Krawalle

Londoner Polizei nimmt 100 Randalierer fest

Nach der Brandnacht von Tottenham am Samstag ist es in London erneut zu Krawallen gekommen. Bei den Ausschreitungen wurden neun Polizisten verletzt, die Feuerwehr musste 50 Brände löschen.

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In London ist es in der Nacht zu Montag erneut zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Video: Reuters
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Die Krawalle in London weiten sich aus. Nach der schweren Randale im Stadtteil Tottenham lieferten sich in der Nacht zum Montag Jugendliche in anderen Bezirken Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Polizei sprach von „Trittbrettfahrern“, mehr als 100 Randalierer wurden festgenommen.

Wie der Sender BBC berichtete, gab es die schwersten Krawalle im Südlondoner Stadtteil Brixton, wo mehr als 200 Jugendliche Geschäfte geplündert, Polizisten angegriffen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben sollen.

Während es diesmal in Tottenham selbst ruhig zu sein schien, entsandte die Polizei zusätzliche Beamte in das acht Kilometer nördlich gelegene Enfield. Auf Fernsehbildern waren patrouillierende Polizisten sowie zerstörte Schaufenster zu sehen. Berichten zufolge wurde ein Polizeifahrzeug zerstört.

Bei den erneuten Ausschreitungen wurden mindestens neun Polizisten verletzt. Beobachter erklärten, die Polizei hätte große Probleme gehabt, die Randalierer unter Kontrolle zu bekommen. Die Feuerwehr musste rund 50 Brände löschen. Offenbar hätten sich viele der Jugendlichen über soziale Netzwerke im Internet zu den Krawallen verabredet, berichtete die BBC.

Mehrere Menschen wurden festgenommen. Die Polizei hatte in weiten Teilen Londons ihre Patrouillen verstärkt.

In der Nacht zum Sonntag hatten Gewalttäter ein ganzes Viertel im Stadtteil Tottenham überrollt. Randalierer setzten Häuser, Geschäfte und Supermärkte in Brand, zündeten Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus an und plünderten Läden. Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern, von Fahrzeugen nur Stahlgerippe übrig. Hintergrund war der noch nicht vollständig aufgeklärte Tod eines 29-jährigen: Ein Polizist hatte den Familienvater am Donnerstag erschossen.

"Es war wie im Krieg"

"Wir sahen uns einer Gewalt gegenüber, wie wir sie in diesem Ausmaß nicht erwarten konnten", sagte Adrian Hanstock von Scotland Yard. Die Downing Street sowie Innenministerin Theresa May verurteilten die Gewalt als "völlig unakzeptabel".

Vorausgegangen war eine Demonstration von Einheimischen, die Antworten auf Fragen nach dem Tod des 29-Jährigen vermissten. Die Familie des Getöteten und deren Umfeld glaubt nicht an die Version der Polizei, der 29-Jährige habe aus einem Taxi heraus das Feuer eröffnet. Eine polizeiinterne Untersuchung ist im Gange.

Nach Angaben von Scotland Yard wurden nach den Ausschreitungen in Tottenham 55 Verdächtige festgenommen. 26 Polizisten und drei Zivilisten wurden verletzt. Die Polizei habe Kräfte zusammengezogen, um eine Fortsetzung der Gewalt zu unterbinden. "Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen", sagte ein Polizeioffizier.

Der Sachschaden geht in die Millionen. Nach Berichten von Augenzeugen spielten sich dramatische Szenen ab. Familien mit kleinen Kindern mussten aus ihren Wohnungen in brennenden Häusern fliehen. "Es war wie im Krieg", sagte ein Anwohner dem Sender Sky News.

Teile des Londoner Stadtteils Tottenham gelten seit Jahrzehnten als problematisch. Bereits 1985 ist es dort zu schweren Krawallen gekommen. Viele Kulturen, in ihren Heimatländern häufig verfeindet, treffen dort aufeinander. Bereits 1985 hatte es einen Aufsehen erregenden Aufstand gegeben, ein Polizist wurde erschossen. In den vergangenen Jahrzehnten war Tottenham als eines der Zentren der Londoner Bandenkriminalität bekannt.