Drama in Stuttgart

Die Bruchlandung des Parteisoldaten Müntefering

Nur Stunden nach der dramatischen Notlandung seines Flugzeugs in Stuttgart hat SPD-Chef Franz Müntefering seine Wahlkampftour fortgesetzt. Ohne selbst ein Wort über seine Erlebnisse vom Vormittag zu verlieren, startete er in Augsburg sein Programm und warb für seine Partei und deren Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier.

Betont dynamisch war Müntefering durch den Nieselregen zur Bühne geeilt. Auch in seiner Rede gab er sich kämpferisch. Vom Schrecken des Vormittags ließ er sich – ganz Parteisoldat – nichts anmerken, zumal er kurz nach der Bruchlandung bereits in Stuttgart aufgetreten war.

Zwar scherzte er über seinen eigenen Tod – allerdings in völlig anderem Zusammenhang: 2050, wenn zwölf Prozent der Bevölkerung älter als 80 Jahre seien, werde er nicht mehr dabei sein, sagte Müntefering. Er werde dann im Himmel sein – oder man werde ja sehen, wo Sozialdemokraten hinkämen.

Vor allem versuchte Müntefering, den SPD-Anhängern Mut zu machen. Er sei überzeugt, dass die Bundestagswahl am 27. September noch nicht entschieden sei. Darin habe ihn auch das TV-Duell vom Sonntagabend zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Steinmeier bestärkt. „Keiner ist in der Politik aus der Verantwortung“, betonte Müntefering. Wer nicht wählen gehe, sei verantwortlich, wenn Schwarz-Gelb an die Macht komme.

Normalisierung auf Stuttgarter Flughafen

Fast acht Stunden nach dem Unfall war am Abend die Sperrung der Start- und Landesbahn wieder aufgehoben worden. Das Stuttgarter Regierungspräsidium hatte das Nachtflugverbot gelockert, damit Verspätungen abgebaut werden konnten.

Rund 90 Flüge waren ausgefallen. Für Dienstag werden keine Auswirkungen erwartet. Der Ursache für die Fahrwerkstörungen gehen Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig nach.

Nach Angaben der Fluggesellschaft Contact Air ließ sich das Hauptfahrwerk der Maschine vom Typ Fokker 100 nur teilweise ausfahren. Daraufhin wurde Großalarm ausgelöst. Bei der Landung um 10.49 Uhr kam es zum Funkenflug, die Feuerwehr schäumte deshalb die Landebahn ein. Die Passagiere mussten das Flugzeug über den Notausgang mit Rutschen verlassen und wurden psychologisch betreut.

Das 13 Jahre alte zweistrahlige Düsenflugzeug war mit 73 Passagieren und 5 Besatzungsmitgliedern auf dem Weg von Berlin-Tegel nach Stuttgart. Dort wollte der SPD-Chef an einer Wahlkampfkundgebung teilnehmen – zu der er trotz des Zwischenfalls ohne Pause fuhr. In einem Festzelt im Stadtteil Feuerbach hielt er eine Rede und ließ sich mit Wahlkampfhelfern und einer Trachtengruppe fotografieren.

Müntefering war noch etwas blass im Gesicht, ließ sich aber vom Bad in der Menge nicht abhalten. „Das reicht einmal im Leben“, sagte der 69-Jährige. „Man guckt schon auf die Welt und findet sie gut.“ Im Flugzeug habe zwar keine Panik geherrscht, alle Passagiere hätten sich sehr diszipliniert verhalten. Dennoch sei er sich der schwierigen Situation voll bewusst gewesen.

Der Flugkapitän habe die Passagiere die ganze Zeit über die Situation auf dem Laufenden gehalten. „Unser Dank gilt dem Kapitän, der eine Meisterleistung hingelegt hat, und seiner Crew, die die Situation professionell gehandhabt hat“, sagte Müntefering.

Die Landung sei „sanfter als auf Rädern“ gewesen. Flugangst habe er jetzt nicht, versicherte der SPD- Politiker. Er werde am Abend wieder in einem Flugzeug zum nächsten Wahlkampfauftritt sitzen.

Vergleichbare Probleme mit dem Flugzeugtyp Fokker 100 seien ihm nicht bekannt, sagte der Geschäftsführer von Contact Air, Manfred Gärtner. Die Fluggesellschaft habe noch sieben weitere Maschinen des Typs in Betrieb.

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