Der frühere Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner zeigt in seinem ersten Interview nach seiner Verurteilung wegen der Folterandrohung gegen den Kindesentführer Magnus Gäfgen kein Unrechtsbewusstsein. Das Landgericht Frankfurt hätte ihn zumindest nach dem elementaren Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ freisprechen müssen, sagte Daschner dem „Focus“.
Das Gericht sprach ihn im Dezember 2004 der Anstiftung zur Nötigung schuldig, aber wegen „massiver Milderungsumstände“ erteilte es nur eine „Verwarnung mit Strafvorbehalt“. Daschner hatte einen später wegen schwerer Nötigung verurteilten Kriminalhauptkommissar am 1. Oktober 2002 angewiesen, Gäfgen Schmerzen anzudrohen, wenn er nicht sagen würde, wo er den vermeintlich noch lebenden elfjährigen Jakob versteckt hielt. Der Jurastudent hatte den Jungen am 27. September 2002 in Frankfurt-Sachsenhausen erstickt und von den Eltern eine Million Euro Lösegeld erpreßt.
Daschner rechtfertigt sein Vorgehen bis heute. „Es gab keine andere Lösung.“ Er habe unter extremen Handlungsdruck gestanden, um das Leben des Kindes zu retten. Er sei nicht in die Berufung gegangen, „weil ich der Familie und mir eine Fortsetzung der öffentlichen Kampagne nicht zumuten konnte“. Der Beamte kritisierte das hessische Innenministerium: „Die Abberufung aus dem Amt des Frankfurter Polizeivizepräsidenten war eine öffentliche Demontage, die durch nichts ausgeglichen werden kann.“
Unterstützung und Morddrohuungen
Er habe auch Tausende Briefe, E-Mails und Anrufe von Bürgern erhalten, „die keinerlei Verständnis für das Vorgehen der Justizbehörden aufbringen konnten“. Aber er sei auch mit „aggressiven Demonstrationen im unmittelbaren Wohnbereich“ und Morddrohungen konfrontiert worden. Zu Jakobs Vater Friedrich von Metzler habe er erst nach seiner Verurteilung wieder Kontakt gehabt. „Aus diesem Gespräch ist mir bekannt, daß er sich um meine Familie und mich große Sorgen machte“, sagte Daschner.
Im April 2005 war Daschner vom hessischen Innenminister Volker Bouffier befördert worden. Er wurde mit der Leitung des Präsidiums für Technik, Logistik und Verwaltung der hessischen Polizei betraut.



