Nun hat der Winter Deutschland wirklich fest im Griff: Auf den Straßen der Republik herrscht Chaos, überall werden Unfälle gemeldet. Auf der A2 bei Peine kam ein 59-jähriger Lastwagenfahrer aus Brandenburg ums Leben.

Der Mann war mit einem mit Stahlträgern beladenen Sattelzug auf der schneeglatten Autobahn von der Fahrbahn abgekommen und in die Schutzplanke geprallt. Dadurch wurde er aus dem Führerhaus geschleudert und erlitt tödliche Verletzungen. Im Kreis Helmstedt starb ein 73-Jähriger bei einer Schneeräumaktion. Er wurde in Wolsdorf von einem Regionalzug erfasst und war sofort tot. Was sich sonst ereignete, haben unsere Korrespondenten für Sie zusammengetragen.

Frankfurt: Die Nacht zum Donnerstag mussten viele Reisende im Hauptbahnhof verbringen. Denn die Züge Richtung Ostdeutschland wurden nicht auf die Schiene gesetzt, aus Angst, in Schneeverwehungen stecken zu bleiben.

Damit hatten die Betroffenen aber noch Glück im Unglück – verglichen zumindest mit den Autofahrern, die sich in der Nacht auf die Autobahnen A4 und A7 durch Osthessen gewagt hatten. In der Gegend von Bad Hersfeld hatten sich an Steigungen Lastwagen quergestellt, und plötzlich ging rund um das Kirchheimer Dreieck gar nichts mehr. Viele Menschen verbrachten die ganze Nacht im Stau, manche saßen bis zum Morgen schon über 15 Stunden fest und wussten immer noch nicht, wann es weiter gehen sollte. Wie lang der Stau war, wusste selbst die Polizei lange Zeit nicht.

Denn manche Einsatzkräfte konnten zunächst gar nicht bis zum Geschehen vordringen, weil sie selbst festsaßen. Das Rote Kreuz verteilte bei 12 Grad Minus zwar Decken und heiße Getränke, aber irgendwann ging das Material aus. 30 Retter mussten sich schließlich zu Fuß auf den Weg machen, um Nachschub zu holen. Am Morgen setzte sich die Kolonne auf der A7 dann wieder langsam in Bewegung, erst am Nachmittag ging alles einigermaßen normal.

Hamburg: Auch in der Hansestadt rieselt leise, aber heftig der Schnee. Seit Donnerstagmorgen hüllt eine fünf Zentimeter dicke Schneeschicht die Hansestadt in winterliches Weiß.

Zwischen Elbe und Alster, am Hafen und auf der sündigsten Meile der Welt, der Reeperbahn, hat der Winter damit auch optisch Einzug gehalten. Schnee, das wissen die Hansestädter, sorgt schnell für Chaos. Viele stiegen auf öffentliche Verkehrsmittel um. Sie hatten den richtigen Riecher. Der Elbtunnel erwies sich wieder einmal als Nadelöhr. Ein Unfall mit einem Laster sorgte dort für kilometerlange Staus. Auch auf allen anderen Straßen rutschten die Autofahrer am morgen vorsichtig Richtung City. Trotzdem zählte die Polizei 45 Verkehrsunfälle innerhalb weniger Stunden. „Es waren nur Blechschäden“, hieß es aus der Verkehrsleitzentrale der Ordnungshüter. Am Flughafen Fuhlsbüttel bekamen die Schneeräumer die Lande- und Startbahn schnell schneefrei.

Berlin: Herz mit Schnauze – so stellen sich die Hauptstädter gern dar. Der Wintereinbruch hat aber zu so starken Verkehrsbehinderungen geführt, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln das bekannte „Pass doch uff!“ in neuen Phonzahlen erschallt.

Auf Straßen und Autobahnen sind Unfälle an der Tagesordnung. Allein bis 11 Uhr erfasste die Polizei 168 Unfälle. Zwischen 10 Uhr und 11 Uhr ereigneten sich 44 Unfälle. Dabei kam es einem Polizeisprecher zufolge lediglich zu Blechschäden und leichten Verletzungen. Holger Trocha von den Staumeldern vom Air Service Berlin beschrieb den Zustand auf den Straßen in Berlin und Brandenburg als „chaotisch“. Auf der Autobahn 13 in Richtung Dresden kippte am Mittag ein Lkw um und blockierte alle Spuren. Auf der Bundesstraße 1/5 standen Fahrzeuge vom Osten in Richtung Lichtenberg bis zu anderthalb Stunden im Stau. Da half auch kein Uffpassen mehr – das Berliner Herz war wirklich gefragt.

Erfurt: 30 Zentimeter Neuschnee, Sturmböen, Glätte und eisige Temperaturen bis zu 17 Minus Grad haben die Infrastruktur auch in Mitteldeutschland weitgehend außer Betrieb gesetzt. Ein Drama mit gutem Ausgang erlebte dabei eine junge Mutter mit Kleinkind auf der A4 bei Erfurt. In einem zehn Kilometer langen Stau, den ein querstehender Lkw am Mittwochabend ausgelöst hatte, versagte ihr blauer Opel Corsa völlig. Motor und Heizung gaben den Geist auf, die Frau und ihr fünfjähriges Kind froren so sehr, dass die Mutter einen Notruf bei der Polizei absetzte. Helfer des Technischen Hilfswerkes fanden die Mittdreißigerin schließlich in der Dunkelheit auf dem Standstreifen und brachten sie samt Fahrzeug in Sicherheit. „Die Elektronik hat offenbar versagt. Auch wir konnten das Auto nicht in Gang bringen“, erzählt THW-Ortsbeauftragter Michael Hillemann. Für die Retter war der nächtliche Einsatz damit allerdings nicht vorbei. Mehrere Sattelzüge mussten freigeschleppt werden.

München: Diese Stadt ist ja Gott sei Dank ein Dorf. Ein Millionendorf zwar, aber trotzdem so schön überschaubar. Jedenfalls ist München keine Metropole. alles zack-zack. Es sei denn, es schneit. Dann wird München zur Metropole. Ein paar Zentimeter Schnee reichen schon und der Verkehr steht. Dann braucht man für den Heimweg vom Büro statt 15 Minuten eine Stunde und 45 Minuten.

Wenn alles gut geht. Wenn man Pech hat, kommt zum Schneestillstand noch ein kleiner Unfall. Wie in Ramersdorf passiert, wo der Fahrer eines Taxis mit Sommerreifen ins Schleudern geriet und in ein anderes Auto krachte. Die daraufhin im Stau Stehenden mussten wenigstens nicht auch noch lange auf die Polizei warten. Das andere Auto war: ein Streifenwagen.