Mehr als 200 Menschen haben am Samstag in Leipzig der ermordeten achtjährigen Michelle gedacht. Sie versammelten sich am Abend in der Trinitatiskirche im Stadtteil Anger-Crottendorf zu einer Andacht.
Pfarrer Sebastian Rebner sagte zu Beginn, nun habe man brutale Gewissheit über das Schicksal des Kindes, nachdem die Tage zuvor von quälender Ungewissheit geprägt gewesen sein.
Es sei für die Familie, die Verwandten, aber auch für Nachbarn und Freunde schwer zu ertragen gewesen, nicht zu wissen, was mit der kleinen Michelle geschehen sei.
„Jetzt können Tränen fließen“, sagte der Geistliche weiter. In die Trauer der Menschen mischten sich Wut und Verzweiflung, aber auch Ratlosigkeit.
Deshalb sei es gut, in diesen Stunden nicht allein zu sein, sondern miteinander Stille zu halten. Viele der Anwesenden waren mit ihren Kindern in die Kirche gekommen, um eine Kerze, ein Plüschtier oder auch einen Brief für Michelle abzulegen.
„Bei uns wird die Angst von Tag zu Tag größer“
Einige jüngere Leute nutzten die Veranstaltung für Forderungen nach einem schärferen Vorgehen des Staates gegen Sexualstraftäter.
Manuela Bugs und Sandra Thalheim von einer Bürgerinitiative, die sich zur Unterstützung der Suche nach Michelle gebildet hatte, ergriffen nach dem Geistlichen das Wort. „Wir haben sehr um Michelle gebangt und mit ihren Eltern gehofft“, sagte Bugs. Das Mädchen werde in den Herzen der Menschen weiterleben. „Nehmt eure dreckigen Hände von unseren Kindern weg“, verlangte sie. Eine weitere Frau trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Keine Gnade für Kinderschänder.“
Thalheim erklärte, die Eltern des Kindes sollten wissen, dass die Bürgerinitiative hinter ihnen stehe. Auch wenn viele derer, die sich in der Initiative gefunden hätten, die Familie nicht persönlich kennen würden, trauere man mit ihnen. „Bei uns wird die Angst von Tag zu Tag größer“, sagte Thalheim mit Blick auf die Tatsache, dass der Täter im Fall Michelle noch nicht ermittelt werden konnte. „Es sollte härtere Strafen für Kinderschänder geben“, forderte die junge Mutter.
Bei der Fahndung nach dem Mörder der achtjährigen Michelle hatte die Polizei auch am Samstag noch keine heiße Spur. Die Sonderkommission „Michelle“ mit 177 Kräften setzt unter anderem auf die Hilfe der Bevölkerung. Am Samstag wurden 5.000 Plakate verteilt, auf denen gezielt nach Beobachtungen gefragt wird. Bisher sind fast 200 Hinweise bei den Ermittlern eingegangen, wie Polizeisprecher Uwe Voigt sagte.
ap/dpa/kami



