Morgenpost Online : Wer kauft schon ein Schlagloch?
Christoph Schmidt-Rose : Leute, die über die Idee schmunzeln können und die Aktion lustig finden und sagen: ‚Das ist es mir wert, dafür 50 Euro zu zahlen.’
Morgenpost Online : Wie viele Schlaglöcher hat Niederzimmern denn?
Schmidt-Rose : Wir haben sie nicht kartiert und nicht gezählt. Es ist ja auch viel mehr so, dass sie ein imaginäres Schlagloch kaufen und somit helfen, die Straße wieder befahrbar zu machen. Als Dank werden Sie mit einer eigenen Plakette gewürdigt, die dann auf einem der Schlaglöcher eingelassen wird. Ganz wie auf dem Walk of Fame.
Morgenpost Online : Auf diese Plakette kommt also der Name des Käufers?
Schmidt-Rose : Wenn rechtlich zulässig, drucken wir jeden beliebigen Text und veröffentlichen ihn. Einer hat schon angekündigt, dass er dies seiner Frau zum Hochzeitstag schenken wollen würde. Eine andere Text-Idee war: ‚Das Ende einer Hinterachse’.
Morgenpost Online : 50 Euro – das klingt fast wie ein Schnäppchen. Kann die Gemeinde das Geld nicht selbst aufbringen?
Schmidt-Rose : Die Frage ist eine andere: Ständig haben mich die Leute auf die Löcher angesprochen und gefragt: ‚Wann machst du endlich die Straße?’. Ich musste immer sagen, dass ich es im Moment noch nicht kann. Eines Tages wäre das Geld da gewesen, da ein bisschen Beton rein zu klatschen. Aber irgendwann wollten wir aus dem Frust über diese Löcher einfach was Witziges machen. Einer machte dann den Scherz: ‚Dann verkauf' sie doch’. So wurde die Idee geboren. Meine Tochter sagte, es sei total verrückt, aber lustig. Das hat mich bewogen, das umzusetzen.
Morgenpost Online: Sie preisen Ihre Angebote sogar in englischer Sprache an.
Schmidt-Rose : Ja, das ist eine weltweit einmalige Aktion. Wir haben auch Anfragen aus England. Morgen kommt auch die BBC. Vielleicht werden wir dann zum internationalen Konsortium.
Morgenpost Online : Wie viele Schlaglöcher sind Sie denn bereits losgeworden?
Schmidt-Rose : Das kann ich noch gar nicht sagen. Die Aktion ist ja erst am Montag gestartet. Und es ist ja nicht so, dass mich die Käufer anrufen müssten. Sie wickeln das Geschäft über unsere Homepage ab, ich müsste also auf das Gemeindekonto gucken, um die genaue Verkaufszahl zu sagen. Aber ich weiß, dass einige Kollegen und ein paar Leute aus dem Dorf eins gekauft haben.
Morgenpost Online : Bedeutet der Kauf denn auch das Recht auf Eigentum?
Schmidt-Rose : Rein rechtlich erwerben Sie natürlich gar nichts, außer meinem Versprechen, dass Sie eine eigene Plakette bekommen. Sie haben dann auch nicht das Recht, das Loch später offen zu lassen, das wurde ich auch schon gefragt. Mit Ihrer Beteiligung an der Aktion helfen Sie dabei, dass die Straße wieder schön und ordentlich gemacht wird.
Morgenpost Online : Auf Ihrer Homepage findet sich eine kleine Auswahl von zehn Angeboten. Welches ist Ihrer Meinung nach das beste Stück?
Schmidt-Rose : Das Doppelloch mit dem Bagger in der Mitte. Das ist ein Prachtstück.
Mehr Informationen unter http://www.niederzimmern.de



