Eurovision Song Contest

Berlin ist raus - Grand Prix 2011 in Düsseldorf

Der Eurovision Song Contest 2011 mit Lena Meyer-Landrut wird nicht in Berlin stattfinden. Düsseldorf bekam den Zuschlag. Dort wird der einstige Grand Prix im Fußballstadion ausgerichtet. Lesen Sie warum - und reden Sie mit.

Berlin ist aus dem Rennen. Der Eurovision Song Contest findet 2011 in Düsseldorf statt. Das sagte WDR-Intendantin Monika Piel am Dienstag im Radiosender WDR 2. „Das Finale des Wettbewerbs soll am 14. Mai nächsten Jahres in der dortigen Arena veranstaltet werden“, sagte ein Sprecher des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Neben Berlin und Düsseldorf hatten sich auch Hamburg und Hannover beworben.

Der Grand Prix, wie die Veranstaltung früher hieß und auch heute noch oft genannt wird, wird 2011 in Deutschland ausgetragen, nachdem die deutsche Lena Meyer-Landrut in diesem Jahr den Wettbewerb gewonnen hatte.

"Düsseldorf hat die besten Produktionsbedingungen für den ESC. Ich gratuliere Düsseldorf herzlich zum Sieg", sagte NDR Intendant Lutz Marmor. Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, fügte hinzu: "Düsseldorf konnte vor allem mit seiner Arena und ihrem Umfeld punkten. Mehr als 24.000 Zuschauer werden bei den beiden Halbfinals und dem großen Finale, aber auch bei den Generalproben dabei sein können. Uns war wichtig, dass wir im bevölkerungsreichsten Mitgliedsstaat der Europäischen Union den Fans aus Deutschland, aber auch den Fans aus unseren Nachbarländern die Möglichkeit geben können, den ESC live vor Ort zu erleben", sagte Schreiber.

Düsseldorf wird den Wettbewerb in der Esprit-Arena ausrichten, dem Stadion, in dem auch Fortuna Düsseldorf spielt. Dieses ist verschließbar, lässt sich also in eine Halle verwandeln. Die Arena wird sechs Wochen für die Vorbereitungen blockiert sein. Die Spiele von Fortuna Düsseldorf werden währenddessen im alten Stadion im Stadtteil Flingern ausgetragen.

Das Stadion ist wegen seiner Größe das Hauptargument für Düsseldorf, teilte der NDR mit, denn dort passten drei Mal Menschen hinein als in den Flughafen Tempelhof in Berlin oder die Arenen auf den Messegeländen von Hamburg und Hannover. "Es geht darum, die beste Show zu machen, und da hat Oslo einiges vorgelegt", sagte Schreiber. "Das war ein emotionaler Eurovision Song Contest, das ist die Hürde. Wir wollen, dass die Zuschauer in ganz Europa sagen, der ESC in Deutschland hat uns gefallen."

Austragung in Berlin wäre wohl Millionen teurer gewesen

Berlin hatte sich mit dem Flughafen Tempelhof beworben. Die 19-Jährige Lena selbst hatte sich für Berlin als Veranstaltungsort ausgesprochen. Die Plattenfirma Universal sowie die Intendanten Dagmar Reim (RBB) und Udo Reiter (MDR) hatten sich zunächst für die Hauptstadt eingesetzt.

Reim sagte nach Bekanntwerden der Entscheidung, sie bedauere diese: „Berlin hat eine ausgezeichnete Bewerbung abgegeben, die der RBB mit aller Kraft unterstützt hat. Dass Berlin nicht zum Zuge kam, hängt schlicht mit den Platzverhältnissen zusammen.“ Die Einnahmen durch Kartenverkauf könnten in Düsseldorf so erheblich sein, sagte Reim, "dass Berlin für die ARD um Millionen teurer wäre.“

Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) reagierte mit Bedauern auf die Vergabe nach Düsseldorf. „Wir hätten uns sehr über den Zuschlag gefreut. Eine solche Veranstaltung, die eine europaweite Ausstrahlung hat und die sich besonders an junge Leute richtet, hätte hervorragend in die jugendliche Metropole Berlin gepasst,“ sagte Wowereit.

Die Marketinggesellschaft Visit Berlin hält die Entscheidung gegen die Hauptstadt im Ausland für schwer vermittelbar. „Berlin gilt als Synonym für das neue, entspannte Deutschland“, sagte Geschäftsführer Burkhard Kieker und sprach von einer vergebenen Chance.

Düsseldorf ist für Stefan Raab sehr praktisch

Vorab hatte es bereits Gerüchte gegeben, Düsseldorf würde den Zuschlag erhalten. Sogar angebliche Eintrittskarten für die Veranstaltung in Düsseldorf wurden im Internet bereits angeboten. Beim Bundesvision Song Contest in Berlin , einer Veranstaltung von Stefan Raab, hatte Co-Moderator Elton zudem Anfang Oktober angedeutet, der Eurovision Song Contest werde in Nordrhein-Westfalen stattfinden . Allerdings hatte Stefan Raab umgehend dementiert und beteuert, er wisse noch nicht, welche Stadt das Rennen machen werde.

Düsseldorf wird dem Moderator aber sicher sehr zupass kommen, denn seine Produktionsfirma sitzt gleich nebenan in Köln. Die ARD war 2009 eine Partnerschaft mit Raab eingegangen, der mit der Casting Show „Unser Star für Oslo“ einen deutschen Vertreter für den Wettbewerb suchte. Lena Meyer-Landrut wurde dabei entdeckt, gewann die Vorauswahl und schließlich auch den Grand Prix. Nach ihrem Sieg machte Raab spontan den Vorschlag – der vielmehr wie eine klare Ansage klang – Lena (die Sängerin tritt nur unter ihrem Vornamen auf) werde ihren Titel 2011 verteidigen. Dies war bislang nicht üblich, doch der NDR als federführender Grand-Prix-Sender innerhalb der ARD stimmte zu.

Düsseldorf war eine von zehn Städten in Europa, in denen der ESC-Flashmob aufgeführt wurde, bei dem unter dem Motto "Share the moment" tausende Menschen auf dem Burgplatz vor abendlicher Rheinpromenaden-Kulisse tanzten und gemeinsam den Eurovisions-Moment erlebten. Diese Stimmung will Düsseldorf jetzt für sich nutzen. Außerdem hat die NRW-Landeshauptstadt hat eine langjährige Erfahrung bei der Organisation von Großveranstaltungen und besitze eine gut entwickelte Infrastruktur, hieß es.

Die Hauptorganisation des Wettbewerbs für die ARD liegt aber weiterhin beim NDR, weshalb sich Hamburg und Hannover, Lenas Heimatstadt, größere Hoffnungen auf die Austragung gemacht hatten. In Hamburg auf der Reeperbahn findet alljährlich eine große Party mit Eurovision-Song-Contest-Liveübertragung statt. Hier stand auch jahrelang der Moderator, der für Deutschland die nationale Punktevergabe verkündete. Dennoch konnte die Hansestadt sich nicht gegen Düsseldorf durchsetzen. Hannover nahm die Absage sportlich. „Wir wünschen Düsseldorf viel Erfolg und hoffen auch im nächsten Jahr auf häufige Germany 12 Points“, sagte der Pressesprecher der niedersächsischen Landeshauptstadt, Andreas Möser.

Zwei Mal fand der Wettbewerb bereits in Deutschland statt: 1957 in Frankfurt und 1983 in München.

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