Flugschau-Katastrophe

Unglückspilot von Eisenach gibt eigenen Fehler zu

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Ein Jahr nach der Katastrophe bei einer Flugschau in Eisenach-Kindel muss sich der Pilot vor Gericht verantworten. Der 37-Jährige wird für den Tod von zwei Menschen, 17-fache Körperverletzung und Gefährdung des Luftverkehrs verantwortlich gemacht. Zum Prozessauftakt räumte er seinen Fehler ein.

Mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Unfall bei einer Flugschau in Eisenach muss sich der 37-jährige Pilot seit Montag vor dem dortigen Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann zweifache fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung in 17 Fällen sowie fahrlässige Gefährdung des Luftverkehrs zu Last.

Der Pilot aus dem Ilmkreis war Ende April 2008 beim Start mit seinem einmotorigen historischen Agrarflugzeug mit einem Pavillon einer hessischen Rettungshundestaffel sowie einem Verkaufsstand kollidiert. Dabei waren die 45 Jahre alte Verkäuferin sowie ein 14 Jahre altes Mädchen aus Hessen tödlich verletzt worden. Mehrere Besucher der Flugschau erlitten schwere Verletzungen oder mussten sich in psychische Behandlung begeben.

Laut Staatsanwaltschaft erkannte der Pilot zwar, dass sein Flugzeug, mit dem er einen Wasserabwurf zeigen wollte, beim Start instabil wurde. Er habe jedoch den Flug nicht abgebrochen und den Hinweis des Kontrollturmes ignoriert, das Gas wegzunehmen. Vielmehr habe er weiter Vollgas gegeben.

Der Angeklagte gab zum Prozessauftakt an, dass der Start seiner Meinung nach zunächst vollkommen normal verlaufen sei. Er habe zwar ein kurzes Rütteln der Maschine wahrgenommen, sei jedoch davon ausgegangen, dass das Fahrwerk komplett abgehoben hatte. Dass noch ein Rad auf der Startbahn war, habe er nicht bemerkt.

Auch ein akustisches Warnsignal in der Maschine sowie die Aufforderung des Towers, das Gas zu reduzieren, habe er nicht gehört. Ob er das akustische Warnsignal im Cockpit angeschaltet hatte, wisse er nicht. Er habe sich nach der Checkliste gerichtet, in der das Anschalten eines solchen Warnsignals nicht zwingend vorgeschrieben sei.

Der 37-jährige sagte, er gehe davon aus, dass der Unfall durch sein fehlerhaftes Verhalten geschehen sei. Aus heutiger Sicht hätte er den Start damals abgebrochen. Er räumte ein, dass seine Maschine bereits im Oktober 2007 beim Start zu einer Wasserabwurf-Übung ausgebrochen war. Seitdem hätten keine weiteren Versuche stattgefunden, mit Wasser an Bord zu fliegen. Das Fliegen mit Ladung an Bord sei ihm jedoch grundsätzlich bekannt gewesen, sagte er.

Bis zum Unglück in Eisenach hatte der Pilot 150 Flugstunden absolviert. Auf so genannten Spornradflugzeugen, zu denen auch das historische Agrarflugzeug zählte, habe er 26 Stunden trainiert. Die Fluglizenz für einmotorige Propellermaschinen habe er im Jahr 2000 erworben.

Dass er nur als Ersatzpilot für seinen erfahrenen Fluglehrer starten sollte, habe er dem Veranstalter am Flugtag während einer Schulung mitgeteilt. Dabei habe er den Eindruck gehabt, dass alles sehr locker gehandhabt worden sei. In sehr kurzer Zeit habe ihm der Veranstalter die Südbahn zum Wasserabwurf zugewiesen und ihm dann gesagt, er solle sich suchen, was er brauche. Über die zu ladende Wassermenge sei beispielsweise nicht gesprochen worden.

Der Prozess soll am 29. Mai fortgesetzt werden.

( dpa/ddp/AP/kami )

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