Nach dem Freispruch

Kachelmann arbeitet wieder - aber nicht für die ARD

Jörg Kachelmann ist freigesprochen - jetzt wird er wieder arbeiten. Die ARD will vorerst nicht mit kachelmann arbeiten.

Wettermoderator Jörg Kachelmann (52) kehrt trotz des Freispruchs vor dem Mannheimer Landgericht vorerst nicht zur ARD zurück. „Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und ein Urteil Rechtskraft erlangt hat, sehen wir in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf“, sagte eine ARD-Sprecherin nach der Bekanntgabe des Mannheimer Urteils. Der Schweizer hatte seit Mitte der 90er Jahre Wettervorhersagen für ARD-Anstalten moderiert, seit 2002 war er regelmäßig unter anderem nach den „Tagesthemen“ und im Morgenmagazin zu sehen. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe im Frühjahr vergangenen Jahres lässt die ARD Kachelmanns Moderationstätigkeit ruhen.

Allerdings wird Kachelmann wieder voll bei dem von ihm gegründeten Wetterdienst Meteomedia einsteigen. Das gab das Schweizer Unternehmen bekannt. Auch bei Radio Basel, wo Kachelmann seit Monaten einmal die Woche auf Sendung ist, werde der Schweizer nun künftig des öfteren zu hören sein, sagte Chefredakteur Christian Heeb.

Kachelmann war auch während seines Prozesses Präsident von Meteomedia geblieben. Das Unternehmen freue sich „über den längst überfälligen Freispruch ihres Firmengründers“, hieß es in einer Stellungnahme. „Jörg Kachelmann wird ab sofort seine Kraft wieder ganz der Meteomedia Gruppe widmen können.“ Dazu gehörten auch seine Kommentare zum Wettergeschehen in Medien wie Radio Basel, dem deutschen Sender Radio Primavera mit Sitz in Aschaffenburg. Auch seien zusätzliche öffentliche Auftritte in Zukunft nicht ausgeschlossen.

Heeb sagte, auch sein Sender habe vorwiegend aus Deutschland „ganz üble Mails“ zu Kachelmanns Tätigkeit erhalten, sich aber nicht davon beeindrucken lassen. Kurzzeitig hatte Kachelmann auch beim Schweizer Sender Radio Sunshine gearbeitet. Weil es aber Beschwerden von Hörern gab, verzichtete der Sender zunächst auf Wettermoderationen mit dem 52-Jährigen. Ob Kachelmann dort nun wieder auftreten darf oder will, stand zunächst nicht fest.

Die Anklage hatte dem 52-jährigen Schweizer besonders schwere Vergewaltigung seiner Ex-Freundin vorgeworfen und eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt. Der Indizienprozess vor der 5. Großen Strafkammer, in dem Aussage gegen Aussage stand, hatte rund neun Monate gedauert. Eine Ex-Freundin hatte Kachelmann vorgeworfen, sie in ihrer Wohnung mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann bestritt die Vorwürfe.

Kachelmann könnte nach dem Freispruch nun therotisch auch Verdienstausfall geltend machen, sagt Peter Zuriel, Vorsitzender der Vereinigung Berliner Strafverteidiger. Ein solcher Ausfall würde vom Staat gezahlt werden. Der Nachweis sei aber wegen der hohen gesetzlichen Ansprüche in Deutschland sehr schwierig. In anderen europäischen Ländern oder in den USA seien derartige Forderungen leichter durchzusetzen.

Entschädigt wird kachelmann auf jeden Fall für die 132 Tage, die er in Untersuchungshaft verbrachte. Laut dem Strafrechtsentschädigungsgesetz erhält Kachelmann für jeden der 132 Tage in Untersuchungshaft 25 Euro, insgesamt also 3.300 Euro. Kachelmann war am 20. März 2010 festgenommen und am 29. Juli freigelassen worden.