Kriminalität

Teenager töten Mann für Gebrauchtwagen

Weil sie es auf seinen Gebrauchtwagen abgesehen hatten, sollen vier Jugendliche einen 54-jährigen Friedhofsbesucher kaltblütig ermordet haben. Das Quartett ging bei der Tat äußerst brutal vor: Obwohl ihr Opfer die Autoschlüssel bereits ausgehändigt hatte, stach einer der Jungen zu.

Foto: ddp / DDP

Wegen Raubmordes an einem 54-jährigen Friedhofsbesucher müssen sich vier Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren vor dem Landgericht Mönchengladbach verantworten. Laut Anklage sollen die beiden Brüder und zwei ebenfalls beschuldigte Mädchen ihr Zufallsopfer am 20. März auf einem Friedhofsparkplatz im nordrhein-westfälischen Hückelhoven überfallen haben, um mit dessen Auto nach Spanien zu fahren und dort ein „neues Leben“ zu beginnen.

Das Opfer starb durch Messerstiche, die der Hauptangeklagte Manuel P. ihm beigebracht haben soll. Die Jugendlichen waren anschließend mit dem Wagen des Mannes nach Paris gefahren, wo sie bei einer Kontrolle wegen Falschparkens auffielen und festgenommen wurden.

Wegen des jugendlichen Alters der aus Hückelhoven, Mönchengladbach und Düsseldorf stammenden Angeklagten findet der Mordprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Laut Anklage soll das Quartett gemeinschaftlich den Tatplan gefasst haben.

Der 16-jährige Manuel P. fragte demnach das Opfer zunächst nach der Uhrzeit. Als sich der Friedhofsbesucher umdrehte und in sein Auto steigen wollte, soll ihm P. dann mit großer Kraft ein Messer in den Rücken gestoßen haben. Der 54-Jährige, der nicht sofort zusammenbrach, musste demnach dem Hauptangeklagten Autoschlüssel und Handy übergeben. Als der Schwerverletzte kurz darauf zu Boden stürzte und wegkriechen wollte, soll ihm der 16-Jährige nochmals mit voller Wucht das Messer in den Nacken gestoßen haben.

Das Opfer starb wenig später auf dem Friedhofsparkplatz – durch den Stich in den Rücken waren sein rechter Lungenflügel, der Herzbeutel und die Hauptschlagader verletzt worden. Die Jugendlichen waren laut Anklage zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem VW Golf des 54-Jährigen weggefahren.

Auf dem Weg nach Paris sollen sie mehrfach mit dem Handy des Opfers telefoniert haben und an Tankstellen von Videokameras gefilmt worden sein. In der französischen Hauptstadt wurden schließlich Polizisten auf die jungen Leute aufmerksam, weil diese den Wagen schlecht geparkt hatten. In dem Auto fanden die Beamten unter anderem ein Messer mit Blutspuren.

Die Jugendlichen wurden Anfang April nach Deutschland ausgeliefert und sitzen seither in Untersuchungshaft. Die drei Mitangeklagten gaben demnach vor Prozessbeginn in ihren Vernehmungen an, sie hätten zwar einen Raub, aber keinen Mord begehen wollen. Mit dem Messer habe bei dem Überfall nur gedroht werden sollen.

„Alle vier Angeklagten kommen aus problematischen familiären Verhältnissen“, sagte Gerichtssprecher Joachim Banke. „Drei von ihnen waren zeitweise im Heim untergebracht.“ Das Jugendamt habe sich sehr um die drei bemüht. „Die beiden Jungen sind aber immer wieder entwichen.“

Für den Prozess beraumte die Mönchengladbacher Strafkammer zunächst sieben weitere Verhandlungstage bis zum 12. Januar an.

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