Nach Verfahren

Strauss-Kahn schweigt nach Rückkehr beharrlich

Der ehmalige Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, ist nach dem Vergewaltigungsverfahren gegen ihn in seine Heimat Frankreich zurückgekehrt. Zu seinen weiteren Plänen wollte er sich bei der Rückkehr nicht äußern.

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Knapp vier Monate nach seiner Festnahme wegen Vergewaltigungsvorwürfen ist Dominique Strauss-Kahn aus New York nach Paris zurückgekehrt. Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) landete am Sonntagmorgen auf dem Flughafen Charles de Gaulle. Der 62-Jährige winkte den wartenden Reportern kurz zu, äußerte sich aber nicht.

Begleitet wurde er von seiner Ehefrau Anne Sinclair. Zu seinem Schutz waren Sondereinsatzkräfte der Polizei vor Ort. Strauss-Kahn und seine Frau fuhren vom Flughafen in eines ihrer Häuser an der Place des Vosges. Vor dem Haus warteten so viele Journalisten, dass DSK, wie er in Frankreich genannt wird, kaum die Tür öffnen konnte.

Strauss-Kahn war im Mai vom Posten des IWF-Direktors zurückgetreten, nachdem ihn eine New Yorker Hotelangestellte der versuchten Vergewaltigung beschuldigt hatte. Er verbrachte fast eine Woche im Gefängnis und danach sechs Wochen unter Hausarrest. Fast zwei weitere Monate durfte er die USA nicht verlassen. Das Strafverfahren wurde vor zwei Wochen auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt, da sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers hatte.

Parteikollegen erleichtert

Vor seiner Festnahme galt Strauss-Kahn als aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentenwahl in Frankreich im kommenden Jahr. Mit einer schnellen Rückkehr in die Politik wird jedoch nicht gerechnet. Mitglieder der Sozialistischen Partei zeigten sich erleichtert über die Rückkehr von Strauss-Kahn. „Ich habe immer an seine Unschuld geglaubt, ich habe mir sehr gewünscht, dass es vorbei ist“, sagte Michele Sabban, eine Parteikollegin von Strauss-Kahn, dem Fernsehsender i-TELE.

Der ehemalige Minister Jack Lang, der ein Nachbar von Strauss-Kahn ist, erklärte, sein Freund werde „eine wichtige Rolle spielen“, nicht unbedingt im Wahlkampf, aber in Frankreich und in Europa. Die Franzosen würden den Skandal bald vergessen.

Ein prominentes Mitglied der konservativen UMP, Xavier Bertrand, nahm die Nachricht gleichgültig auf. „Wie viele Franzosen habe ich andere Sorgen“, sagte er dem Radiosender Europe-1. Er könne sich jedoch nur schwer vorstellen, dass Strauss-Kahn in die Politik zurückkehre. Die Sozialisten bestimmen in Vorwahlen im kommenden Monat ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im nächsten Frühjahr. Strauss-Kahn hat sich noch nicht zu seinen Plänen geäußert.

Ermittlungen in der Heimat gehen weiter

In Sarcelles, einem Pariser Vorort, in dem Strauss-Kahn Bürgermeister war, wurde seine Rückkehr größtenteils begeistert aufgenommen. „Ich freue mich für ihn“, sagte Laurent Giaoui. „Jetzt sollten wir ihn ein bisschen in Ruhe lassen.“

In Frankreich laufen weiter Ermittlungen gegen den Ex-IWF-Chef wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung einer französischen Schriftstellerin. In den USA ist der Franzose zudem mit einer Zivilklage der Hotelangestellten konfrontiert, die ihn auf Schadensersatz verklagt hat.