Mit einem angenehmen Schuss Selbstironie in der Stimme und den falschen Socken an den Füßen präsentiert sich Bruce Willis (55) im Regent Hotel am Gendarmenmarkt. Der Hollywoodstar war am Montag anlässlich der Vorstellung seines Films „R.E.D“ (ab 28. Oktober im Kino) mit Ehefrau Emma nach Berlin gereist. In der Actionkomödie spielt Willis einen pensionierten Top-Agenten der CIA, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. „R.E.D.“ steht für „Retired and extremely dangerous“ – in Rente und sehr gefährlich.
Willis selbst will vor der Kamera stehen, bis er alt und klapprig ist. „Ich bin noch nicht bereit, in Rente zu gehen“, sagte der US-Schauspieler theatralisch-trotzig. „Der 212. Teil von Stirb langsam – ich werde eine letzte Kugel abfeuern“, krächzte Willis genüsslich. Seinen grauen Nadelstreifenanzug kombinierte er mit schwarz-roten Socken, die zum Vorschein kamen, als er in seinem Sessel die Beine übereinander schlug. „Ich dachte, ich sitze hier an so einem Tisch mit einem Vorhang, der bis zum Boden reicht“, kokettierte Willis.
1955 wurde er in Idar-Oberstein geboren. Zwei Jahre später zogen seine Eltern – der Vater ein ehemaliger US-Soldat, die Mutter Deutsche – mit ihm in die USA in den Bundesstaat New Jersey. Bis auf „Guten Morgen“ und „Danke für alles“ ließ sich Willis am Montag jedoch keine etwaigen Deutschkenntnisse entlocken.
Dafür verriet er, was für ihn ein perfektes Date ausmacht („keine Kameras“) und was er über seine Glatze denkt. Seine jüngste Tochter, so Willis, habe sich unlängst wieder einmal bei ihm darüber beschwert, wie lange es dauere, ihre langen Haare zu waschen, zu fönen und zu pflegen. „Ich habe ihr gesagt: Schneid' sie dir so kurz wie meine. Dann hast du gleich viel mehr Zeit zur Verfügung. Wir alle haben Wichtigeres zu tun, als über unsere Haare nachzudenken.“
Willis stellte seinen Film betont locker vor. Als irgendwo im Raum ein Handy klingelte, fragte er unbekümmert: „Ist das für mich?“ Als sein Ansteck-Mikrofon versagte, testete der Schauspieler das Neue mit den hypnotisch-gehauchten Worten ‚Las Vegas, Las Vegas!“ Einen Journalisten, der seine Frage besonders lässig rüberbringen wollte, veralberte Willis wiederum mit der Bemerkung: „Hallo, wo bist du zur Schule gegangen? Willst du jemanden grüßen?“
Auch künftige Wunsch-Filmpartner verriet Willis: „Daniel Day-Lewis, Al Pacino und Julia Roberts.“ Willis selbst spielte Theater an der High School, jobbte nach der Schule als Automechaniker, Model und trat in Werbespots auf, bevor er 1977 sein Bühnendebüt an einem Theater in New York gab. Seine erste Filmhauptrolle spielte er 1987 in „Blind Date – Verabredung mit einer Unbekannten“. Inzwischen ist Willis Multimillionär.
Für „R.E.D.“ stand er als Ex-Agent Frank Moses vor der Kamera. „Älter, härter, besser“, lautet der Untertitel des Films. Seit Frank sich im Vorruhestand befindet, sind die Weihnachtsdekoration fürs Vorstadthäuschen und der Telefonflirt mit der Dame von der Rentenkasse das Höchste an Aufregung in seinem Leben. Als eines Abends ein Killer-Team vor Franks Tür steht, trommelt er ehemalige Weggefährten zusammen. Die Pensionäre werden von Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren gespielt. Heutzutage, sinnierte Willis, seien die Menschen auch jenseits der Rentenaltersgrenze fit. „Es ist unfair, wenn man wegen seines Alters aus dem Job fliegt.“
„R.E.D.“ ist eine Verfilmung des Comic-Romans von Warren Ellis. Welche Figur aus der Comics-Wunderwelt mag Willis am liebsten? „Superman. Ich mag fliegen. Wobei ich nicht weiß, ob der fliegt, oder ob er so stark ist, dass er einfach nur hochspringt.“ Viele seiner Hollywood-Kollegen haben bereits Filme in Berlin gedreht. Auch Willis kann sich vorstellen, hier zu arbeiten: „Berlin ist eine tolle Stadt.“ Was er am Montag nicht mochte: das Blitzlichtgewitter, mit dem ihn die Fotografen traktierten. Mit erhobenem Zeigefinger bat Willis die Fotografen, ihm nicht direkt ins Gesicht zu blitzen. Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, holte sich der Schauspieler einen Fotografen zwecks Selbsttest an die Seite. Der Fotograf fand es prima. Auch mit Blitzlicht.



