Nun ist er also gefunden: Deutschlands neuer Superstar. Das Nachwuchstalent, das Dieter Bohlen künftig mindestens eine goldene Schallplatte, zumindest aber einige Schlagzeilen einbringen wird. Wer der neue Superstar ist? Nun, ganz so konkret lässt sich das dann doch noch nicht sagen – sicher ist nur: Er ist dabei. Unter den letzten 120 Sängern, die mit der Jury nun zum Recall in die karibische Sonne fliegen. Zeit für eine erste Bilanz.
Mit einer überragenden Quote starteten Bohlen und Co. auch in ihren siebten Versuch, unter 35.000 deutschen Teenagern ein Gesicht und eine Stimme mit Starqualitäten zu entdecken. Gezeigt wurden dann aber erst einmal die, die sich besser in einer anderen Schlange angestellt hätten. Einer Schlange, an deren Ende keine Kamera steht, die gnadenlos auch die noch so peinlichsten Szenen festhält. Sei es ein Junge mit einem fragwürdigen feuchten Fleck auf der Hose oder mit unbeholfenen Sex-Phantasien, die er dann auch noch vor der Kamera nachzustellen versucht.
Nein, all diese Leute gehören sicher nicht in die Kategorie „Superstar“ – ihre „15 minutes of fame“ hätte man ihnen doch allzu gern erspart. So sicher es in den kommenden Recall-Wochen wieder Tränen und bittere Enttäuschungen geben wird: Die wahren Verlierer haben ihren Auftritt nun hinter sich.
Auch wenn es Dieter Bohlen grämen wird: Die hässliche Fratze von DSDS war der Pop-Titan in den ersten Sendungen längst nicht mehr. Sicher, ab und zu macht er noch seine anzüglichen Witze und absurden Vergleiche. Kommt ein Fäkalwort darin vor, zahlt er neuerdings Bußmünzen in ein Schweinchen – das aber scheint mehr dazu zu dienen, auf seinen Witz aufmerksam zu machen, als ihn wirklich zu zähmen.
Nein, die hässliche Fratze von DSDS zeigt sich in der neuen Staffel hinter der Casting-Bühne, wo sich ausgestattet mit Kameras Redakteure daran machen das bisschen Stolz, den Bohlen und das Leben den gescheiterten Kandidaten gelassen hat, genüsslich auf dem Bildschirm zu zerpflücken: Da wurde naiven Menschen erzählt, sie seien cool und sollten sich doch mal ein bisschen vor der Kamera bewegen – und wenn sie das dann versuchten, lachte man darüber, dass so ein Mensch ernsthaft glauben konnte, man habe ihn gut gefunden. Was als Superstar-Suche getarnt daher kam, war in Wahrheit Mobbing für Millionen – der erbärmliche Versuch mittels Fremdscham Quote zu machen. Bloß ein billiger Trick, den jeder vermutlich schon aus Schulhofzeiten kennt. Es reichte nicht, das diese Menschen nicht singen konnten, nein, man musste auch deutlich machen, dass sie sonst nichts können – ein zweifelhafter Pfad für wirkliche Talentsucher.
Natürlich gab es auch in diesen Massen-Casting wieder Menschen, die singen konnten. Charmante und verrückte Mädchen und Jungen, denen die gelben Zettel nur so entgegenflatterten, wenn sie nur den Mund aufmachten.
Natürlich galt auch für sie: Singen allein reichte nicht. Im Idealfall brachte man gleich noch eine anrührende Geschichte mit – eine Kindheit im Krieg, einen prügelnden Ehemann, einen schwerkranken Vater. Die erzählte man dann, bis Nina Eichinger weinte und Bohlen polterte, dass man endlich singen solle, weil er vermutlich Angst bekam, selbst eine Träne verdrücken zu müssen.
Seine Sprüche stehen immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – damit hat sich Dieter Bohlen seit langem einen Namen gemacht. Gnadenlos haut er angeblich auf die Kandidaten ein. Es mag an seinem doch schon recht fortgeschrittenen Alter liegen, doch der Pop-Titan scheint milde geworden zu sein. Das Schwein fütterte bisher er bloß, um es nicht verhungern zu lassen, lieber flirtete er mit den weiblichen und kumpelte mit den männlichen Bewerbern. Seine Schärfe hat Volker Neumüller übernommen – dazwischen saß die immer liebe Nina, die bisher nur durch eine Ohnmacht auffiel und dabei selbst Opfer ihrer voyeuristischen Kollegen wurde.
Man darf gespannt sein, ob die drei in den nun folgenden Runden noch Fahrt nehmen werden. Ob sie die 120 Menschen, denen sie oftmals „größtes Talent“ zugesprochen haben in den kommenden Wochen ordentlich einheizen. Schließlich sind sie vermutlich die drei Letzten, die bei ihrer Suche die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben: Irgendwann muss er schließlich mal dabei sein – Deutschlands echter Superstar.


















