Japan

Politiker trinkt verseuchtes Fukushima-Wasser

Die japanische Regierung ist bemüht, die Atomkatastrophe von Fukushima herunterzuspielen. Jetzt trank ein Abgeordneter öffentlich radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Reaktor.

Foto: AFP

Ein japanischer Parlamentsabgeordneter hat ein Glas mit Wasser getrunken, das aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen soll. Das japanische Fernsehen zeigte Aufnahmen von einem sichtlich nervösen Yasuhiro Sonoda, der das aus der Anlage entnommene und dekontaminierte Wasser im Beisein von Journalisten schluckte.

Er wisse, dass dies nicht die Sicherheit beweisen könne, sagte Sonoda am Montag. „Der beste Weg wäre es, der Öffentlichkeit Daten vorzulegen.“ Er habe das Wasser aber getrunken, da Journalisten ihn immer wieder aufgefordert hätten zu beweisen, dass die Region um das Kraftwerk sicher sei.

Durch ein verheerendes Erdbeben und einen anschließenden Tsunami war die Atomanlage in Fukushima am 11. März schwer beschädigt worden. Daraufhin hatte es dort eine Reihe schwerer Atomunfälle gegeben. Rund 20.000 Menschen starben durch die Naturkatastrophe oder wurden als vermisst gemeldet. Zehntausende Menschen mussten die verstrahlten Gebiete rund um das Kraftwerk verlassen.

Sonoda ist nicht der erste Politiker, der eine solch fragwürdige Aktion zur Image-Rettung von Großunternehmen unternimmt. US-Präsident Barack Obama war im August 2010 gegangen, um die nach der Ölpest angeschlagene Tourismusindustrie zu unterstützen – zusammen mit seiner Tochter Sasha.

Im September 1988 durchschwamm der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) in Mainz den Rhein. Mit der Aktion hatte er eine Wette mit Rudolf Franzmann (SPD) eingelöst, im Rhein zu baden, wenn die Wasserqualität es zulasse.

Reaktor fährt wieder hoch

Am Mittwoch wird erstmals seit der Atomkatastrophe wieder ein abgeschalteter Reaktor hochgefahren. Der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power auf der südlichen Hauptinsel Kyushu wollte den Reaktor Nummer 4 in der Atomanlage Genkai wieder ans Netz bringen, wie der Konzern mitteilte. Der Reaktor war am 4. Oktober wegen Problemen mit dem Kühlsystem automatisch heruntergefahren worden.

Nachdem die staatliche Atomaufsichtsbehörde den Schadensbericht des Betreibers sowie die Sicherheitsmaßnahmen abgesegnet hatte, gaben der Gouverneur der Provinz Saga, Yasushi Furukawa und der Bürgermeister von Genkai, Hideo Kishimoto, laut Medien ihre Zustimmung zum Wiederanfahren. Derzeit sind nur zehn der 54 Reaktoren im Land am Netz.

Viele Anwohner von Atomkraftwerken sind durch die Atomkatastrophe in der Anlage Fukushima Daiichi verunsichert. Die Gemeinden fordern von der Zentralregierung zunächst schärfere Sicherheitsauflagen. Japan hält bisher grundsätzlich an der Atomenergie fest, hat aber ältere, erdbebengefährdete Reaktoren zur Überprüfung zeitweise stillgelegt.

Auch der Reaktor Genkai 4 soll im Dezember zu Routineüberprüfungen heruntergefahren werden. Viele Anwohner lehnen ein Wiederanfahren aber ab. Der Betreiber hatte an Vertrauen in der Öffentlichkeit wegen eines Skandals verloren, bei dem Kyushu Electric Mitarbeiter und Partnerfirmen aufgefordert hatte, bei Bürgerforen Einfluss auf die öffentliche Meinung zugunsten der Atomkraft auszuüben.

Japaner sollen sich mit Eintopf wärmen

Um Strom zu sparen, sollen die Japaner in diesem Winter warme Kleidung tragen und heiße Eintopfgerichte essen. Das japanische Umweltministerium startete am Dienstag eine Kampagne, um den Stromverbrauch in den kalten Wintermonaten weiter zu begrenzen. Unternehmen und Privatleute sind aufgerufen, ihre Heizungen auf maximal 20 Grad Celsius einzustellen. Damit die Menschen trotzdem nicht frieren, sollen sie mehrere Kleiderschichten übereinander tragen und auch im Haus Mütze, Handschuhe und Strumpfhosen tragen.

Als weitere Wärmequelle empfehlen die Behörden ein traditionelles japanisches Eintopfgericht, das auf einem kleinen Kocher direkt auf dem Esstisch zubereitet wird. Ein solches Essen mit Familie und Freunden wärme „sowohl den Körper als auch den Raum“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Als besonders wärmend werden Wurzelgemüse und Ingwer empfohlen. Um auf dem Weg zur Arbeit warm zu werden, sollen die Japaner künftig eine U-Bahn-Station früher aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen.