Schreiben von Prinz Charles und anderen Mitgliedern der britischen Königsfamilie sollen künftig vor der Neugier von Medienvertretern und anderen Bürgern geschützt werden. „Ein verstärkter Schutz wird den Informationen bezüglich der Mitglieder der königlichen Familie und derer, die in ihrem Namen schreiben, gewährt“, erklärte das britische Justizministerium am Samstag auf seiner Website. Es will demnach im Februar einen entsprechenden Änderungsentwurf zum 2005 in Kraft getretenen Informationsgesetz im Parlament beraten lassen. Schriftwechsel von Regierung und Behörden beispielsweise mit Königin Elizabeth II. und Thronfolger Charles sollen demnach vollständig von Veröffentlichungen ausgenommen werden.
Das sogenannte Freedom of Information Act sieht vor, dass jeder britische Bürger die Behörden zur Veröffentlichung von Dokumenten zwingen kann, wenn dies im öffentlichen Interesse liegt. Für besonders sensible Daten gilt allerdings eine 30-jährige Sperrfrist, die das Justizministerium nun auf 20 Jahre herabsetzen will. Das Gesetz ermöglichte bereits viele Enthüllungen durch die Medien, insbesondere über die staatliche Finanzierung des Königspalastes. So war im September ans Licht gekommen, dass die Queen vergeblich staatliche Fördergelder beantragt hatte, die eigentlich Haushalten von Geringverdienern vorbehalten sind, um ihre Heizkosten in Höhe von umgerechnet mehr als einer Million Euro zu bezahlen.
Der geplante besondere Schutz der Schreiben der Königsfamilie entspricht laut Justizministerium den „Konventionen, die seit langem bestehen“, weil der Monarch die Regierung „beraten, ermutigen und warnen“ dürfe. Doch nicht alle Mitglieder der liberal-konservativen Regierung heißen die geplante Gesetzesänderung gut. „Ich bin enttäuscht“, erklärte der Liberaldemokrat Tom Brake. Da die Königsfamilie „große Summen staatlicher Gelder“ erhalte, wäre es aus seiner Sicht angebracht, dass sie dafür öffentlich zur Rechenschaft gezogen werden kann. In diesem Jahr steht mit der Hochzeit von Charles' ältestem Sohn William mit Kate Middleton ein teures Großereignis an, bei dem der Staat allerdings ausschließlich die Kosten der Sicherheitsvorkehrungen tragen soll.



