+++ Kein Streusalz mehr nach erstem Wintereinbruch +++
Viele kleine Gemeinden in Niedersachsen haben ihren ersten Streusalzvorrat für den Winter schon fast aufgebraucht. Die garantierten Nachlieferungen stehen dabei mancherorts aus, ergab eine Umfrage. Wegen geringer Lagerkapazitäten sind kleine Kommunen auf kontinuierliche Lieferungen angewiesen, während Orte und Städte, die über einen größeren Lagerplatz verfügen, vor dem Wintereinbruch ihre Silos bis zum Anschlag gefüllt haben.
Nach den Erfahrungen des vergangenen Winters hat sich das Bestellverhalten von Städten und Gemeinden nach Angaben des Salzlieferanten Esco verändert:„Jeder versucht, seinen Lagerbestand bei 100 Prozent zu halten“, sagte Holger Bekemeier, der Esco-Pressereferent, am Donnerstag in Hannover.
+++ Schnee sorgt für Rekordzeit im Landesparlament +++
Aus Angst vor einer angekündigten massiven Schneefront haben die rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten bei wichtigen Abstimmungen mächtig auf die Tube gedrückt. Das Landesparlament in Mainz verabschhiedete in Rekordzeit den Haushalt 2011 und die Verankerung der Schuldenbremse in der Landesverfassung.
Die letzte Plenarsitzung dieses Jahres endete schon am frühen Nachmittag und damit rund drei Stunden vor dem ursprünglich geplanten Zeitpunkt. Die rund 100 Abgeordneten wollten noch ohne Rutschpartien etwa in die Eifel, den Westerwald und den Taunus nach Hause kommen. Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) sagte: „Das zeigt, dass es eigentlich immer so schnell gehen könnte.“
+++ Gefährlicher Ferienstart auf den Straße +++
Winterwetter und Weihnachtsurlauber können zu Beginn der Schulferien in Hessen für Beeinträchtigungen auf den Autobahnen sorgen. Für die rund 613.500 Schüler beginnen an diesem Freitag nach der dritten Stunde die Ferien.
Außer in Hessen fangen auch im Saarland, den Niederlanden, Frankreich, Skandinavien und der Schweiz die Weihnachtsferien an, mahnt der ADAC. Auf den Zufahrtsstraßen in die Wintersportgebiete – besonders der A5 in Richtung Basel – kann daher viel Verkehr unterwegs sein. Der ADAC appelliert an Autofahrer, die in die Alpenländer wollen, an Schneeketten zu denken und Lawinenwarnungen zu beachten.
+++ Schneefront erreicht Norddeutschland +++
Die angekündigte Schneefront hat Norddeutschland erreicht. Graupel und gefrierender Regen verwandelten die Straßen in Hamburg und Schleswig-Holstein zum Teil in Rutschbahnen.
Nach Angaben der Polizei blieb die Lage auf den Straßen bis mittags weitgehend entspannt. Es sei weder zu größeren Stauungen noch zu einer auffälligen Häufung von Glätteunfällen gekommen, hieß es übereinstimmend. Die Streudienste waren bereits seit der Nacht im Einsatz.
+++ Bis zu Minus 20 Grad in Region Berlin +++
In der Region Berlin-Brandenburg werden in den kommenden Nächten Temperaturen bis zu 20 Grad unter Null erwartet. Bereits am Donnerstag sollte es in der Prignitz bis zu 15 Zentimeter Neuschnee geben. Auch in Berlin wurde für den Nachmittag erneuter Schneefall erwartet. Zudem seien in Hauptstadt und Mark bei heftigem Südwestwind Schneeverwehungen zu erwarten, sagte Friedrich Föst vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland. Die Lausitz erreichten die neuerlichen Schneefälle erst später und deutlich abgeschwächt. „Die Nacht zum Sonntag bringt dann Minustemperaturen von 15 bis 20 Grad“, sagte Föst. Tagsüber stiegen die Werte auf minus 10 Grad. „Das gibt tiefsten Winter wie im Bilderbuch.“
+++ Weiße Weihnacht unsicher +++
Die Schneefront von Tief „Petra“ hat Deutschland am Donnerstag erreicht. An den Küsten begann es zu schneien, dazu gab es heftigen Wind. Im Lauf des Tages soll „Petra“ ganz Deutschland bis zu 20 Zentimeter Neuschnee und in den Bergen Sturm bringen. Von Kiel bis Konstanz gilt eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Ob der Schnee sich allerdings bis Weihnachten hält, ist eine Woche vor dem Fest immer noch unsicher.
Für die Feiertage deute sich in den Computermodellen eine Milderung an, sagte die DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Das wäre das bei Meteorologen bekannte „Weihnachtstauwetter“, das im vergangenen Jahr die weiße Pracht rasch hatte schmelzen lassen. Oft gibt es in Deutschland um die Feiertage einen solchen Warmlufteinbruch. Genaue Prognosen seien aber erst vier Tage im Voraus möglich, sagte Paetzold.
Weiße Weihnachten gibt es in Deutschland zuverlässig nur in den Alpen und im Bayerischen Wald jedes Jahr. Sonst reicht die Wahrscheinlichkeit von unter zehn Prozent entlang des Rheins und an den Küsten bis 80 Prozent in den Hochlagen der Mittelgebirge – das hat der DWD aus Daten der Jahre 1951 bis 2008 errechnet.
Mindestens bis in die nächste Woche bleibt es tief winterlich bei Dauerfrost. Am Freitag schneit es im Süden und Osten weiter. Am Samstagabend kommt ein neues Schneefallgebiet nach Deutschland - diesmal aus Südwesten. Die Temperaturen liegen auch tagsüber überall unter null Grad. Nachts wird es bitterkalt mit zweistelligen Minusgraden.
+++ Die Arktis am Brocken +++
Tolle Weitsicht auf dem Brocken: Besucher des Harzgipfels konnten am Donnerstag wegen des klaren Frostwetters mehr als hundert Kilometer weit in die Ferne schauen.
Allerdings ist es bei Temperaturen von minus 11 Grad und Windstärke 9 ungemütlich, sagte Wetterbeobachter Marc Kinkeldey von der meteorologischen Station auf dem höchsten Berg Norddeutschlands. „Der starke Wind wirbelt den Schnee auf. Es ist wie in der Arktis“, sagte Kinkeldey.
Den Gipfel überziehe eine Schneedecke von 1,30 Meter Höhe. Der Experte rechnet damit, dass bis Freitag rund 20 Zentimeter Neuschnee dazu kommen werden. Der Wind werde außerdem Orkanstärke erreichen.
+++ Schneefront bewegt sich auf Deutschland zu +++
Vom Nordwesten her ist die neue Schneefront nach Deutschland hereingezogen. Der Höhepunkte des Schneefalls werde in Norddeutschland am Donnerstagmittag erwartet, sagte Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.
Vor allem für den Nordwesten besteht für den ganzen Tag eine Unwetterwarnung. Neben heftigem Schneefall kann es durch gefrierenden Regen auch zu Glatteis kommen. In Schleswig-Holstein, Hamburg und in vielen Kreisen Niedersachsen fiel wegen des erwarteten Schneechaos die Schule aus.
+++ 20 Zentimeter Neuschnee in NRW +++
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor starkem Schneefall, Schneeverwehungen und Straßenglätte in Nordrhein-Westfalen. Im Laufe des Tages rechnen die Meteorologen je nach Region mit zehn bis zwanzig Zentimetern Neuschnee. Der Landesbetrieb Straßen.NRW stellte sich auf einen Einsatz rund um die Uhr ein. „Wir können mit allem ausrücken, was wir haben“, sagte ein Sprecher. Sollte es aber tatsächlich so viel Schnee geben wie angekündigt, müssten Autofahrer trotzdem mit weißen Straßen rechnen. „Wer es irgendwie vermeiden kann, sollte das Auto stehen lassen“, sagte der Sprecher.
Die Deutsche Bahn in NRW hat ihr Personal für den Winterdienst aufgestockt. Die größten Probleme seien durch vereiste Weichen und zugeschneite Signale zu erwarten, sagte ein Bahnsprecher am Donnerstag in Düsseldorf. Die Mitarbeiter müssten das Eis manuell mit einem speziellen Weichenbesen entfernen und die Signale freifegen. Aus Sicherheitsgründen dürften die Züge während dieser Arbeiten nicht weiterfahren. Dadurch könne es zu Verspätungen einzelner Züge kommen.
+++ In Baumärkten werden Salz und Eiskratzer knapp +++
Wegen des Winterwetters werden in einigen Baumärkten Streusalz, Schneeschieber und Eiskratzer knapp. „In einigen Märkten sind die Regale schon leer“, sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), Stefan Michell. „Die Unternehmen haben nachbestellt und hoffen auf eine zügige Lieferung. Aber es kann teilweise zu Engpässen kommen.“ Und das, obwohl viele Baumärkte von vornherein mehr Ware bestellt hätten als im Vorjahr.
„Viele Leute haben dieses Jahr schon im Oktober angefangen, sich mit Winterprodukten einzudecken – wohl aufgrund der Erfahrungen des letzten Winters, als mancherorts plötzlich alles ausverkauft war“, sagte Michell. „Einige Baumärkte haben in diesem Oktober soviel Salz verkauft, wie in anderen Jahren von Oktober bis Dezember insgesamt.“ Demnach müssten die meisten Menschen eigentlich ausreichend mit Salz oder Schneeschüppen ausgestattet sein, sagte der Sprecher. Die Nachfrage ziehe aber trotzdem weiter an.
+++ Mädchen stürzt in Schneeloch +++
Ein Mädchen ist in Selb (Landkreis Wunsiedel) kopfüber in ein Schneeloch gestürzt. Die Elfjährige hatte nach Angaben der Polizei in Bayreuth vom Donnerstag vor dem Haus ihrer Eltern auf einem fast mannshohen Schneehaufen gespielt und ein Loch in die weißen Massen gebuddelt.
Das Mädchen rutschte mit dem Kopf voraus hinein und konnte sich nicht mehr alleine befreien. Zu ihrem Glück sah die Mutter ihre Tochter. Der Vater befreite die Elfjährige schließlich aus ihrer misslichen Lage. Das Mädchen kam nach dem Vorfall vom Mittwochabend mit leichten Unterkühlungen in ein Krankenhaus.
+++ Schnee behindert S-Bahn-Verkehr in Berlin +++
Die starken Schneefälle beeinträchtigen den S-Bahn-Verkehr in Berlin. Es komme zu Verspätungen, teilte die S-Bahn Berlin GmbH mit. Wegen einer Weichenstörung fahre die S8 nicht von Schönefeld nach Zeuthen. Für die S1 ist wegen Bauarbeiten zwischen den Bahnhöfen Frohnau und Waidmannslust ein Pendelverkehr im 20-Minuten-Takt eingerichtet. Auf vielen Strecken sind die Züge nach wie vor kürzer als normal. Der Flugverkehr in Schönefeld und Tegel verlief am Donnerstag dagegen normal. Auch Busse, Straßen- und U-Bahnen fuhren ohne Probleme.
+++ Hunderte Lastwagen parken auf Standstreifen +++
Das Winterwetter hatte am Mittwoch auf einigen Autobahnen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu kompletten Sperrungen geführt. Wer konnte, steuerte einen Parkplatz an. Vielen Lastwagenfahrern blieb aber wegen Überfüllung der Rastplätze keine andere Wahl, als ihre Fahrzeuge auf den Standstreifen der Autobahn zu parken. Alleine auf der Autobahn 9 bei Halle waren es 200 Laster. Auch auf der A4 bei Chemnitz und der A17 bei Dresden steckten die Brummis fest. Die A17 war am Morgen schon mehr als 24 Stunden gesperrt. Einige hundert Lastwagen waren bis zu 1,50 Meter hoch eingeschneit.
Im Westen war man vom Chaos noch weit entfernt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für den Morgen zwar Unwetter in Form von Schnee, Glätte und Verwehungen vorausgesagt. Die Nacht verlief aber in Nordrhein-Westfalen ohne größere Zwischenfälle. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagte ein Sprecher der Polizei in Recklinghausen. Der strenge Frost und die Kälte machten sich aber schon bemerkbar: In Bielefeld gab es zwei Unfälle mit zwei Schwerverletzten. Ein Sprecher aus Köln appellierte an die Autofahrer: "Die, die nicht unbedingt fahren müssen, sollen zu Hause bleiben.“
+++ ADAC kritisiert Fahrlässigkeit im Verkehr +++
Der ADAC hat die Fahrlässigkeit vieler Autofahrer im aktuellen Winterwetter kritisiert. „Sie fahren zu dicht auf und mit zu hoher Geschwindigkeit. Das ist das Hauptproblem“, sagte ADAC- Sprecher Maximilian Maurer. „Wenn die Straße gut gesalzen ist und es mal voran geht, denken die Autofahrer nicht dran, dass sie auch wieder bremsen müssen.“
Besonders gefährlich seien Kreuzungen, Abbiegespuren, Brücken oder Autobahn-Ausfahrten. „Überall, wo entweder viel mehr oder viel weniger Autos unterwegs sind und deshalb der Straßenbelag anders ist, da muss man aufpassen“, sagte Maurer. Mit genügend Abstand schütze man sich nicht nur selbst, sondern könne eventuell Fehler anderer abfangen. „Völlig unberechenbar sind die Straßen bei Blitzeis, wenn die Fahrbahn noch kalt ist, es aber warm draufregnet. Da lässt man am besten das Auto stehen, bis es aufgehört hat zu regnen.“
+++ Mitteldeutschland blieb noch verschont +++
In Baden-Württemberg krachte es in der Nacht nur wenig. Seit dem Abend hatte es auf der A8 längere Staus gegeben, die sich später aber wieder auflösten. In Bayern war die A73 betroffen. Dort stand ein Lastwagen quer. Der Übergang auf die A9 in Richtung Süden wurde deshalb gesperrt.
Keine Schnee-Probleme gab es in der Mitte Deutschlands. In Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland meldeten die Behörden trockene Straßen, weil kein neuer Schnee gefallen war. Dafür kündigte Nebel vielerorts neue Niederschläge an. „Wir fangen prophylaktisch an zu Streuen“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Bremen.
+++ 360 Unfälle allein in Brandenburg +++
Die Polizeipräsidien in Frankfurt an der Oder und Potsdam registrierten indes zusammen 359 Unfälle mit 33 Verletzten in Brandenburg. Starke Schneefälle mit bis zu 25 Zentimetern Neuschnee hatten den Verkehr stark behindert. So musste der Busverkehr in der Uckermark zeitweilig eingestellt werden.
dpa/mac/sv/kami

