Morgenpost Online ONLINE: Herr Hartmann, wie lange dauert das denn noch mit diesem Wetter?
Peter Hartmann: Oh, das kann auch noch dauern. Der Winter hat sich richtig festgesetzt bei uns. Übers Wochenende bleibt es auf jeden Fall bei Dauerfrost.
Morgenpost Online: Und Schnee?
Hartmann: Ein paar Flocken wird es schon noch geben. Aber nicht mehr so viel.
Morgenpost Online: Noch gar keine wärmere Zeiten in Sicht?
Hartmann: Eine leichte Milderung deutet sich für Mitte der Woche an. Da könnte es am Tag schon wieder über null Grad gehen.
Morgenpost Online: Können wir uns darauf verlassen?
Hartmann: Nicht hundertprozentig. Ich sag ja, es deutet sich an.
Morgenpost Online: Hier im Norden sind die Menschen inzwischen echt genervt.
Hartmann: Tja, das müssen wir aber noch ein bisschen aushalten. Am besten in geschlossenen Räumen bleiben. Da merkt man den Winter dann auch nicht so.
Morgenpost Online: Und den Schnee einfach liegen lassen draußen?
Hartmann: Das ist vielleicht eine gute Idee, aber rechtlich können Sie da natürlich Probleme kriegen.
Morgenpost Online: In Hamburg haben die Behörden das Zeug erst auch einfach liegen lassen.
Hartmann: Naja, aber wenn bei Ihnen vor der Haustür einer auf die Nase fällt, dann kann das schon eine Schadensersatzklage geben.
Morgenpost Online: Streugut gibt es auch kaum noch. Können Sie eine Alternative empfehlen?
Hartmann: Hier wird es auch schon weniger. Split, Sand ...
Morgenpost Online: ... alles ausverkauft. Wie steht’s mit Geschirrspülsalz? Oder jodhaltigem Salz? Geht das auch?
Hartmann: Das funktioniert auch. Aber da braucht man ziemlich große Mengen, das wird auf Dauer zu teuer.
Morgenpost Online: War es eigentlich vorhersehbar, dass wir auf so einen harten Winter zusteuern? Warum hat uns eigentlich niemand gewarnt?
Hartmann: Nein, das war überhaupt nicht vorhersehbar. Wir stehen da im Herbst jedes Jahr wieder vor einem Rätsel. Einige haben ja eher das genaue Gegenteil prognostiziert, dass der Winter sehr mild werden würde.
Morgenpost Online: Die haben sich aber getäuscht.
Hartmann: Ja, das ist ja auch reine Spekulation. Wie jede Vorhersage, die über zwei Wochen hinausgeht. Am Ende kommt es dann doch ganz anders.
Morgenpost Online: Aber ein wenig besser vorbereiten hätte man sich schon können auf so einen Winter, oder?
Hartmann: Im Prinzip sollten wir jedes Jahr auf einen strengen Winter vorbereitet sein. Das kann ja jedes Jahr wieder so kommen. Und wenn man dann nicht vorbereitet ist, dann hat man kein Streugut mehr und fällt auf die Nase.
Morgenpost Online: Ist das bei Ihnen in Offenbach auch so unmöglich? Alles vereist?
Hartmann: Bei uns sieht es eigentlich ganz gut aus. Wir haben zwar immer so ein bisschen Neuschnee, aber die Straßen sind eigentlich frei.
Morgenpost Online: Sie Glücklicher, hier sind viele Straßen völlig vereist, da kann man kaum drauf fahren.
Hartmann: Ja, wir hatten hier unten zwischendurch auch immer wieder Tauwetter, das geht schon.
Morgenpost Online: Den Norden hat’s ohnehin schlimmer erwischt in diesem Jahr, oder?
Hartmann: Ja. Den Norden und Nordosten erwischt es dieses Jahr besonders. Gerade was die Schneemengen angeht.
Morgenpost Online: Wieso dauert dieses kalte Wetter jetzt eigentlich schon so lange?
Hartmann: Das Besondere ist, dass die Luftzufuhr von Westen her unterbrochen ist. Die Tiefs vom Atlantik kommen einfach nicht durch.
Morgenpost Online: Wie kommt das?
Hartmann: Wir haben anhaltend hohen Luftdruck im Norden, über Skandinavien. Und dieser hohe Druck sorgt dafür, dass von Westen kaum ein Tief zu uns ziehen kann. Stattdessen kommt die Luft permanent aus dem Osten. Und die ist nun mal kalt.
Morgenpost Online: Woran liegt das denn? Hat das mit dem Klimawandel zu tun.
Hartmann: Nein. Solche Wetterlagen gab und gibt es ja immer mal wieder. Wir hatten ja früher noch strengere Winter. Mit Klimawandel hat das nichts zu tun.
Morgenpost Online: Stimmt es eigentlich, dass auf einen kalten Winter ein warmer Sommer folgt?
Hartmann: Die Frage kommt häufiger jetzt, aber ich muss Sie enttäuschen: Wir können einen ganz kühlen Sommer bekommen oder auch einen ganz warmen. Da gibt es keine Zusammenhänge.




