Buchcover

Schmidt und Steinbrück spielen nicht mehr falsch

Auf dem Cover des Buchs "Zug um Zug" hatte es einen groben Fehler gegeben. Das Schachbrett, an dem Helmut Schmidt und Peer Steinbrück sitzen, war um 90 Grad gedreht worden. Eine Korrektur hat es bereits gegeben.

Foto: dpa / dpa/DPA

Dass die Welt in Unordnung geraten ist, schwant uns seit Langem. Nun liegt der Beweis vor, schwarz auf weiß, viel schlimmer noch: Schwarz ist nun Weiß und Weiß ist Schwarz. Und das alles auf dem Deckel des Buches von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, die uns auf 320 Seiten diese hässliche neue Welt „Zug um Zug“ erklären wollen. Der Verlag Hoffmann und Campe hat dafür ein wenig Mühe gescheut und die Vordenker beim Schach fotografieren lassen; eine naheliegende Idee, aber wie vieles in unserer Zeit, siehe Euro-Rettung, handwerklich schlecht ausgeführt.

Früher, als die Welt noch in Ordnung war, haben sich Agenturen bei derartigen Shootings Experten zur Seite geholt. Links außen, Schachspieler nennen diese Quadrate bei Weiß a1 und bei Schwarz h8, sind die Felder schwarz und eben nicht weiß. In der Ausgangsstellung steht auf diesen Koordinaten ein Turm. Schmidt und Steinbrück allerdings, das haben beide betont, halten von der herkömmlichen Farbenlehre ohnehin wenig, der politischen insbesondere. Und Schach spielen lässt es sich schließlich auch, wenn das Brett um 90 Grad gedreht ist. Wobei das Foto den Verdacht zulässt, dass eine weitere Regel gebeugt wurde. Die lange Rochade, König zwei Felder nach links, Turm über ihn hinweg, scheint bei Schwarz nach links verrutscht. Oder verkennen wir in diesem anarchischen Manöver den symbolischen Annäherungsversuch Steinbrücks an seine parteiinternen Kritiker, die genau dort verortet sein sollen?

Nun wissen wir aus Berichten professioneller Schachspieler, dass es Schmidt und Steinbrück sehr wohl auf den 64 weißen und schwarzen Feldern zu anerkennungswerten Fertigkeiten gebracht haben, dennoch müssen wir vor den Folgen des Farbendrehers warnen. Erinnert sei an die Kollateralschäden, die Loriots Beobachtung „Das Bild hängt schief“ auslöste. In dem Sketch war es nur ein Wartezimmer, diesmal geht es um die ganze Welt.

Das Titelfoto der neuen „Zeit“-Ausgabe zeigt dagegen ein korrektes Feld. Aus technischen Gründen habe die Redaktion in das Foto ein neues Schachspiel einmontiert, sagte eine Sprecherin des Verlags Hoffmann & Campe am Donnerstag. Für den Buchtitel habe es ein mehrteiliges Shooting für das Foto gegeben. Dabei habe das Spiel selbst nicht die entscheidende Rolle gespielt. Mit Rücksicht auf die Gesundheit des Altbundeskanzlers habe man sich beeilen wollen. mit epd