Gruselstimmung

Halloween – Heidnischer Brauch oder Heidenspaß?

An Halloween scheiden sich die Geister: Für für die einen ist es ein zweiter Karneval, für die anderen ist es bloß ein "heidnischer Kult". Vor allem die Kirchen versuchen, ein Gegengewicht zur allgemeinen Gruselstimmung zu schaffen. Denn Halloween fällt auch auf einen hohen wichtigen Feiertag.

Freitagnacht wird es wieder schaurig schön: Kürbis-Fratzen, menschliche Fledermäuse mit blutunterlaufenen Augen und Vampirzähnen. Am Vorabend des Allerheiligen-Festes ist Halloween angesagt. Glaubt man wissenschaftlichen Studien, betreiben die Deutschen dieses Fest mit besonderer Freude am Gruseligen. Während in den USA auch freundliche Tierkostüme wie Kuh- oder Äffchenverkleidungen üblich seien, würden in der Bundesrepublik fast nur Horrorszenen mit Monstern und Schreckensgestalten inszeniert, hat die Universität Dortmund vor wenigen Jahren festgestellt.

Heidnischer Brauch oder Heidenspass? Was für die einen ein schöner Anlass ist, sich zu Beginn der dunklen Jahreszeit zu verkleiden und ausgelassen eine andere Form von Karneval zu feiern, ist für andere eine Attacke auf die kirchlichen Feiertage des Reformationstags und des Allerheiligenfestes.

Den meisten Deutschen allerdings, das ergab eine in dieser Woche veröffentlichte Umfrage, ist Halloween schlicht und einfach egal. 60 Prozent interessieren sich nicht für das Fest der Kürbisse und Monster, ergab eine Umfrage des Internetportals immowelt.de.

Glaubt man dem Freiburger Volkskundler Werner Mezger, so ist der Halloween-Brauch sogar schon wieder auf dem Rückzug, auch wenn er weiterhin von Geschäftsleuten, Medien und Kindern dankbar aufgegriffen wird. Für den Kulturwissenschaftler ist das aus den USA importierte Halloween kein fest eingewurzelter Brauch im herkömmlichen Sinn. „Halloween hat Event-Charakter. Ein Brauch dagegen wächst, steuert sich selbst und entsteht an der Basis“, analysiert er.

Diese Einschätzung hält allerdings die Kirchen nicht davon ab, alle Jahre wieder vor einer oberflächlichen Spaßkultur zu warnen und die kirchlichen Feiertage nicht den Gruselpartys zu überlassen. Der Augsburger katholische Bischof Walter Mixa verurteilte Halloween als „heidnischen Gruselkult“. Im Gegensatz dazu sei Allerheiligen ein „Fest des Lichtes und der frohen Botschaft vom ewigen Leben“. Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kritisierte die Verdrängung christlicher Feiertage durch Halloween.

Seit einigen Jahren versuchen katholische und evangelische Gemeinden ein Gegengewicht zu Halloween zu schaffen, indem sie Gebetsnächte, Konzerte und Lesungen veranstalten und zu einer „Nacht der offenen Kirchen“ einladen. In evangelischen Gemeinden werden gar „Lutherbonbons“ verteilt, damit der Geschmack am Reformationstag nicht verloren geht.

Alle Jahre wieder gibt es auch Konflikte zwischen lautem Gruselvergnügen und dem Feiertagsgesetz, das beispielsweise in Bayern den Allerheiligentag als „stillen Feiertag“ schützt. Das bayerische Innenministerium wandte sich deshalb in den vergangenen Tagen gegen Versuche, Halloween-Partys als nicht-öffentliche Veranstaltungen zu deklarieren, um auch nach Mitternacht an Allerheiligen weiterfeiern zu können. Um 24 Uhr müsse Schluss sein mit dem Grusel-Feiern. Der ernste Charakter von Allerheiligen müsse gewahrt bleiben.

In München und Nürnberg hatten Veranstalter Partys als nicht-öffentlich deklariert, um deren Verbot an sogenannten stillen Tagen wie Allerheiligen zu umgehen. Die Stadtverwaltungen kündigten an, ein solches Vorgehen nicht zu tolerieren. Ein Sprecher des Münchner Kreisverwaltungsreferats drohte mit einem Bußgeldverfahren. Die Stadt Nürnberg will Anzeige erstatten, sollte eine angekündigte Party über Mitternacht hinausgehen.