Japan ist vom schwersten Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen vor 140 Jahren getroffen worden. Ein zehn Meter hoher Tsunami war die Folge, der auf die japanische Küste traf und Häuser, Autos und Schiffe mitriss. Mindestens 22 Menschen starben. Vier Atomkraftwerke sind abgeschaltet worden.

Das Rote Kreuz in Genf warnt, die Welle, die weiter durch den Pazifik rollt, sei höher als einige Pazifikinseln. Die Tsunamiwarnung gilt für die gesamte Pazifikregion. Die Philippinen, Taiwan und Indonesien sind ebenso darunter wie die US-Westküste, Kolumbien und Peru. Die Behörden an der Westküste der USA warnten die Bewohner vor einer Flutwelle, die in etwa sechs Stunden eintreffen könnte. In Neah Bay im US-Staat Washington wird die Welle um 7.18 Uhr Ortszeit (16.18 Uhr MEZ) erwartet. Allerdings sei die erste Welle nicht unbedingt die stärkste, erklärte das Tsunami-Warnzentrum für die Westküste und Alaska.

Das Erdbeben in Japan hat Experten zufolge ähnliche Ausmaße wie das verheerende indonesische Beben im Dezember 2004. Es sei zwar nicht ganz so groß, aber in derselben „Preisklasse“, sagte der Seismologe Michael Weber vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Das Erdbeben in Japan hatte eine Stärke von 8,9. „Ein Beben, das in dieser Region alle paar hundert Jahre passiert“, sagte Weber. Der GFZ-Forscher Birger-Gottfried Lühr bezeichnete das Beben als „gewaltig“.

Er warnte vor den Gefahren durch den ausgelösten Tsunami. „Da hat der ganze Pazifikraum noch ein bisschen mit zu tun.“ Weber sagte, es können noch über Wochen Nachbeben geben. „Es werden Spannungen über teilweise Hunderte von Jahren aufgebaut, die sich dann schlagartig abbauen. Genau das ist jetzt passiert“, sagte der Seismologe und Geophysiker. Die Nachbeben könnten sich nicht nur über Tage, sondern sogar über Wochen hinziehen.

„Die Pazifische Platte taucht unter die Eurasische Platte“, erläuterte Lühr. Mit solchen Beben müsse man im Bereich des Pazifischen Feuerrings rechnen. Dieser Bereich ist ein Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umringt. Dort konzentrieren sich starke Erdbeben und dadurch ausgelöste Tsunamis. „Wir haben pro Jahr ein Erdbeben der Magnitude 8 und größer“, sagte Weber. Weltweit gebe es pro Jahr im Durchschnitt 16 Beben der Magnitude 7 und sogar 120 der Magnitude 6.

Reuters/dpa/sh