Boy George zählt zu den großen Popstars der 80er-Jahre. Als schriller Frontmann der Band Culture Club wurde er mit Hits wie „Do You Really Want To Hurt Me“ oder „Karma Chameleon“ berühmt. 1987 löste sich die Gruppe – auch nach Drogenproblemen von George – auf.

Er startete eine Solokarriere, schuf sich ein zweites Standbein als DJ, produzierte sein eigenes Musical und ging Ende der 90er-Jahre noch mal mit seinen alten Bandkollegen auf Tour. In den vergangenen Jahren sorgte Boy George, der eigentlich George O'Dowd heißt, vor allem mit Problemen mit der Justiz für Schlagzeilen.

2009 saß er vier Monate lang wegen Freiheitsberaubung eines Callboys in England hinter Gittern. 2006 wurde er in New York wegen Drogenbesitzes zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Nun plant der 49-Jährige ein Comeback.

Frage: Ihre Karriere ging vor bald genau 30 Jahren mit Culture Club richtig los. Werden Sie dieses Jubiläum feiern?

Boy George: Ja, wir wollen 2012 gemeinsam auf Tour gehen. Im kommenden Jahr werden wir wohl mit der Arbeit beginnen, neue Songs schreiben, ein paar Wochen miteinander verbringen, sehen, was passiert. Es ist ja schon zwölf Jahre her, seitdem wir das letzte Mal zusammen gespielt haben. Ich habe das Gefühl, dass da noch ein Album aussteht: Kein reines Popalbum, sondern etwas dem Alter Angemesseneres. Etwas Erwachseneres. Ich freue mich darauf.

Frage: Ihre Bandkollegen sind 2006 mäßig erfolgreich mit einem anderen Sänger auf Tour gegangen. Was haben Sie davon gehalten?

George: Das hat nicht funktioniert, das stimmt. Und ich habe es schon als eine Art Beleidigung unseres Vermächtnisses empfunden. Ich würde nie ohne sie auftreten und sagen: Ich bin Culture Club. Eine Band ist die Summe ihrer Einzelteile. Ich habe nie mit ihnen darüber geredet, aber ich denke, sie wissen heute, dass es eine dumme Idee war.

Frage: Ist jetzt für 2012 eine große Tournee geplant?

Boy George: Wir werden überall dort auf Tour gehen, wo es möglich ist. Als Band sind wir in vielen Ländern zum Beispiel in Osteuropa noch nie aufgetreten. Es gibt ein paar Orte wie Amerika, wo ich momentan leider nicht hindarf wegen meiner Anklage. Rehabilitation ist ein Märchen. (lacht)

Frage: Wie haben Sie Ihre Zeit im Gefängnis erlebt?

George: Natürlich war es eine harte Zeit. Aber wenn man in der Situation ist, will man das nur hinter sich bringen. Man denkt nicht sehr viel darüber nach oder analysiert das großartig, man lebt von einem Tag zum nächsten. Es war schwierig, eine völlig andersartige Umgebung. Man schaut sich um und denkt, wie bin ich hier bloß gelandet? Aber was mich am meisten überrascht hat, ist, dass ich damit ziemlich gut umgehen konnte. Denn ich bin kein Fan von Autoritäten. Vor zehn Jahren hätte ich vermutlich gegen alles angekämpft, aber das hat wohl etwas mit Erwachsenwerden zu tun.

Frage: Wie haben Ihre Mitgefangenen auf Sie als Star reagiert?

George: Man ist da kein Star. Ein TV-Sender hat genau in dieser Zeit einmal eine Dokumentation über mich ausgestrahlt. Und ich dachte mir: 'Oh mein Gott, ich kann nicht fassen, dass sie das ausgerechnet jetzt im verdammten Fernsehen zeigen!' Ich glaubte, das sei das Schlimmste, was mir passieren könnte und habe schon mit so viel Qualen gerechnet. Aber es hatte genau den gegenteiligen Effekt. Leute kamen zu mir und sagten: Ich wusste gar nicht, dass du den oder den getroffen hast. Auch als einmal aus dieser Zeit eine komplette Lüge über mich in der Zeitung stand, kamen viele Leute, die wirklich schockiert waren, und fragten: 'Dürfen die das machen?' Das waren interessante Erfahrungen. Ich habe dort Freundschaften geschlossen, mit einigen bin ich noch freundschaftlich verbunden. Viele nette Leute machen dumme Dinge.

Frage: Denken Sie über eine neue – dritte – Autobiografie über Ihre Zeit im Gefängnis nach?

George: Eines habe ich mit zunehmendem Alter gelernt: Weniger ist mehr. Als ich jünger war, hatte ich noch kein Gespür für Privatsphäre. Damals habe ich alles öffentlich ausgelebt, und das bereue ich heute etwas. Als ich weg (im Gefängnis – Red.) war, habe ich Tagebuch geführt. Und ich habe mir in dieser Zeit gesagt: Ich hoffe, dass wenn ich darüber reden kann, ich es dann nicht mehr möchte.

Frage: Am 14. Juni 2011 werden Sie 50 Jahre alt. Wie geht es Ihnen damit?

George: Ich bin kein Mensch, der Panik davor hat, älter zu werden. Das geht jedem so. Ich werde natürlich feiern, weil es ein Meilenstein ist. Und ich denke, dass ich heute glücklicher bin. Als ich jünger war, hatte ich meine Gefühle nicht so gut unter Kontrolle. Die beste Art, es zu beschreiben, ist vielleicht: Es gab keinen Aus-Knopf bei mir.

Frage: Sie meinen damit Ihre Drogenprobleme?

George: Ja, das auch. Das liegt aber jetzt in der Vergangenheit. Ich denke insgesamt: Alles, was deinem persönlichen Glück im Weg steht, muss umgangen werden. Bestimmte Dinge treiben mich heute nicht mehr so um wie früher. Und das ist eine Entscheidung. Man wird nicht älter und weiser, nur weil man älter wird. Man muss sich überlegen: Was läuft falsch in meinem Leben und was muss ich tun, um es zu verbessern. Ich glaube, ich habe gelernt, ein bisschen mehr „Zen“ zu leben.

dapd