Flutkatastrophe

Hochwasser frisst sich in Bangkoks Außenbezirke

Mit Sandsäcken und Schutzwällen wappnen sich die Bewohner der thailändischen Hauptstadt Bangkok gegen die Flut. Außenbezirke stehen teils knietief unter Wasser.

In Bangkok wächst die Angst vor Überschwemmungen. Zwar betonen die Behörden, die thailändische Hauptstadt sei nicht von einer Überflutung bedroht. Dämme und neue Kanäle hielten das Flutwasser aus dem Umland weitgehend ab.

"Bangkok ist sicher", erklärte Justizminister Pracha Promnok vor Journalisten. Die drei größten Schutzwälle im Norden, Osten und Westen Bangkoks erwiesen sich als effektiv, betonte Pracha. Außenbezirke sind jedoch betroffen.

Mit Sandsäcken versuchten sich die Menschen gegen das Hochwasser zu wappnen. Im Nachbarland Vietnam ertranken mehr als 40 Menschen in den reißenden Fluten.

Präsidentin Yingluck Shinawatra warnte, im Osten von Bangkok könnte das Wasser eine Höhe bis zu 30 Zentimetern erreichen. Im Großraum Bangkok leben offiziell etwa zwölf Millionen Menschen. Gouverneur Sukhumphand Paribatra gab eine Warnung für 27 Gemeinden der Stadt heraus. Die Menschen müssten sich auf Evakuierungen vorbereiten. Viele legten sich Vorräte von Sandsäcken und Lebensmitteln an.

Zwei große Autobahnen im Norden und Osten von Bangkok waren nicht befahrbar. Stattdessen mussten Umgehungsstraßen benutzt werden. In Pathum Thani, 15 Kilometer nördlich der Hauptstadt, haben die Behörden einen drei Kilometer langen Schutzwall aus 200.000 Sandsäcken gebaut.

In den vergangenen Tagen waren dort die Regenfälle so stark, dass die Menschen bis zu Hüfte im Wasser standen. Viele retteten ihr Hab und Gut in Plastiktüten.

Wasser aus zwei Staudämmen herausgelassen

Seit vergangener Woche sind die zentralen Provinzen Nakhon Sawan, Ayutthaya und Pathum Thani überschwemmt. Die Regierung musste Anfang des Monats Wasser aus zwei Staudämmen im Norden des Landes herauslassen, weil diese wegen der starken Monsun-Regenfälle überfüllt waren. Dadurch trat der Chao-Praya-Fluss, der durch viele Reisbauflächen und Bangkok fließt, in vielen Regionen über die Ufer.

Am Donnerstag wurde auch ein Industriegebiet in Ayutthaya, wo viele Hochtechnologie-Firmen angesiedelt sind, überflutet. Thailand will nun Nothilfen für das dortige Unesco-Weltkulturerbe beantragen. Seit dem Wochenende stehen die antiken Stätten in Ayutthaya, etwa 90 Kilometer nördlich von Bangkok, unter Wasser. Auch etliche Fabriken sind dort überschwemmt worden.

Die Tourismusindustrie stellt sich jetzt schon auf einige Stornierungen ein. Die Reisebehörden berichteten von besorgten Anrufen aus dem Ausland. Einige Reiseziele, wie Ayutthaya, könnten nicht mehr besucht werden. In anderen Orten wie Chiang Mai könnten Touristen aber noch ohne Bedenken reisen.

Von den starken Regenfällen und Überschwemmungen sind auch Thailands Nachbarländer Kambodscha, Laos und Vietnam betroffen. In Vietnam kamen bislang 43 Menschen ums Leben, darunter 31 Kinder. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Tausende Hektar Reisfelder und Obstplantagen sind in dem Gebiet des Mekong-Delta zerstört worden. Insgesamt starben bei den Unwettern in den südostasiatischen Ländern mehr als 500 Menschen.