Experten der dänischen Spezialfirma Svitzer waren an Bord des am Great Barrier Reef in Australien auf Grund gelaufenen chinesischen Kohlefrachters, um die gefährliche Ölladung zu sichern. Sie pumpten zunächst das Öl aus besonders gefährdeten Tanks in sicherere Tanks an Bord des Schiffes. Die 950 Tonnen Öl sollen dann auf ein anderes Schiff gepumpt werden. Anschließend wollen die Bergungs-Experten versuchen, die „Shen Neng 1“ mit 65.000 Tonnen Kohle an Bord vom Riff zu ziehen.
Die Aktion ist gefährlich, weil das 230 Meter lange Schiff im seichten Wasser direkt in einem der sensibelsten Ökosysteme der Welt liegt. Selbst kleine Mengen Öl können am Great Barrier Reef großen Schaden anrichten. Rund vier Tonnen waren am Wochenende ins Meer geraten. „Wir müssen damit rechnen, dass mehr Öl ausläuft“, sagte die Regierungschefin des Bundeslandes Queensland, Anna Bligh. Die Bergungsexperten wollten schwimmende Barrieren um den Frachter legen, um möglicherweise auslaufendes Öl unter Kontrolle halten zu können.
Wang Jichang, der Kapitän des Schiffes zog neuen Zorn der Australier auf sich. Er beschwerte sich bei dem chinesischen Konsul in Brisbane, dass die Bergungsteams an Bord seine Vorräte an Essen und Wasser aufbrauchten. Außerdem sei das Ganze aufgebauscht. Er könne kein Öl im Wasser sehen, sagte der Kapitän nach Angaben des Konsuls. Die Meeresschutzbehörde hatte dagegen einen drei Kilometer langen Ölteppich ausgemacht und mit Chemikalien besprüht.
Der Frachter war am Wochenende weitab vom erlaubten Kurs auf das Great Barrier Reef gelaufen. Experten argwöhnten zunächst, dass der Kapitän eine Abkürzung nehmen wollte. Der Kapitän sei befragt worden, teilte die Meeresschutzbehörde mit. „Um ein Schiff durch diese Region zu lenken, braucht man keine höhere Mathematik“, sagte der Behördenchef, Patrick Quirk. „Jede kompetente Besatzung sollte dazu in der Lage sein.“ Der Kapitän hatte die Behörden zudem erst zwei Stunden nach dem Unglück informiert.
„Wenn die chinesische Besatzung irgendwelche Illusionen hegt, dass es sich hier nur um einen kleinen Zwischenfall handelt, wird sie, wenn sie vom Boot kommt, an der Reaktion der Welt wohl merken, wie ernst dies ist“, sagte Bligh. Sie kündigte an, den Schiffseigner mit der vollen Härte des Gesetzes zu verfolgen.
dpa/mun





