2010 sollte in Schweden das Jahr der königlichen Romantik werden. Im Mittelpunkt steht die für den 19. Juni geplante Hochzeit der Kronprinzessin Victoria mit Daniel Westling. Doch dann kam alles anders. Das schwedische Königshaus ist von Menschlichem, allzu Menschlichem eingeholt worden.

Der Hof gab bekannt, dass Victorias jüngere Schwester Madeleine und ihr Verlobter Jonas Bergström sich getrennt haben. Bis vor kurzem war noch mit einer zweiten königlichen Hochzeit in diesem oder im kommenden Jahr gerechnet worden. Der 31-jährige Anwalt soll eine Affäre mit einer zehn Jahre jüngeren Norwegerin gehabt haben.

Als diese in der norwegischen Zeitschrift „Se og Hør“ erzählte, sie habe eine intime Nacht mit Bergström verbracht, dauerte es nur wenige Tage und es war aus. „Nach reiflicher Überlegung haben Prinzessin Madeleine und Herr Jonas Bergström den gemeinsamen Beschluss gefasst, getrennte Wege zu gehen“, heißt es lapidar in der nicht einmal 100 Worte zählenden Pressemitteilung des schwedischen Hofes.

Doch damit wird keine der Fragen beantwortet, die nun in Schweden diskutiert werden: Musste das wirklich sein? Welchen Anteil haben die Medien an der Aufhebung der Verlobung? Und: Was bedeutet das für die Monarchie?

Ohne die bevorstehende Hochzeit von Kronprinzessin Victoria hätte die Verlobung nicht gelöst werden müssen, sagte Carl-Erik Grimstad der Zeitung „Dagens Nyheter“. Grimstad kennt sich aus im strategischen Denken der Monarchen. Er war selbst Pressechef des norwegischen Königshauses. „Man war gezwungen, das hinter sich zu lassen, um sich dem zu widmen, auf das man sich nun fokussieren muss“, so Grimstad.

Die für den 19. Juni geplante Hochzeit von Kronprinzessin Victoria verlange alle Aufmerksamkeit. Nun hofft das schwedische Königshaus, dass die geplatzte Verlobung der kleinen Schwester alsbald kein Thema mehr ist.

Madeleine selber war wenige Stunden vor Bekanntgabe der Trennung in einen Flieger Richtung New York gestiegen und hatte bereits angekündigt, länger als zuvor geplant zu bleiben.

Nun könnte der Aufenthalt womöglich noch weiter ausgedehnt werden, denn sie bräuchte „Ruhe in dieser schwierigen Situation“, wie der Hof mitteilte. Weiter hieß es: „Die extreme Bewachung der Medien erleichtert die Situation für sie nicht.“

Dass das Privatleben des schwedischen Königshauses so sehr öffentlich wird, ist recht neu. Lange hatten die Medien Probleme nur thematisiert, wenn das Königshaus selber damit an die Öffentlichkeit ging.

Laut dem Medienwissenschaftler Per Rydén nähert sich die schwedische Presse damit mehr der aus Kontinentaleuropa an. Auch hätten sich die schwedischen Journalisten wohl mit Freude einer Geschichte gewidmet, die für den Normalbürger nicht so fern ist wie die Hochzeit des künftigen Staatsoberhauptes.

Das Abgehobene sei von etwas zutiefst Menschlichen auf den Boden zurückgeholt worden, so Rydén zur Zeitung Sydsvenskan. Ingrid Runsten, Kommentatorin des Helsingborg Dagbladet schreibt in einem Leitartikel, dass die Trennungsgeschichte nur ein Zeichen dafür sei, dass Schweden ein zeitgerechtes Königshaus habe. „Vor einigen Generationen wäre das unmöglich gewesen, da galt es in den europäischen Königshäusern nach außen zu schweigen und nach innen zu heucheln“, so Runsten.

Erst kürzlich hatte das SOM-Institut aus Göteborg eine Umfrage präsentiert, wonach die Unterstützung der Schweden für die Monarchie in den vergangenen vier Jahren stetig gesunken ist.

Mit 56 Prozent ist aber immer noch die Mehrheit der Bevölkerung für diese Staatsform, allerdings betrug der Anteil der Unterstützer 2003 noch 68 Prozent. Die Daten sind im Herbst gesammelt worden. Vielleicht steigt der Anteil der Unterstützer nach dem menschlichen Drama und der königlichen Hochzeit ja wieder.