Realität statt Film

Wie Gwyneth Paltrow 9/11 eine junge Frau rettete

Eigentlich hätte Lara Lundstrom Clarke um 9 Uhr in ihrem Büro sein müssen. Doch weil Gwyneth Paltrow sie am 11. September 2001 fast anfuhr, kam sie dort nie an.

Sie sieht gerade noch, wie sich die Türen der U-Bahn schließen. Genervt wartet sie auf die nächste Bahn, ist sauer, wird es nicht pünktlich zur Arbeit schaffen. Wenige Minuten später eilt sie die Bahnhofstreppen nach oben, als über ihr eine Welt zusammenbricht. Es ist 8.47 Uhr, es ist der 11. September 2001 . Lara Lundstrom Clarke (24) arbeitet im südlichen Turm des World Trade Centers. Die Verspätung hat ihr das Leben gerettet.

Geschichten wie diese gibt es einige rund um die Terroranschläge von New York. Clarkes Geschichte ist aber noch ein bisschen anders. Denn der Grund für ihre Verspätung war ein weltbekannter Filmstar: Gwyneth Paltrow. Lundstrom hat der Schauspielerin nun, zum nahenden zehnten Jahrestag der Anschläge, einen offenen Brief geschrieben , in dem sie ihr für eine folgenschwere Begegnung dankt.

Die Geschichte erinnert an Paltrows Film "Sliding Doors"

Demnach ist die heute 35-Jährige an jenem Morgen in aller Eile über die Straße gelaufen, ohne sich vorher umzusehen. Ein silberner Geländewagen kam angerast und die Fahrerin musste hart bremsen, um eine Kollision zu vermeiden.

Als der erste Schreck überwunden war, winkte Clarke der Fahrerin, sie solle fahren. Die aber winkte zurück, bot ihr an zuerst zu gehen. „Es war ein klassisches Start, Stopp, Start, Stopp. Ich habe angefangen zu lachen und bemerkt, dass die Fahrerin auch lacht. Dann habe ich bemerkt, dass du es warst“, schreibt Lundstrom an Paltrow. Das kurze Intermezzo ließ sie die besagte U-Bahn verpassen.

Die Geschichte ist an sich schon kurios, erinnert aber darüber hinaus auf bemerkenswerte Weise an einen Film von Paltrow aus dem Jahr 1998. In „Sliding Doors“ spaltet sich die Handlung des Films an einer Stelle in zwei alternative Stränge auf. In der ersten Version erwischt Paltrow gerade noch eine U-Bahn und stirbt im weiteren Verlauf bei einem Unfall. In der zweiten Version schließen sich die Türen vor ihr und der Unfall findet nie statt.

Als Clarke die U-Bahnstation des World Trade Centers erreichte, schlug gerade der erste Flieger in die Fassade des Nordturms ein. Polizisten drängten die 24-Jährige und andere Ankommende zurück in den U-Bahnhof, jemand rief: "Dort ist eine Bombe!" Auf dem Internetportal “The Morton Report“ erinnert sich Clarke: „Es war das totale Chaos, wir waren im Untergeschoss des Gebäudes gefangen. Alles, an das ich denken konnte, waren meine Eltern und was ich ihnen antun würde, wenn ich sterbe. Mein Herz raste, ich war paralysiert.“

"Das war das schlimmste was ich in meinem Leben gesehen habe"

Eine Polizistin lotste die Menschen schließlich ins Freie und weg von dem Gebäude. „Ich bin nicht sicher, wo ich gewesen wäre, wenn ich den ersten Zug bekommen hätte. Entweder im Aufzug oder an meinem Schreibtisch im 77. Stock des Südturms. So war ich zum Glück in der Lage, das Gebäude zu verlassen und zwei Blocks entfernt, als das zweite Flugzeug quasi genau in meinem Büro einschlug,“ schreibt Clarke.

Den Einschlag des zweiten Fliegers sah sie nicht, hörte aber während ihrer Flucht die Explosion und blickte zurück: Der Turm stand in Flammen, verzweifelte Menschen sprangen in die Tiefe. "Das war das schlimmste was ich in meinem Leben je gesehen habe.“ Vier ihrer Kollegen starben.

Clarke ist sich sicher, die Begegnung mit Paltrow habe sie vor dem Schlimmsten bewahrt: „Ich will dir dafür danken, dass du an diesem schrecklichen Tag mein Schicksal geändert hast.“

Paltrow selbst befindet sich gerade im Urlaub. Dem "Morton Report“ gegenüber sagte aber ein Sprecher, die Schauspielerin könne sich ebenfalls an die Begebenheit erinnern und sei von Clarkes Brief „tief bewegt“.