Australiens Regierungschef Kevin Rudd hat sich empört über das Schiffsunglück mit einem chinesischen Frachter am Korallenriff Great Barrier Reef geäußert. Es sei „skandalös“, dass ein Schiff in das Naturschutzgebiet habe gelangen können, sagte Rudd nach einem Flug über die Unglücksstelle im Nordosten Australiens. Schließlich handele es sich bei dem Great Barrier Reef um das „wertvollste natürliche Gut Australiens“. Die Lage bleibe Besorgnis erregend und die Gefahr für das Great Barrier Reef sei groß, betonte Rudd.
Dem berühmten australischen Korallenriff droht eine Ölkatastrophe, nachdem der mit Kohle und Öl beladene Frachter „Shen Neng 1“ rund 70 Kilometer vor der Great-Keppel-Insel auf Grund gelaufen war. Dabei wurde ein Öltank beschädigt, ein Ölteppich breitete sich zunächst über drei Kilometer aus. Das Schiff droht aber nach Einschätzung der Behörden auseinanderzubrechen oder noch mehr Öl zu verlieren.
Nun gehe es darum, die Situation unter Kontrolle zu bringen, sagte Rudd weiter. Zudem müssten die Verantwortlichen für das Unglück bestraft werden. Denkbar seien Strafzahlungen von bis zu 5,5 Millionen australischen Dollar (rund 3,8 Millionen Euro) sowie eine Gefängnisstrafe für den Kapitän des Schiffes von bis zu drei Jahren.
Das Schiff war auf dem Weg von China in die australische Hafenstadt Gladstone. Nach Angaben der australischen Meeresschutzbehörde war die „Shen Neng 1“ auf einer korrekten Route durch das Naturschutzgebiet am Great Barrier Reef, kam aber „durch einen Fehler“ vom Weg ab.
Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 345.000 Quadratkilometer. Es gilt als der größte lebende Organismus der Welt. Das sensible Ökosystem wird bereits durch den Klimawandel und Abwässer aus der Landwirtschaft bedroht.
Unterdessen hat die Umweltweltstiftung WWF mehr Sicherheit auf See gefordert. Zugleich müsse das besonders giftige Schweröl als Treibstoff für Schiffe verboten werden, sagte Stephan Lutter vom WWF Deutschland in einer Mitteilung. Für empfindliche Gebiete wie das Great Barrier Reef müsse außerdem eine Lotsenpflicht gelten. Die Umweltstiftung betonte, Korallenriffe schützten Küsten vor Sturmfluten und seien die Kinderstube für unzählige Fischarten.
WWF-Sprecher Jörn Ehlers sagte im ZDF-Morgenmagazin: „Erstmal ist es ein sehr giftiges Öl, dieses Schweröl. Wir erinnern uns an die Pallas vor etwas mehr als zehn Jahren: Da waren es 90 Tonnen, also auch keine riesige Menge, und es hat 16.000 Seevögeln den Tod gebracht.“
Wegen der Größe des Great Barrier Reef sei das Unglück „nun nicht das Todesurteil für das gesamte Riff“. Aber es sei „ein ernster Zwischenfall“, erklärte Ehlers.
AFP/dpa/mun









