Rätselhaftes Sterben

Immer mehr tote Delfine im Golf von Mexiko

Fünf weitere junge Delfine landeten tot an den Küsten des Golfs von Mexiko. Fast 70 Kadaver wurden seit Jahresbeginn angeschwemmt. Über die Ursachen wird gerätselt.

Foto: dpa

Dutzende tote Delfine, alle junge Tiere oder sogar Embryos: Fast 70 Kadaver wurden seit Jahresbeginn an den Küsten im Golf von Mexiko angeschwemmt und geben Wissenschaftlern Rätsel auf. Denn was die Meeressäuger das Leben gekostet hat, wird möglicherweise nie zu klären sein.

Fünf weitere tote Große Tümmler wurden in Mississippi und Alabama gefunden. 35 der insgesamt bereits 67 angeschwemmten Delfine waren so jung, dass es sich möglicherweise um spontan ausgelöste Fehlgeburten handelt. Wo sich die Tiere vor ihrem Tod aufhielten und was ihnen zustieß, weiß niemand.

Die Untersuchung des ungewöhnlichen Delfinsterbens wird dadurch erschwert, dass die Kadaver ausnahmslos zersetzt sind. Viele Organe seien „einfach Brei“, sagt Blair Muse, der für die National Marine Fisheries Service Berichte über angeschwemmte Delfine im Südosten der USA sammelt. Ohne unversehrte Kadaver könne die Todesursache der Tiere möglicherweise nie herausgefunden werden, erklärt der Experte.

Zwar gab es seit 1991 bereits 50 ähnliche Fälle – betroffen waren Wale, Seehunde, Seekühe und auch Delfine. Aber nur in der Hälfte davon konnten Experten klären, woran die Meeresbewohner starben. In 14 Fällen waren Große Tümmler vor Florida und im nördlichen Golf von Mexiko betroffen, wie aus Daten der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde (NOAA) hervorgeht.

Massensterben nach Algenblüte

Fünf solcher Massensterben ging eine Algenblüte voraus, und im Magen der betroffenen Delfine wurden hohe Konzentrationen eines von den Algen produzierten Gifts gefunden. Derzeit gilt ein Virus als Hauptverdächtiger.

Einigermaßen optimistisch, die Todesursache der Tiere zu klären, zeigt sich der Wissenschaftler Moby Solangi vom Institute for Marine Mammal Studies in Gulfport. Sein Team habe Gewebeproben von sechs Delfinen gesammelt. „Was auch immer geschehen ist, es wirkte sich auf das Reproduktionssystem und die Schwangerschaft aus“, sagt Solangi. Bei einem ähnlichen Fall wurden im Jahr 2007 insgesamt 68 tote Delfine an der Küste von Texas entdeckt, die meisten von ihnen teils sehr junge Tiere. Eine Untersuchung blieb ergebnislos, obwohl Experten Solangi zufolge auf ein Virus tippten.

Dass die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko für das Massensterben verantwortlich ist, sei eine nahe liegende Annahme, sagt Randall Wells von der NOAA. Möglich sei das tatsächlich, aber „es ist noch zu früh, um das jetzt sagen zu können.“

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