In meinen Vorstellungen ist das Leben ganz einfach. Und machen Sie jetzt bitte nicht den Fehler, Einfachheit mit Banalität oder Langeweile gleichzusetzen. Mit Einfachheit meine ich einfach: es flutscht. Hindernisse werden mit traumwandlerischer Sicherheit umschlängelt, Menschen sagen zur richtigen Zeit die richtigen Dinge und halten ansonsten würdevoll ihre Klappe. Das Licht stimmt, die Küsse sind süß, wer Talent hat und sich was traut, wird belohnt. Die Guten sind stinkreich, die Bösen so verbittert, dass sie nicht mehr das Haus verlassen oder nur auf Ihresgleichen treffen.

Meine Vorstellungen sind zwar nicht nur schwarzweiß, aber sie sind zugegeben etwas einseitig. Denn die Queen des Tempels bin ich, und ich habe Recht. Und die Welt ist eine Dartscheibe und freitags haben alle frei. Na gut, kommen wir mal wieder ein bisschen runter.


Denn obgleich ich natürlich die Weisheit mit Suppenlöffeln geschlürft habe, ist mein Leben leider nicht die Bohne perfekt. Ich würde stattdessen vorziehen zu sagen: Mein Leben ist eine Baustelle. Weill heißen: Im Aufbau begriffen, aber noch hier und da arg renovierungsbedürftig. Betrachten wir zur Erläuterung zwei kritische Themenkomplexe eines jeden Lebens: Pflegen Sie eine intakte Streitkultur? Können Sie das? Wie machen Sie das? Das zweite Krisengebiet: Haben Sie es geschafft, Ihr Liebesmuster nicht nur zu erkennen, sondern, oha wie genial sind Sie denn, sogar zu durchbrechen?

Man nimmt die Probleme mit

Liebesmuster, fragen Sie jetzt: "Merhof quarzen Sie nicht so viel, was ist denn das?" "Easy", sage ich, denn auch wenn ich den Begriff gerade erfunden habe, so existiert dieses Phänomen sehr wohl. Tun Sie mir bitte einen Gefallen: Erinnern Sie sich an die wichtigsten amourösen Beziehungen Ihres Lebens. Na, dämmert es Ihnen schon? Nein? Na gut. Kennen Sie das Gefühl, beziehungstechnisch in einer Endlosfolge von "Und täglich grüßt das Murmeltier“ festzustecken? Nur mit wechselnder Besetzungsliste? Will heißen: Das Personal mag wechseln, aber die Probleme, die Gefühlswetterlage, die Streitthemen, das Ungemach in Ihrem Herzen bleibt dasselbe?


Meine kluge Freundin Emma hat mal gesagt, ich schimpfte über einen unmöglichen Bartträger, was sonst: „Das Problem ist, dass man sich immer mitnimmt. In jeder und jede Beziehung. Was man mit sich selbst nicht geklärt hat, begegnet einem immer und immer wieder.“ Kluge Frau, die Emma. Leider klüger als ich.

Kleiner Einschub von meiner Seite: Der Januar ist eine gute Zeit zum Nachdenken. Eigentlich hat man ja eh keine Wahl, denn es gibt wenige Alternativen. Die Kälte verbietet jedes herumstreunen, jede unnötige Bewegung an frischer Luft. Der Körper zieht sich fröstelnd zusammen und der Geist macht einfach mit. Er wendet sich nach innen, weil außen eh alles bekannt zu sein scheint: kalt und ungemütlich. Falls Heartcore also zu Jahresbeginn wie ein Westentaschen-Weisheits-Set daherkommt, mit frommen Wünschen wie „denke dich nett“ oder auch verdächtig an „Philosophie frisch aus dem warmen Himmelbett“ erinnert, grämen Sie sich nicht. Es kommen wieder wildere Zeiten mit Berichten aus heißeren Regionen. Doch in diesen eisigen Tagen ist es Zeit für psychologisches Sezieren der Herzregion. Es ist die richtige Zeit für Einsichten der Marke: „Das Problem in meinen Beziehungen, ach was viel härter, das Problem der Welt und ich sind eins.“

Unterwegs zu Frieden, Eierkuchen und sexy Hochgenuss

Treffe ich also immer wieder auf unmögliche männliche Exemplare, die streitsüchtig, ignorant oder verständnislos agieren, bin ich vielleicht selbst unhaltbar und keinen Schritt kompromissbereit? Mein Casanova-Kater Freund Luis sagt: „It takes two to tango.“ Kluger Mann, der Luis. Er hat Recht. Was ich gerne im Swing des Aufgebrachtseins übersehe: Ein guter Tanz ist immer nur vordergründig ein Kampf. In Wahrheit ist er ein harmonischer Akt der Hingabe und des Einverständnis, bei dem beide Partner wissen, dass sie sich nichts vergeben, wenn sie mal freiwillig zwei Schritte zurücktreten. Oder sich willentlich im Kreis drehen.

In meinen Vorstellungen läuft wie gesagt alles am Schnürchen. Da lasse ich mich nie an der Nase herum führen und muss mir auch nur selten an meinen eigenen Zinken fassen. Im wahren Leben bin ich eine Meisterin des Projizierens. Ich verliebe mich immer wieder in den gleichen Typ Mann, ich verzweifele immer wieder an ihm und erlebe ähnliche Konflikte. Ich sehne mich danach, gegen unnötige Streitereien und Angriffe immun zu werden, und bin doch selbst zu getrieben, und aufgrund von falschem Stolz selten in der Lage einzulenken.

Kennen Sie das Sprichwort: „Es braucht zwei, um einen Streit zu beginnen. Und nur einen, um ihn zu beenden“? Ich wünsche mir, diese Größe eines Tages zu besitzen. Weil ich innerlich so gelassen bin, werden mir im Außen nur kleine Buddhas begegnen. Noch ist es nicht soweit. Noch küsse ich Leoparden. Und genieße das Gewusel auf meiner Baustelle. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Ein Kunstwerk braucht seine Zeit. Für meine Mission „Unterwegs zu Frieden, Eierkuchen und sexy Hochgenuss“ mache ich mir gerne weiterhin die Hände schmutzig. Ich werde jeden Tag am Werkeln sein, im Sonnenschein und im Schatten. Und jetzt? Genug gequasselt: Weitermachen!