Löwenzahn wird 30

Früher Peter Lustig, heute ein gelber Schwamm

Vor 30 Jahren lief im Fernsehen das erste Mal "Löwenzahn!". Peter Lustig war der Mann, der wusste, wie man Jung und Alt schwierige Zusammenhänge einfach erklärt. Längst gibt es einen Nachfolger für den beliebten Moderator. Und auch die Konkurrenz durch andere TV-Formate für Kinder ist nicht weniger geworden.

Kühe hat er gemolken. Brot gebacken. Und den Kindern erklärt, wofür Unkraut gut ist: Ein Müsli wollte er dennoch nie sein. Der Peter Lustig, der 25 Jahre lang mit Latzhosen und Nickelbrille durch „Löwenzahn!“ führte.

Das legendäre ZDF-Magazin, entstanden, als den Machern von Kindersendungen noch an Bildung gelegen war. An Umweltbewusstsein und an der Liebe zur Natur. Peter Lustig gab den Prototypen des Gutmenschen. Und deshalb gehört auch die Episode, bei der er sich mal vor der Kamera beim Schwarzfahren erwischen ließ, zu denen, an die man sich am meisten erinnert.

Peter Lustig wohnt schon seit fünf Jahren nicht mehr in dem blauen Bauwagen. Dort ist Fritz Fuchs eingezogen, der eigentlich Guido Hammesfahr heißt. Er trägt keine Latzhose. Er har Inlineskater und ist überhaupt dynamischer als Peter Lustig. Aber auch er ist ein Naturfreund und entdeckt mit seinem Hund Keks die Welt.

„Löwenzahn!“ feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen mit zahlreichen Aktionen. Für alle, die im Kinderfernsehprogramm den Beginn des Untergangs des Abendlandes sehen, ist das beruhigend. Denn „Löwenzahn!“ fragt noch immer, warum die Blumen blühen und woher der echte Löwenzahn die Kraft nimmt, sich durch den Asphalt zu kämpfen. „Löwenzahn!“ ist so etwas wie der Fels in der Fernsehbrandung, in der Flut aus taiwanesisch-koreanischen Animationsserien, nach deren Konsum zumindest die zeitweilige Aufmerksamkeitsstörung des Kleinkindes wahrscheinlich ist.

Aber das Neue ist nicht nur schlecht. Da ist zum Beispiel Bob der Baumeister. Die Animationsserie des BBC fasziniert seit 2001 auch die jungen deutschen Fernsehzuschauer. Wie man einen Nagel einschlägt, das lernen die Kinder nicht. Aber dafür eine Menge anderer wichtiger Dinge. Der geschickte Handwerker aus Bobhausen ist mit seiner Freundin Wendy und den sprechenden Geräten und Fahrzeugen überall zur Stelle, wo es ein Problem gibt. Sie sind ein Team, das immer eine Lösung findet. Bob sagt: Geht nicht, gibt’s nicht. Bob fragt: „Können wir das schaffen?“ – „Yo, wir schaffen das!“. „Yes we can!“. Manche haben es mit diesem Leitspruch schon sehr weit gebracht.

Dass man im Team alles kann, das lebt uns auch „Shaun das Schaf“ mit seiner Herde vor. Shaun ist eine Geburt der britischen Aardman Studios, wo auch die Oscar prämierten „Wallace & Gromit“ zuhause sind. Shaun und seine Freunde mähen auf dem Hof eines rothaarigen kurzsichtigen Bauern, der weitaus dämlicher wirkt als seine Tiere. Die Schafe schaffen alles. Sie haben sogar schon, verkleidet mit den Klamotten einer Vogelscheuche, für den ganzen Stall Pizza gekauft.

„Spongebob“ spielte in den USA als Kinofilm mehr als 80 Millionen Dollar ein. Auch in Deutschland begeistert der „Schwammkopf“. Die Zeichentrickserie über den Schwamm, der mit seinen Freunden in einer geheimnisvollen Stadt am Meeresgrund lebt und viele Abenteuer erlebt, ist auch in Deutschland eine der beliebtesten. Fernsehkritiker loben Schwammkopfs Optimismus. Religiöse Fundamentalisten behaupten, er sei schwul.

Das deprimierte Weißbrot, das spechen kann, ist eher was für Große, die Sartre lesen. Bernd, der ewig Frustrierte. Viele halten das Wesen mit den kurzen Arm, das nichts auf die Reihe bekommt, für überflüssig. Ein zukunftsorientiertes Vorbild ist er nicht. Eher ein Existentialist. Immerhin wurde er mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Der kleine sympathische Mann aus der DDR, der ein bisschen so aussieht wie Walter Ulbricht, streut seit 20 Jahren den Kindern in ganz Deutschland Sand in die Augen. Die kleinen Filme, in denen Sandmännchen die Kinder im Erzgebirge oder in Plattenbausiedlungen besucht, sind unschlagbar schön.

Sein bester Freund heißt Kleiner Donner. Das Pferd, mit dem der kleine Indianer sprechen kann so wie mit allen anderen Tieren. Kein Wunder, dass in der Serie mit dem Indianerjungen Yakari die nordamerikanische Tierwelt eine so große Rolle spielt. Der nette Yakari beseitigt alle Vorurteile, die man seit Winnetou gegen Sioux hat.

Der Junge ist erst drei. Schließlich richtet sich die Serie mit den computeranimierten Figuren an die ganz Kleinen. Pocoyo zeigt ihnen, wie aufregend das Leben ist. Vielleicht weckt es wirklich Vorstellungskraft, wenn er versucht, einen Schmetterling zu fangen. Selber draußen spielen ist besser.