Loveparade-Katastrophe

Dr. Motte fordert U-Haft für Schaller und Sauerland

Deutliche Worte findet der Loveparade-Gründer Dr. Motte zur Entschuldigung des Duisburger OBs Adolf Sauerland. Er sagt: "Einsperren". Und zwar nicht nur ihn.

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Fast ein Jahr hatten Opfer und Angehörige darauf gewartet, dass sich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland für die Loveparade-Katastrophe entschuldigt. Eine lange Zeit. Vermutlich sind deshalb die Reaktionen verhalten, als CDU-Politiker kurz vor dem Jahrestag nun doch die moralische Verantwortung für das Drama mit 21 Toten übernommen hat.

„Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, mich an dieser Stelle bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen“, sagte Sauerland in einer Duisburger Ratssitzung. Fast 500 Menschen wurden damals bei dem Unglück verletzt, viele sind noch immer traumatisiert. Bis heute hat es keinen Prozess gegeben, bei dem die Schldigen zur Verantwortung gezogen wurden. Vermutlich wird die Schuld sogar nie ganz geklärt werden können.

„Alle in U-Haft nehmen"

Scharfe Kritik kommt deshalb auch von Matthias Roeingh, besser bekannt als Dr. Motte und Gründer der Techno-Veranstaltung. Er fordert, dass Adolf Sauerland und der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller mit ihrem „Kasperletheater“ aufhören sollen. Sauerland und Schaller werfen in seinen Augen nur "Nebelkerzen", um von sich abzulenken. Motte würde die beiden stattdessen am liebsten ins Gefängnis sehen: „Alle in U-Haft nehmen. Einsperren. Sauerland, Schaller“, sagte er in einem Interview mit dem „ Musikexpress Online “.

Die Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent, gegen die wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt wird, bezeichnete Dr. Motto als „Bauernopfer“. „Die Auswahl des Lopavent-Personals übernahm der Geschäftsführer. Also ist der verantwortlich. Von daher fordere ich eine klare Schuldzuweisung mitsamt Verurteilung.“

Als Beschuldigte bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gelten derzeit 16 Personen, darunter elf städtische Mitarbeiter. Ihnen wird vorgeworfen, das Konzept des Veranstalters trotz Mängeln ohne die nötigen kritischen Prüfungen übernommen zu haben. Auch ein leitender Polizist zählt wegen seines Verhaltens bei der Loveparade am 24. Juli 2010 dazu.

Die juristische Aufarbeitung hält Motte für sehr zweifelhaft. Er kritisierte vor allem das Fehlen einer neutralen Untersuchungskommission, die das Unglück für die Opfer und Hinterbliebenen aufklären könnte. So wirft er der ermittelnden Staatsanwaltschaft beispielsweise vor, selbst in den Fall verstrickt zu sein: „Die kann sich doch nicht selbst untersuchen!“

Tatsächlich war die Staatsanwaltschaft Duisburg bei ihren Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass die Loveparade so nicht genehmigt hätte werden dürfen . „Die Erteilung der Genehmigung erfolgte rechtswidrig“, heißt es in einem Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft Duisburg an die vorgesetzten Behörden vom Januar dieses Jahres. Motte riet den Hinterbliebenen und Opfern deshalb trotz der Hürden nicht aufzugeben: „Sie sollen das Opferentschädigungsgesetz in Anspruch nehmen. Mit gesammelten Einzelklagen macht man Druck auf die Staatsanwaltschaft.“

Auch zu der Zukunft des Geländes äußerte sich Motte deutlich: „Der neue Besitzer des Güterbahnhofs möchte das Areal wohl am liebsten zuschütten lassen. Das ist einfach nur asozial“, sagte Motte. Ein Investor wollte bislang ein Möbelhaus auf dem Grundstück bauen. Der Duisburger Stadtrat hat allerdings beschlossen, dass ein Teil erhalten bleiben soll als Gedenkstätte.

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