Nach fast dreimonatiger Restaurierung hat Deutschlands höchstes Gipfelkreuz auf der Zugspitze erneut den kirchlichen Segen erhalten. Das ebenfalls für Freitag geplante Wiederaufstellen des 300 Kilogramm schweren und fast fünf Meter hohen Kreuzes in 2962 Metern Höhe – es markiert Deutschlands höchsten Punkt – musste aber wegen heftiger Windböen und schlechter Sicht auf nächste Woche verschoben werden. Allerdings wurde das Kreuz mit der Zahnradbahn schon auf eine Plattform in 2600 Metern Höhe transportiert.
„Das Kreuz gibt den Menschen Antwort“, sagte Kardinal Friedrich Wetter bei einer ökumenischen Segensfeier vor der Zugspitzkapelle Maria Himmelfahrt. „Im Auf und Ab unseres Lebens, im Drunter und Drüber der Geschichte, das uns so oft ins Wanken bringt, steht das Kreuz und gibt uns Halt“, fuhr der frühere Münchner Erzbischof fort.
Die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler nannte das Gipfelkreuz „ein Zeichen des von Gott verheißenen Lebens im Angesicht vielfältigen Leidens“. Wer auf dem Gipfel der Zugspitze angekommen sei, könne eine „Ahnung von Gottes Wundern“ bekommen, sagte sie. Für Bayerns Umweltminister Markus Söder ist das Gipfelkreuz ein Symbol für die Demut vor der Natur. „Gerade in den Alpen spürt man den Klimawandel am stärksten“, meinte der CSU-Politiker bei der Feierstunde.
Wegen des schlechten Wetters musste das spektakuläre Verankern des Kreuzes verschoben werden. Ein Hubschrauber hätte den Koloss an den Haken nehmen und über dem Gipfel zentimetergenau absetzen sollen. Der Helikopter konnte jedoch bei starken Windböen das waghalsige Manöver nicht fliegen. Es soll nun Mitte kommender Woche nachgeholt werden, wie Zugspitzbahn-Sprecherin Eve-Maria Greimel sagte.
Gerhard Eiblmeier hatte das stark verwitterte Gipfelkreuz seit Ende Januar in seiner Werkstatt in Lenggries nahe Bad Tölz restauriert. Bei Sturm und eisigen Temperaturen war die Goldauflage verblasst. Ursprünglich wollte Eiblmeier mit 100 Gramm Blattgold auskommen. Er verriet jedoch, dass er an die 150 Gramm benötigte. „Die Anforderungen an die Restaurierung waren so groß, dass es auf 10 Gramm hin und her nicht ankommt“, erläuterte der Metall-Restaurator. „Das Kreuz sieht wieder ganz manierlich aus und ist bereit für Sommer- und Winterstürme.“
Auch viele der Touristen, die sich Jahr für Jahr vor dem Kreuz fotografieren lassen, hatten diesem zugesetzt. Eiblmeier appellierte, aus Respekt vor dem christlichen Symbol auf das Einritzen von Namen zu verzichten. Die Zugspitzbahn ließ sich das Restaurieren des berühmten Kreuzes eine fünfstellige Summe kosten. Allein die Goldauflage kostete gut 4000 Euro.
Das jetzige Gipfelkreuz hat einen wesentlich älteren Vorläufer. Er wurde 1851 in einer waghalsigen Expedition auf der Westspitze der Zugspitze verankert. 31 Jahre später kam das vergoldete Eisen-Zylinder-Kreuz nach einer Rundumerneuerung auf den Ostgipfel. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es im Frühjahr 1945 durch Freudenschüsse US-amerikanischer Soldaten stark ramponiert.
Doch erst 1993 waren seine Tage endgültig gezählt. Am 16. Oktober desselben Jahres wurde das 4,88 Meter hohe Nachfolgemodell aufgestellt.
ddp/dpa/nic
















