Lieferverbot

So verstrahlt sind Lebensmittel und Wasser in Japan

Milch und Gemüse aus vier Regionen Japans dürfen diese nicht mehr verlassen. Bei den Meeresfrüchten gibt es zunächst Entwarnung.

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In den japanischen Krisengebieten steigt nach den Havarien im Kraftwerk Fukushima die Strahlenbelastung in Lebensmitteln und Trinkwasser. Für vier Präfekturen verhängte die Regierung ein Lieferverbot für Milch und mehrere Gemüsesorten. Spuren von radioaktivem Jod wurden laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo mittlerweile im Trinkwasser von neun Präfekturen gemessen, darunter auch in der Hauptstadt Tokio.

Auch bei Milch aus der Umgebung Fukushimas wurde eine überhöhte Strahlenbelastung festgestellt, hier wurde der Grenzwert um das 17-Fache überschritten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist über die Belastung von Lebensmitteln „stark besorgt“, wie ein Sprecher in Genf sagte. Noch in der vergangenen Woche hatte die WHO die Strahlensituation als nicht besorgniserregend eingestuft.

Man werde sich der Lage mehr und mehr bewusst, sagte der Sprecher. Wie ernst die Lage sei, müsse weiter untersucht werden. Die Menschen in Japan sollten bei der Auswahl der Lebensmittel jedoch vorsichtig sein.

Das Lieferverbot für Milch und Gemüse gilt für die vier Regionen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Erhöhte Radioaktivität sei am Wochenende unter anderem bei Blattgemüse wie Spinat festgestellt worden. Bei Hitachi – rund 100 Kilometer südlich des AKW Fukushima – wies Spinat einen Jod-131-Wert von 54.000 Becquerel und einen Cäsium-Wert von 1931 Becquerel je Kilogramm auf.

Die Grenzwerte liegen in Japan bei 2000 Becquerel für Jod und bei 500 Becquerel für Cäsium. Besonders betroffen vom Lieferstopp für Spinat ist die Präfektur Ibaraki: Auf den großen Gemüsemärkten Tokios kommen 30 Prozent des gesamten Spinatangebots aus dieser Region. Die WHO forderte Japan dazu auf, stark radioaktiv belastete Lebensmittel unverzüglich aus dem Handel zu nehmen.

Verstrahlte Lebensmittel seien eine größere Gefahr für die menschliche Gesundheit als radioaktive Partikel in der Luft, sagte ein Sprecher in Genf. Supermärkte in Tokio hätten den Spinat aus der betroffenen Präfektur bereits aus ihrem Sortiment genommen, meldete die japanische Tageszeitung "The Daily Yomiuri“.

Unterdessen ist in der Region Fukushima ein komplettes Dorf ohne genießbares Trinkwasser. Messungen in der rund 30 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernten Gegend ergaben einen deutlich erhöhten Wert von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Der Grenzwert liegt bei 300 Becquerel.

Die amerikanische Zeitung "Wall Street Journal“ meldete, die Behörden hätten damit begonnen, Wasserflaschen an die Bevölkerung zu verteilen. Regierungssprecher Edano betonte jedoch, das Leitungswasser könne ansonsten bedenkenlos genutzt werden, beispielsweise zur Körperpflege.

Der Norden der Präfektur Fukushima ist eine der wichtigsten Anbauregionen für Reis, Obst und Gemüse und wird auch für Milchwirtschaft genutzt. Landwirtschaft ist nach Angaben auf der Website der Lokalregierung der wichtigste Wirtschaftszweig in der Provinz.

Bei Meeresfrüchten, dem wichtigsten Lebensmittelexport Japans, seien bislang keine erhöhten Werte festgestellt worden, schrieb die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“. Japan importiert jedoch deutlich mehr Lebensmittel, als es für den Export bereitstellt. Der Gesamtwert der importierten Lebensmittel sei 16-mal höher als die Exporte, berichtete das "Wall Street Journal“.