der Leiter der Polizeidirektion Südwestsachsen, Jürgen Georgie. Die Arbeit an dem zerstörten Wohnhaus in Zwickau sei derzeit noch nicht abgeschlossen. Es gebe eine „Vielzahl an unterschiedlichen Spuren“. Die entdeckten Spuren seien unter anderem von Löschwasser durchfeuchtet, sie müssten getrocknet werden. Die Auswertung werde noch Tage und Wochen in Anspruch nehmen.

Heckler & Koch P2000 in ausgebrannter Wohnung

Beate Z. steht neben der Brandstiftung auch in dem Verdacht, an dem Mord der Heilbronner Polizistin Michele K. beteiligt gewesen zu sein. Die aus Thüringen stammende Polizistin war am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese mit einem Schuss in den Kopf getötet worden. Ihr Kollege wurde durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Beiden wurden die Dienstwaffen entwendet.

In dem ausgebrannten Zwickauer Haus seien mehrere Schusswaffen gefunden worden, sagte Wiegner. Darunter seien auch die Pistolen des Typs Heckler & Koch P2000 sowie weitere Gegenstände aus dem Besitz der Polizistin – darunter die Handschellen. Wofür die Waffen aber benutzt wurde, konnte Wiegner nicht sagen. Die Ermittler fanden den Angaben zufolge auch ein Multifunktionsmesser, das dem schwer verletzten Polizisten gehört haben könnte.

Die drei Verdächtigen seien „uns“ bis dahin „überhaupt nicht bekannt“ gewesen, sagte er. Ebenso wie die 36 Jahre alte Frau hätten auch die beiden Männer unter anderen Namen operiert.

Jürgen Georgi von der Polizeidirektion Südwestsachsen sagte, es gebe eine vierte Person, die die Wohnung gemietet und untervermietet habe. Diese habe Kontakt zu den Untermietern gehabt. „Wir haben auch zu dieser Person Kontakt, sie ist als Zeuge gehört worden.“ Die drei Personen hätten völlig unauffällig gelebt.

Es werde geprüft, welche ungeklärten Banküberfälle es gebe und geschaut, ob Verbindungen hergestellt werden könnten, sagte Wiegner. Georgie erklärte, dass bislang bei den Spuren noch kein rechtsextremes Material sei. Dass solches entdeckt werde, könne sich aber „sekündlich“ ändern.

Mit zügiger Aufklärung wird gerechnet

Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang zwischen den Taten aus und rechnen mit einer zügigen Aufklärung des Mordes an der Polizistin. Die Linke-Fraktionen in Sachsen und Thüringen hatten erklärt, die beide Toten seien untergetauchte Neonazis gewesen, die jahrelang unbemerkt in Zwickau gelebt hätten.

Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) unterstützt mit bis zu zehn Beamten die Ermittlungen in Thüringen und Sachsen nach dem Fund der Dienstwaffe einer 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin. Die Beamten der Sonderkommission (Soko) Parkplatz seien zusammen mit den Landeskollegen immer vor Ort, sagte ein LKA-Sprecher in Stuttgart. Nach dem Fund der Dienstwaffe hatte das LKA die Soko von 15 auf 32 Beamte aufgestockt.

Verfolgt wird die Entwicklung in dem Fall auch von dem Kollegen der getöteten Polizistin Michele K. „Er ist noch bei der Polizei, aber in einer anderen Dienststelle“, sagte der Leiter seiner früheren Dienststelle in Böblingen, Ernst Horlacher. Der Mann habe neu angefangen. Wo der Kollege arbeitet, sagte er nicht. Der damals 24-Jährige war bei dem Verbrechen am 25. April 2007 niedergeschossen worden. Er lag mehrere Wochen im Koma. Danach konnte er sich an die Ereignisse nicht mehr erinnern. Der Polizist habe versucht, mit der Sache abzuschließen, sagte Horlacher. Die häufige Nachfrage sei für den Kollegen sehr belastend.

( dpa/dapd/AFP/kami )