Die Miss Universe des Jahres 2008, Dayana Mendoza, hat vor kurzem die amerikanische Militärbasis in der kubanischen Guantanamo-Bucht besucht. Mit dabei war auch die derzeitige Miss USA, Crystle Stewart. Die Reise der beiden Schönheitsköniginnen wurde von der Organisation United Service Organizations (USO) veranstaltet. Deren Ziel: Die Moral der amerikanischen Streitkräfte stärken.
Die in Venezuelas Hauptstadt Caracas geborene Mendoza beschrieb ihren Besuch in Guantanamo in ihrem Blog als "unglaubliche Erfahrung“. „Es hat soooo viel Spaß gemacht!“ schrieb Mendoza. Sie habe die Soldaten getroffen und sei mit ihnen um die Basis herum gefahren. "Wir haben auch die Militärhunde getroffen, und sie haben gezeigt, was sie alles können. Die ganzen Typen von der Armee waren wundervoll."
Auch Eindrücke vom Gefangenenlager innerhalb des Militärstützpunkts hat Mendoza laut ihrem Blog gesammelt. Sie habe die Zellen der Gefangenen gesehen: "Wo sie duschen, wie sie sich mit Filmen, Kunstkursen und Büchern erholen", schrieb sie. "Es war sehr interessant“.
Dann der heikle Satz: "Ich wollte gar nicht mehr weggehen, es war so ein erholsamer Ort, so ruhig und schön“.
Eine Aussage, die deshalb peinlich ist, weil sie im krassen Gegensatz zur politischen Realität steht: Großbritannien kündigte erst vergangenen Monat Ermittlungen wegen des Verdachts an, Mitglieder britischer Geheimdienste hätten sich an der Folter eines kürzlich entlassenen Guantanamo-Häftlings beteiligt.
In Spanien wird derzeit überlegt, ob man ein Verfahren gegen sechs Mitglieder der Regierung von George W. Bush aufnimmt. Vorwurf: Folter von Häftlingen.
Das Pentagon hat mittlerweile einen umstrittenen Bericht veröffentlicht, der besagt, dass die Behandlung der etwa 250 Guantanamo-Häftlinge heute den Genfer Konventionen entspricht.
Mendozas Beschreibung der angeblich idyllischen Zustände in dem Gefangenenlager waren der Miss Universe Organization offenbar peinlich. Wohl auch deshalb, weil ihre Schönheitsköniginnen nicht nur gut aussehen, sondern sich auch durch ihre Bildung auszeichnen sollen. Präsidentin Paula Shugart betrieb Schadensbegrenzung: "Dayana Mendozas Kommentare in ihrem Blog bezogen sich auf die Gastfreundschaft, die ihr entgegen gebracht wurde, während sie die Mitglieder des US-Militärs und ihre Familie auf Guantanamo traf.“
Reuters/jw


