Wenn Wolfgang Joop seine „Verlobung“ ankündigt, kann das alles heißen. Der Wunderkind-Designer ist schließlich eine facettenreiche Figur: ein schillernder Künstler, ein enttäuschter Vater, ein gewiefter Geschäftsmann.Entsprechend wild waren am Dienstag die Spekulationen vor dem Pressebrunch in der Paris Bar.
Vielleicht will er ja die Enterbung seiner Tochter Jette bekannt geben? Er wollte nicht. Und hinter dem weißen Vorhang wartete auch nicht Bill Kaulitz von Tokio Hotel, mit dem Wolfgang Joop gerade durchs nächtliche Paris gezogen ist, sondern ein Logo von Galeria Kaufhof. „Wir sind eine Kreativpartnerschaft eingegangen“, lüftete der Designer sein Geheimnis. Der 65-Jährige will künftig die Warenhauskette beraten.
Ach so. Die ersten Zuhörer schalteten wieder einen Gang runter, nur die Espressomaschine brodelte unbeirrt weiter und Joop ins Wort: „Ich will keine Haute Couture ins Schaufenster zwingen, ich will Erlebniswelten schaffen.“ Neben dem neuen Projekt will er nach wie vor auch den insolventen Wäschehersteller Schiesser an die Börse bringen. Aber zunächst etabliert der Haute Couturier erst mal Lifestyle für normale Käuferschichten: „Ich bin Unternehmer, ich weiß, dass es manchmal mit kleinen Budgets gehen muss.“
Joop will nur eins: „Dass die Menschen von Zuhause aufbrechen, in die Erlebniswelten eintauchen, möglichst mit der ganzen Familie. Das wichtigste in der Mode und im Leben ist Bewegung!“ Mit Internet- oder Teleshopping kann er nichts anfangen: „Meine Tochter erklärte mir gerade, Teleshopping sei entspannend. Ich finde es langweilig, immer dieselben Bratpfannen vorgeführt zu kriegen.“
Welche Tochter? Eine rhetorische Frage, das wissen alle Anwesenden. „Florentine“, antwortet Joop verkniffen. Zur Anschluss-Frage nach Jette sagt er gar nichts mehr: „Diese Frage ist deplaziert.“ Genau wie die nach des Künstlers Gage. „Er ist uns lieb und teuer“, bügelt die Galeria-Gesandte ab und mahnt: „Die inhaltlichen Aspekte sollten im Vordergrund stehen.“
Doch die sind wenig greifbar. Joop hat bisher das gemacht, wovor er sich „50 Jahre erfolgreich gedrückt hat“: den Weihnachtsbaum mitgestaltet, der in der Adventszeit in allen Galeria-Filialen stehen wird. Zum Frühling sollen seine Ideen dann deutlich zu sehen sein – von der Gestaltung des Schaufensters bis hin zur Sortimentsgestaltung. Kaufhof erhofft sich von der Zusammenarbeit einen „Kreativschub“ für die 138 Filialen. In Berlin gibt es fünf Standorte der Warenhauskette.




