Als sie starb, war es, als hätte sich die Sonne verfinstert. Lady Diana, die sich für HIV-Infizierte stark gemacht hatte, die sich nicht fürchtete, Lepra-Kranken die Hand zu geben und deren Kummer als Gattin eines Fremdgängers dazu führte, dass Millionen von Leidensgenossinnen sie zur Freundin erklärten, war zu einer Art Heiligen geworden. Und als Elton John auf ihrer Trauerfeier im September 1997 „Goodbye England’s Rose“ sang, konnte sich so mancher standhafte Diana-Kritiker die Tränen nicht verkneifen.
Diana „Prinzessin der Herzen“ – so ging sie in die Geschichte ein. Und daran hat sich trotz aller möglicher Eskapaden, die man ihr immer wieder anzuhängen versuchte, nichts geändert.
Doch eine neue Biografie (Diana – Die Biografie, Droemer Verlag, 19,90 Euro), die heute in Deutschland erscheint, zeichnet ein ganz anderes Bild von der Frau, die vor zehn Jahren bei einem Autounfall in einem Tunnel in Paris ums Leben kam. Die amerikanische Journalistin Tina Brown, überaus erfolgreiche Talk-Masterin, Kolumnistin und Chefredakteurin von Magazinen wie „Tatler“, „Vanity Fair“ und dem „New Yorker“, hat 250 Diana-Kenner für ihre Biografie befragt, die mit einem Mythos aufräumt. „Sie war ein bisschen teuflisch und hintertrieben“, sagt Brown in der ARD-Talkshow „Beckmann“, die heute Abend ausgestrahlt wird. Das fing offenbar schon früh an. Wie Tina Brown schreibt, hatte sie Charles ihrer eigenen Schwester ausgespannt. Und das keineswegs aus großer Liebe, sondern aus Berechnung.
Kein Unschuldslamm
Doch es zeichnet Tina Browns Biografie aus, dass sie Diana in ihren vielen – dunklen wie hellen – Facetten darstellt. Sie hebt nicht nur ihr ausgeprägtes Maß an emotionaler Intelligenz hervor, ihr Talent, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ihre Fürsorglichkeit. Sie schildert auch die Verletztheit des Scheidungskindes, das nach der Trennung der Eltern auf eine gute Schulbildung ebenso verzichten musste wie auf Nestwärme. Und vielleicht ist es genau das, was Dianas Hang zur Rache erklärt, den Brown ihr nachsagt: Wer ihr wehtat, musste damit rechnen, dass Diana es ihm heimzahlte. Und dabei war sie ziemlich impulsiv. Ihr Vater, den sie geohrfeigt haben soll, bekam das ebenso zu spüren wie die Stiefmutter, die sie angeblich die Treppe heruntergeschubst hat. Wie gnadenlos die betrogene Ehefrau vorging, zeigte nicht zuletzt das Fernsehinterview, in dem sie vor aller Welt aus dem misslungenen Leben mit Charles plauderte. „Als Feindin war seine Frau einfach unschlagbar – rachsüchtig, engstirnig, grausam“, so Tina Brown.
Dabei war Diana wahrlich kein Unschuldslamm. Tina Brown behauptet, die Prinzessin hätte doch, entgegen allen Dementis von Dianas Seite, ein Techtelmechtel mit Leibwächter Barry Mannakee gehabt. Es wäre der erste Seitensprung in der Ehe der Prinzessin gewesen. Brown will das von einem engen Vertrauten der Prinzessin wissen. Sollte Brown recht haben, dann hat sich Diana schon vor Charles’ Affäre mit Camilla Parker Bowles außerehelich vergnügt. Und dann wird vielleicht auch der frühe Tod des Leibwächters wieder interessant: Mannakee starb 1987, als er auf seinem Motorrad mit einem Laster zusammenstieß. Diana soll nie an einen Unfall geglaubt haben. Tina Brown wiederum glaubt Diana nicht, dass sie sich von den Fotografen so sehr belästigt fühlte, wie sie immer behauptete. Wie Brown behauptet, machte es sie ganz krank, wenn sie nach einem Auftritt vergeblich nach einem Bild von sich in einer Zeitung suchte. Zu manchem Stelldichein mit einem Liebhaber soll sie selbst die Reporter bestellt haben, um schließlich ganz überrascht zu tun und wegzulaufen.¿
Wer war Diana? Sie war auch eine Frau, die den Mut und die Kraft hatte, mit Traditionen zu brechen, die Palastmauern zum Wackeln zu bringen und ihren Ruhm für die Ärmsten einzusetzen. „Sie war etwas hinterhältig“, meint Tina Brown, „aber besser als alle um sie herum.“
Tina Brown ist heute Abend um 22:45 Uhr zu Gast bei "Beckmann" (ARD). Lesen Sie dazu morgen auf Morgenpost Online die Fernsehkritik der Sendung.
clb





