Schwerer tätlicher Angriff auf Silvio Berlusconi: Der italienische Regierungschef ist in Zentrum von Mailand von einem Mann mit einem harten Gegenstand – offensichtlich eine Souvenirausgabe des Mailänder Doms für Touristen – beworfen und damit niedergestreckt worden.

Der mitten im Gesicht getroffene und stark blutende Ministerpräsident wurde sofort in sein Auto gebracht und in ein Hospital gefahren, berichteten Augenzeugen. Sie zeigten sich schockiert von dem Geschehen nach einem öffentlichen Auftritt Berlusconis auf dem Mailänder Domplatz.

Der Angreifer, der 42-jährige Massimo T., wurde sofort festgenommen. Auf den Fernsehbildern machte er einen abgestumpften Eindruck, als die Polizei ihn abführte und vor wütenden Passanten abschirmte.

Er ist offiziell wegen vorsätzlicher und schwerer Körperverletzung beschuldigt worden. Die Klage sei von dem für Terrorismus zuständigen Mailänder Staatsanwalt Armando Spataro erhoben worden, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Staatsanwalt Spataro begründete den Vorwurf des Vorsatzes damit, dass der Angreifer auch ein Kruzifix und Tränengasspray in seiner Jackentasche gehabt habe.

Im Hospital angekommen, versprühte Berlusconi bereits wieder seinen bekannten Optimismus: „Mir geht es gut, mir geht es gut“ , sagte er, als er von der Notaufnahme auf sein Krankenhauszimmer gebracht wurde. Sein Sprecher Paolo Bonaiuti machte die schmerzliche Bilanz auf: Das Nasenbein sei angeknackst, zwei Zahnplomben seien herausgesprungen, eine Wunde an der Lippe habe viel Blut gekostet.

Der 42-jährige mutmaßliche Täter habe Berlusconi den harten Gegenstand direkt ins Gesicht geschleudert, heißt es. Der von der Polizei vernommene Mailänder war nach Behördenangaben bisher lediglich durch Verkehrsvergehen aufgefallen. Er soll allerdings wegen psychologischer Probleme seit zehn Jahren in der Mailänder Poliklinik in Behandlung gewesen sein.

Der in seiner Politik und wegen seiner privaten Affären heftig umstrittene Berlusconi war in Mailand, um eine Mobilisierungskampagne seines rechten Lagers für die Regionalwahlen im März anzuführen. Es gab bereits oft Protestaktionen gegen ihn, wenn er im Land auftrat.

Der blutende Berlusconi wurde zur Untersuchung durch seine Ärzte in das Mailänder Hospital San Raffaele gebracht. Berlusconi sei aber immer bei Bewusstsein gewesen, wurde aus dem Krankenhaus berichtet. Er müsse 24 Stunden beobachtet werden, vorsichtshalber sei auch eine Computertomographie gemacht worden.

Zu Beginn der Veranstaltung war Berlusconi von rund einem Dutzend Menschen ausgebuht und ausgepfiffen sowie als „Clown“ beschimpft worden. Der Regierungschef rief ihnen daraufhin mehrfach laut zu, sie sollten sich schämen. Daraufhin gerieten die Demonstranten und junge Ordnungskräfte der Veranstaltung aneinander, woraufhin die Polizei eingriff.

Unterdessen machten Vertreter des regierenden konservativen Lagers ein „Klima der Konfrontation und des Hasses“ gegen Berlusconi für den Vorfall verantwortlich. Umberto Bossi von der Lega Nord, Berlusconis Koalitionspartner, sprach von einem „terroristischen Akt“. Auch die linke Opposition verurteilte die Gewalt gegen den Regierungschef.

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AP/dpa/lk