Sittensen

Komplizen des getöteten Intensivtäters stellen sich

Die vier Teenager, die beim Überfall auf einen Rentner in Sittensen dabei waren, haben sich gestellt. Ihr 16-jähriger Komplize war von dem 77-Jährigen erschossen worden.

Der bei einem Raubüberfall in Sittensen getötete 16-Jährige ist durch einen Schuss in den Rücken gestorben. Das ergab die Obduktion, wie Kai Thomas Breas von der Staatsanwaltschaft Stade am Mittwoch sagte. Gegen den 77-jährigen Hausbesitzer, der den Schuss abgab, wurde inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unterdessen stellten sich die vier Mittäter im Alter von 22 bis 24 Jahren in Neumünster, wie die Polizei am Abend mitteilte.

Aus Neumünster stammt auch der 16-Jährige, dessen Identität inzwischen eindeutig geklärt werden konnte. Es handelt sich um einen deutschen Intensivtäter albanischer Abstammung. Seine mutmaßlichen Komplizen sind ein Iraker, ein Kongolese und zwei weitere Deutsche mit Migrationshintergrund. Alle waren der Polizei bereits bekannt.

Mittäter vorläufig festgenommen

Die Männer wurden vorläufig festgenommen und befinden in Polizeigewahrsam. Die Ermittlungen in Neumünster und im Raum Sittensen dauern an. Warum sich die mutmaßlichen Räuber Opfer in Sittensen aussuchten, ist noch nicht geklärt. Auch der Besitzer des Fahrzeugs, das die Täter zur Flucht benutzten, wurde noch vernommen. Er hatte den Wagen einem der Täter geliehen. Als er mitbekam, dass der getötete Jugendliche aus Neumünster stammte, schloss er auf einen Zusammenhang und meldete sich bei der Polizei.

Die Räuber hatten am Montagabend einen wohlhabenden 77 Jahre alten Rentner auf dessen Grundstück überfallen und ihm die Geldbörse abgenommen. Dann durchsuchten sie das Haus. Als sie den Tresor fanden und öffneten, wurde Alarm ausgelöst. Der Rentner, der als Jäger Schusswaffen besitzt, konnte eine Pistole ergreifen und feuerte Breas zufolge mehrfach. Eine Kugel traf den 16-Jährigen, der in der Nähe der Terrasse zusammenbrach.

Die vier anderen flüchteten mit dem geraubten Geld. Die Polizei fand später Teile der Tätermaskierung und eine Softair-Waffe. Vermutlich mit dieser Waffe hatten sie den Rentner bedroht. Die Ankündung der Staatsanwaltschaft am Mittwoch, die Fundstücke auf DNA und Fingerabdrücke untersuchen zu lassen, habe die Täter vermutlich zur Aufgabe veranlasst, sagte ein Polizeisprecher.

Ob der 77-Jährige in Notwehr handelte und straffrei bleibt, wird derzeit von der Staatsanwaltschaft geprüft. Möglich sei aber auch, dass sich der Mann wegen Totschlags verantworten müsse.

Auch bei einem Schuss in den Rücken könne das Überfallopfer in Notwehr gehandelt haben, etwa wenn der Jugendliche sich gerade erst umgedreht habe, sagte Breas. Der Schütze könnte aber auch die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken überschritten haben. Auch dann würde der gehbehinderte Rentner straffrei ausgehen. Für die Frage der Notwehr kann Breas zufolge auch der gewaltsame Tod eines 51 Jahre alten Mannes im rund 50 Kilometer entfernten Oldendorf eine Rolle spielen, der am Wochenende bei einem Raubüberfall getötet worden war. Wenn der Rentner in Sittensen von der Tat wusste, habe er bei dem Überfall vielleicht schneller zur Waffe gegriffen, als er es sonst getan hätte.